Gerüst bleibt bis Jahresende: Wird Leerer Beutel in Regensburg zur Langzeit-Baustelle?

Von Juliana Ried · 14. März 2025 um 09:00

Die Stadt Regensburg behebt den Dachschaden am Leeren Beutel, dem Kulturtempel in der Altstadt, frühestens im Herbst. Dabei steht das Gerüst dort schon seit etlichen Monaten – und macht dem Gastronomen dort das Geschäft schwer. Er fürchtet massiven wirtschaftlichen Schaden.

Der Leere Beutel ist zu großen Teilen verhüllt, immer noch. Ein Gerüst und ein grünes Netz an dem Kulturhaus in der Altstadt sollen Passanten vor herabfallenden Ziegeln schützen – und das voraussichtlich noch bis Ende des Jahres. Ein Beginn der Reparaturarbeiten sei frühestens ab Oktober möglich, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra – „dies natürlich vorbehaltlich der Finanzierung“. Der Pächter des Restaurants fürchtet einen erneuten Katastrophen-Sommer.

Im August waren Ziegel vom Dach der Nordseite auf die Straße gefallen. Städtische Galerie und Restaurant mussten schließen, bis das Gerüst stand. Schnell war klar: Die Biberschwänze auf einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern sollen ausgetauscht werden. Im September hieß es dann, in vier Wochen könnte klar sein, wie es um den Rest des Dachs bestellt ist.

Feuchte Stellen am Dach

Doch die Untersuchung zog sich so lange hin, dass Baureferent Florian Plajer erst im Februar den Planungsausschuss über das Ergebnis der insgesamt acht Bauteilöffnungen am Dachstuhl informierte: „Es sind insbesondere Feuchteschäden zutage getreten“, sagte er. Auch stehe die Dachdeckung grundsätzlich unter Spannung. „Dadurch kam es auch zu diesen spontanen Ziegelbrüchen.“ Der Maßnahmenkatalog, den er erwarte, müsse nun mit der Denkmalpflege abgestimmt werden.

Stadtsprecherin von Roenne-Styra sagt zum aktuellen Stand, es sei wohl neben der Erneuerung der Dachhaut ein Austausch der beschädigten Holzteile des Dachstuhls notwendig. Was das koste, sei noch nicht abschließend geklärt. „Dazu findet eine erneute Begutachtung des Daches statt.“ Die Feststellung der Schäden durch ein externes Ingenieurbüro sei aufwendig gewesen, „da es sich bei dem Gebäude um ein bedeutendes Baudenkmal im Bereich der Altstadt handelt. Bedingt durch Witterung, Verfügbarkeit qualifizierter Handwerker und dem eigentlichen Arbeitsaufwand dauerte die erste Untersuchung in Summe mehrere Wochen“. Sie ergab, dass die Dacheindeckung – altersbedingt und durch Frostaufsprengungen – an verschiedenen Stellen beschädigt sei. Deshalb sei es wohl schleichend zu den Feuchteschäden am Dachstuhl gekommen. Derweil gilt: „Bis zum Abschluss der Arbeiten muss das Gerüst stehenbleiben. Dadurch, dass sich immer wieder Ziegel lösen können, ist die Verkehrssicherheit im Bereich der Längsseiten des Gebäudes anderweitig nicht gewährleistet.“ Andere Möglichkeiten zur Sicherung seien gesucht worden, seien aber „wirtschaftlich nicht darstellbar“, so von Roenne-Styra.

Hochzeiten abgesagt

Winfried Freisleben, Inhaber des Restaurants Leerer Beutel, fürchtet angesichts dessen großen wirtschaftlichen Schaden. Die Baustellen-Atmosphäre mache seinen Freisitz nicht nur kleiner, sondern vor allem unattraktiver. „Das beeinflusst natürlich massiv das Sommergeschäft.“ Zwei Hochzeiten seien schon abgesagt worden. „Es droht die große Katastrophe. Ich versuche, mit der Stadt Regensburg ein Konzept zu basteln, das das Überleben des Leeren Beutels sichern kann.“

Der Besuch des Kinos leide wohl nicht unter dem Gerüst, sagt Amrei Keul vom Arbeitskreis Film. „Es ist natürlich nicht schön und einladend“, sagt sie. Anfangs sei es auch schwierig gewesen, „den Leuten klarzumachen, hier findet nach wie vor Kultur statt“. Doch durch die Banner am Fangnetz seien wohl auch Leute auf das Kino aufmerksam geworden, die es zuvor nicht gekannt hätten; ansonsten sei so großformatige Werbung am Baudenkmal nämlich nicht erlaubt. Wie Freisleben fragt sich auch Keul, wie es weitergeht mit dem alten Gebäude. „Das Dach ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs“, mutmaßt sie.

Das Gebäude

Geschichte: Den Leeren Beutel führt die Bayerische Denkmalliste als „ehemaligen städtischen Getreidekasten“ mit drei Geschossen und hohem Satteldach aus den Jahren 1597/98 beziehungsweise 1606/07.

Neue Bestimmung: Nach einer grundlegenden Sanierung wurde der Leere Beutel 1980 seiner neuen Bestimmung als städtisches Galeriegebäude übergeben. Den Sammlungsbestand beschreibt die Stadt als „ein Panorama vor allem ostbayerischen Kunstschaffens“. Außerdem beherbergt das Gebäude den Arbeitskreis Film, der neben dem Kinobetrieb der Filmgalerie die Kurzfilmwoche, das Film- und Kulturfestival Cinescultura und die Stummfilmwoche organisiert, das Restaurant Leerer Beutel und den Jazzclub.