„Habe die Notbremse gezogen“: Wirt nennt Grund für das Aus seines Kult-Restaurants im Leeren Beutel

Winfried Freisleben wirkt aufgewühlt. Und doch findet er kurze, prägnante Sätze, mit denen er das Aus seines Kult-Restaurants im Leeren Beutel erklärt. „Ich will niemandem Vorwürfe machen“, stellt er klar – und räumt ein, Pachten nicht bezahlt zu haben. War das eine Art Hilferuf, der sich im grünen Baustellen-Netz, das seit knapp einem Jahr um das Regensburger Kulturhaus gespannt ist, verfangen hat?
Er hatte es kommen sehen. „Es droht die große Katastrophe“, sagte Freisleben bereits im März zur MZ. Damals wurde klar, wie schlecht es um den spätmittelalterlichen Getreidespeicher, der neben Freislebens Restaurant auch Filmgalerie, Jazzclub oder die Städtische Galerie beheimatet, wirklich steht. Nicht nur die Dachziegel müssen ausgetauscht werden, auch der Dachstuhl ist marode. Wie lange sich die Bauarbeiten ziehen, vermag die Stadt bis heute nicht zu sagen. Derzeit laufen Voruntersuchungen. Bis 2026 wird das Gerüst, das vergangenes Jahr im August aufgestellt worden ist, um Passanten vor herabfallenden Ziegeln zu schützen, auf jeden Fall noch stehen bleiben.
„Ich versuche, mit der Stadt Regensburg ein Konzept zu basteln, das das Überleben des Leeren Beutels sichern kann“, sagte Freisleben im März. Funktioniert hat das nicht. Am Wochenende verkündete der Wirt das Aus seines Restaurants nach 37 Jahren. Der Pachtvertrag sei nicht verlängert worden, sagte Freisleben. Näher äußerte er sich gegenüber Medien bislang nicht.
Restaurant im Leeren Beutel in Regensburg schließt: Paulaner Brauerei erklärt sich
Im Jahr 2000 – da war Freisleben bereits seit zwölf Jahren Wirt im Leeren Beutel – verpachtete die Stadt die Gaststätte an die Paulaner Brauerei. Die überließ die Räume weiterhin Freisleben. Der machte sie zu einem Kultort.
Nun endet eine Ära. „Wir haben uns diese Entscheidung keinesfalls leicht gemacht, jedoch mussten wir sie aufgrund der aufgelaufenen Außenstände treffen“, erklärt eine Paulaner-Sprecherin zum nicht verlängerten Pachtverhältnis. Vorangegangen seien eine sorgfältige Abwägung und wiederholte Versuche, gemeinsam wirtschaftlich tragfähige Lösungen für die Zukunft des Betriebs zu finden. „Trotz konkreter Vorschläge von unserer Seite konnte leider keine Einigung erzielt werden“, teilt Paulaner mit.

Das Gerüst hat mich platt gemacht. Und zu bestimmten Zeiten konnte ich gar nicht aufsperren.
Winfried Freisleben
„Ja, ich habe Pachten einbehalten“, sagt Freisleben und verweist auf die immensen Schäden, die der Zustand des Gebäudes seinem Restaurant zugefügt habe. „Das Gerüst hat mich platt gemacht. Und zu bestimmten Zeiten konnte ich gar nicht aufsperren.“ Über das Einbehalten der Pacht habe er versucht, ins Gespräch zu kommen. „Das hat nicht funktioniert“, lautet sein Fazit.
Mehrfach betont Freisleben, dass es ihm nicht um Schuldzuweisungen geht. Er wolle keine Vorwürfe erheben. Das einzige, was er immer wieder sagt: nicht gehört worden zu sein. Sein Problem sei schlicht niemandem klar gewesen. „Ich habe die Notbremse gezogen.“
Aus des Restaurants im Leeren Beutel sorgt für Wehmut in Regensburg
Auch wenn es nur ein kleiner Trost ist. Freisleben freut es, wie viel Wehmut sein Abschied vom Leeren Beutel auslöst. Unter dem Facebook-Post, in dem er das Aus verkündet hat, ist das schön dokumentiert. „Es tut gut, nach dieser ganzen Zeit zu hören, dass ich in Regensburg eine Menge bewegt habe.“
Wie es in den Gasträumen weitergeht, steht in den Sternen. Die Stadt – auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer – stehe in Kontakt mit Paulaner, teilt die städtische Pressestelle auf Anfrage mit. Der Mietvertrag mit der Brauerei laufe auf unbestimmte Zeit. Gewiss ist nur: Ende Juni gehen im Restaurant im Leeren Beutel die Lichter aus.