Der Leere Beutel in Regensburg braucht ein neues Dach: 2000 Quadratmeter Ziegel sind hinüber

Zigtausende Besucher im Jahr, nahezu 365 Tage Programm: Der Leere Beutel ist einer von Regensburgs wichtigsten Kulturtempeln. Allerdings einer mit einem Dachschaden, wie sich seit Anfang August herausgestellt hat. Eine Fachfirma soll klären, wie groß der ist.
Was ist passiert? Vor fast sechs Wochen schloss die Stadt das Gebäude für einige Tage, in dem ein Restaurant, die Veranstaltungsräume und das Büro des Jazzclubs, die städtische Galerie, die Filmgalerie sowie Depoträume des Historischen Museums und der Galerie untergebracht sind. Denn vom Dach der Nordseite hatten sich Ziegel gelöst und waren auf die Straße gefallen. Wenige Tage später konnten die Institutionen ihren Betrieb zwar wieder aufnehmen, allerdings war weiterhin unklar, wie groß der Schaden ist, was dazu führte, wie viel die Sanierung kostet und wie viel Zeit sie beanspruchen wird.
Vier weitere Wochen Geduld
Auch jetzt sind noch viele Fragen zu den Bauarbeiten offen, die an dem Gebäude notwendig sein werden. Bei einem Thema aber ist sich Tobias Renz, Leiter des Amts für Gebäudeservice, schon sicher: „Die Dachziegel sind am Ende ihres Lebenszyklus‘ angekommen“, sagt er. Die Biberschwänze auf einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern sollen ausgetauscht werden. Renz spricht etwa von Frostschäden an den inzwischen fast 50 Jahre alten Ziegeln. Weil es auch weiterhin passieren kann, dass sich Biberschwänze lösen, stehen auf der Nord- und der Südseite des Gebäudes nun Gerüste mit grünen Fangnetzen, die Passanten schützen sollen. Schäden wie diese kommen laut Renz erst ans Tageslicht, wenn die Experten die Ziegel in die Hand nehmen, nicht aber bei Dachbefahrungen. Diese beraumt die Stadt bei historischen Gebäuden grundsätzlich von Zeit zu Zeit an.
Etwa in vier Wochen könnte ihm zu Folge klar sein, wie es um den Rest des Dachs bestellt ist. Im Moment untersucht eine Spezialfirma die historische Konstruktion mit mehreren Stockwerken auf weitere Schäden. Dazu sollen die über 45 Grad steilen Dachflächen an zehn Stellen geöffnet und begutachtet werden.
Ist Wasser eingedrungen? Gibt es Probleme mit Fäulnis? Wie steht es um die Substanz des Dachstuhls? Diesen Fragen sollen die Experten auf den Grund gehen. Renz räumt zwar ein, dass der Stadt eine riesige Baustelle ins Haus stehen würde, sollte es einen neuen Dachstuhl brauchen, er gibt sich aber zuversichtlich, dass ihn derlei Überraschungen nicht erwarten. Immerhin werde das Gebäude über alle Stockwerke hinweg genutzt. Deswegen geht er davon aus, dass es jemandem aufgefallen wäre, falls es weitere Probleme gibt.
Erst wenn das Ergebnis dieser Untersuchung feststeht, kann ein Plan für die Sanierung des Dachs erstellt werden, erklärt Renz. Und erst wenn der fertig ist, werde er sagen können, wie teuer diese Arbeiten der Stadt kommen werden und wie lange sie sich hinziehen könnten.
Leerer Beutel weiter offen
Was aber bedeutet dieser Umstand für die Nutzer des Gebäudes? Immerhin wird der Kulturbetrieb in der zweiten Septemberhälfte so richtig durchstarten, weswegen in den kommenden Wochen viele kreative Köpfe dem Regensburger Publikum ihre Ideen präsentieren wollen – auch im Leeren Beutel. So beendet der Jazzclub am Wochenende seine Sommerpause. Während des Galerienabends startet eine Woche später eine neue Ausstellung in der städtischen Galerie. Herbstzeit ist auch Kinozeit. Deswegen sollen in der Filmgalerie mehrere neue Streifen gezeigt werden: Reiner Meyer, Leiter der städtischen Galerie im Leeren Beutel, sagt, dass die Sicherheit mit dem Gerüst und den Fangnetzen gewährleistet ist und er erst einmal mit keinen weiteren Störungen im Betrieb rechnet.
Das Grün der Fangnetze könnte bald weniger ins Auge stechen, weil die Nutzer des Leeren Beutels es mit Werbung bedecken und so darauf aufmerksam machen können sollen, dass die Baustelle an dem Gebäude lediglich die Außenhaut betrifft. Einer, der die Absperrung schon als Werbefläche nutzt, ist Restaurantchef Winfried Freisleben: Er trommelt mit einem Plakat für seinen Mittagstisch.


