Verjüngungskur für Historischen Reichssaal: Großer Ziernagel fiel schon von der Decke

Von Heike Haala · 3. November 2024 um 19:00

Empfänge, Konzerte, Preisverleihungen: Wenn Veranstaltungen der Stadt Regensburg einen würdigen Rahmen brauchen, sperrt sie den Historischen Reichssaal auf – 35 Mal alleine im Jahr 2023. Und so ist es der guten Stube anzusehen, dass dort bis zu 326 Besucher Platz finden.

Bei einem davon kam es sogar schon zu einem Zwischenfall. Und so wird der Festakt für die Partnerstadt Clermont-Ferrand am 4. Mai dem Grünen-Stadtrat Hans Teufl noch lange im Gedächtnis bleiben: Er sei in der ersten Reihe gesessen, als junge Musiker trommelten, was das Zeug hielt. Das Musikstück endete damit, dass sich einer der großen Ziernägel in den Deckenbalken löste und einen halben Meter vor Teufls Füßen auf dem Boden landete. Der Stadtrat blieb unverletzt.

Stadtrat nahm es mit Humor

Er hob das von einer Patina überzogene Stück auf. „Der wird eine Länge von sieben Zentimetern gehabt haben und der kugelförmige Kopf hatte einen Durchmesser von zweieinhalb bis drei Zentimetern“, beschreibt Teufl den Nagel, den er am Ende der Veranstaltung Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) gab. Teufl nahm es mit Humor: „Der Kopf ist so schwer, da kann der Nagel nicht mit der Spitze nach unten fallen. Wenn er mich getroffen hätte, hätte ich vermutlich einen blauen Fleck bekommen“, sagt er.

Inzwischen wurde der Ziernagel laut Tobias Renz und Andreas Schöbel vom Amt für Gebäudeservice wieder an der Decke angebracht. Trotzdem bedarf die Innenhülle des Reichssaals einer Restaurierung. Renz und Schöbel deuten auf die Wände, die an manchen Stellen schon grau sind, weil sich im Laufe der Jahre so viele Rücken an sie gelehnt haben. Die Malereien, etwa am Fensterrahmen, sind teilweise abgeplatzt. Auch die Decke soll laut Schöbel gereinigt werden, die Kronleuchter neu elektrifiziert.

Weil der Saal historische und denkmalpflegerische Bedeutung hat, ist aber nicht daran zu denken, einfach die Wände herunterzuweißeln und die Deckenbalken abzuschleifen. Denkmalexperte Prof. Peter Morsbach erklärt: Der 22,5 Meter lange und 15 Meter breite Saal stamme aus der Zeit um 1320 und 1330. Die frei tragende Decke sei eine Konstruktion aus dem Jahr 1446. „Das Alte Rathaus war das Zentrum der reichsstädtischen Verwaltung und ihrer Gerichte. Als Schauplatz des immerwährenden Reichstags befand sich hier auch einmal ein Zentrum der europäischen Geschichte“, verdeutlicht er.

Letzte Sanierung Jahrzehnte her

Das heutige Erscheinungsbild des Saals mit Thron und Bänken stammt laut Morsbach aus der Zeit um 1910. Zuletzt kam es laut Auskunft von Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, in den Jahren 1952 und 1975/76 zu Sanierungsmaßnahmen am Reichssaaltrakt, 2006 erfolgte die Sicherung des Standerkers.

Jetzt hat die Stadt im Entwurf für das Investitionsprogramm (IP) für die Jahre 2024 bis 2028 456 000 Euro vorgesehen, mit denen die Innenraumhülle und die Kronleuchter restauriert werden sollen. Um dem Denkmal gerecht zu werden, bedürfen diese Arbeiten einer Voruntersuchung, die in den kommenden beiden Jahren über die Bühne gehen soll, kündigt Renz an. Alleine das wird laut dem Entwurf für das IP im kommenden Jahr 33 000 Euro und im Jahr 2026 57 000 Euro kosten.

Empfänge weiter möglich

Zur Restaurierung soll es laut von Roenne-Styra im Jahr 2027 kommen. Welche Arbeiten genau notwendig sind, wie lange sie dauern werden und mit welchen Kosten das verbunden sein wird, soll nach der nun anstehen Voruntersuchung feststehen, sagt Renz.

Für die Untersuchung ist ein mobiles Gerüst notwendig, um die Decke inspizieren zu können, erklärt er. So lange sie läuft, soll der Reichssaal weiter genutzt werden können. „Es ist keine Sperrung vorgesehen. Der normale Belegungsplan soll nicht gestört werden“, kündigt Renz an. Dafür stimme er sich mit dem Hauptamt ab.

Auch die Malerei soll wieder auf Vordermann gebracht werden.
Einer dieser Nägel löste sich.
Die Verschmutzung soll weg.