„So wie jetzt geht es nicht weiter“: Die Filmgalerie in Regensburg muss saniert werden

Während die Filmgalerie im Leeren Beutel in Regensburg für ihre Filmauswahl bekannt ist, fällt die Qualität ihrer Einrichtung dagegen zurück. Die Polster der 85 Sitze sind so durchgesessen, dass Kino-Chefin Chrissy Grundl sagt: „Darauf kann man kaum noch 90 Minuten sitzen.“
Die Mängel, die im Kinosaal offenbar werden, ringen Cineasten Nachsicht ab: Die Leinwand – sie ist ein ursprünglich für Open-Air-Vorstellungen gebautes Konstrukt der Marke Eigenbau aus dem Jahr 1981 − schlägt Falten. Manche der Kinosessel hängen immerhin noch auf Halbmast, bei anderen ist der Schnappmechanismus aber auch schon komplett hinüber. Die Polster sind so platt, dass Grundl Sitzkissen mit einem Klettverschluss darauf befestigt hat, damit die Besucher während der Vorstellungen einigermaßen komfortabel sitzen können.
Gerüche und Geräusche
Aber das ist noch nicht alles: Was Winfried Freisleben im Restaurant ein Stockwerk darunter seinen Gästen auch serviert – die Besucher im Kinosaal können erahnen, was in der Küche gekocht wird. Denn die Aromen kriechen durch die Tür. Diese Pforte zum Kinosaal ist zudem so hellhörig, dass Gespräche auf den Toiletten, im Foyer oder im Treppenhaus in der Vorstellung zu hören sind.
Dabei hat die Filmgalerie Bedeutung für die Kinolandschaft in Regensburg: Die laut Grundl 6600 Besucher der regulären Kinovorstellungen im Jahr 2023 schätzten das Programm, weil der Betreiberverein, der Arbeitskreis (AK) Film, es nicht nach kommerziellem Erfolg der Filme bestückt, sondern nach ihrer künstlerischen, gesellschaftlichen oder filmhistorischen Relevanz. Oft gibt es anschließend Diskussionsrunden zu den in diesen Streifen angesprochenen Themen.
Dazu kommen ausverkaufte Vorstellungen während Filmfestivals, bei denen die Filmgalerie regelmäßig als Spielort fungiert: Kurz- und Stummfilmwoche sowie das nun wieder anstehende Transit Filmfest von 6. bis 13. November oder Cinescultura.
„So wie jetzt geht es nicht weiter.“
Bei allem Erfolg sagt Grundl angesichts der maroden Ausstattung: „So wie jetzt geht es nicht weiter.“ Um das Kino auch in Zukunft so vielfältig nutzen zu können, brauche es eine neue Leinwand, ein Speichersystem mit mehr Kapazität, um digitale Filmdateien zu verwalten, einen Laptop, der die Kassengeschäfte und die Vorbereitung der Filmdateien ermöglicht, nach über 40 Jahren aber auch eine neue Bestuhlung, eine schalldämmende Wandverkleidung und eine Erneuerung des Bodens.
Grundl hat im ersten Quartal 2023 Angebote für alle notwendigen Arbeiten eingeholt. Laut einer Vorlage, über die der Kulturausschuss gestern Nachmittag beriet, belaufen sich die Kosten dafür auf 72 500 Euro. 40 Prozent der Kosten, das sind 29 000 Euro, werde die Filmförderungsanstalt des Bundes übernehmen. Allerdings drängt die Zeit. Denn dieser Zuschuss kann laut der Vorlage nur dann abgerufen werden, wenn die Arbeiten spätestens Ende April erledigt sind. Deswegen will das Kulturamt dem AK Film nun einen einmaligen Investitionskostenzuschuss in Höhe von 36 250 Euro gewähren. Die restlichen zehn Prozent der damals veranschlagten Kosten soll der Verein übernehmen. Das sind 7250 Euro. Weil seit der Abgabe des Angebots einige Zeit verstrichen ist, ist laut der Vorlage mit einer Kostensteigerung zu rechnen. Auch dieses Geld soll der AK Film auf den Tisch legen.
Zehn Prozent plus X
Grundl beschäftigt deswegen gerade die Frage, um welchen Betrag es sich dabei handeln wird. Alleine der Posten mit den Kinosesseln habe sich in der Zwischenzeit um etwa 1000 Euro verteuert. Dieses finanzielle Risiko für den Verein sprach auch Stadtrat Jakob Friedl (Ribisl-Partie) während der Sitzung an. Er wollte, dass die Stadt auch diese Kostensteigerungen übernimmt.
Nachdem Kulturamtsleiterin Maria Lang erklärt hatte, dass dies die Förderung des Bundes in Gefahr bringen könnte, schlug Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) vor, dass die Verwaltung beim Erstellen einer entsprechenden Fördervereinbarung auch prüfen soll, wie die Stadt dem AK Film noch entgegenkommen kann.
Dem sowie dem Vorschlag einer Empfehlung an den Finanzausschuss und den Stadtrat, den Zuschuss für die Sanierung zu übernehmen, um den Betrieb der Filmgalerie aufrecht erhalten zu können, stimmte der Kulturausschuss einstimmig zu.
