Nach erschreckendem Vorfall: Jugendamt bekommt Sicherheitsdienst – Das Rathaus auch?

In Regensburgs Amtsstuben geht die Angst um. Weil ein polizeibekannter Schläger im Jugendamt ausgerastet ist, ist die Stadt auf der Suche nach einem Sicherheitsdienst für die beiden Gebäude in der Richard-Wagner-Straße. Auch die Mitarbeiter im Alten Rathaus sollen besser vor ungebetenen Gästen geschützt werden. Und das Michlstift – aus dem Schutzhaus ist vergangenes Jahr ein Kind verschwunden – braucht einen neuen Pförtner. Mal wieder.
„Zum Schutz der Mitarbeiter im Amt für Jugend und Familie wird ein Sicherheitsdienst (...) in den Gebäuden vor Ort benötigt“, heißt es in der Ausschreibung, die die Stadt am Montag veröffentlicht hat. Gesucht wird ein Dienstleister, der ab August die Gänge bestreift, die Türen im Blick behält und die Mitarbeiter „vor verbalen und tätlichen Bedrohungen und Angriffen“ schützt.
Schon länger setze sich das Jugendamt mit der „Sicherheitsproblematik“ in den Dienstgebäuden der Richard-Wagner-Straße auseinander, erklärt Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage. Die Mitarbeiter müssten täglich mit Bedrohungen und körperlichen Übergriffen rechnen, da sie regelmäßig mit Klienten zu tun hätten, die unter einer Sucht- und/oder einer psychischen Erkrankung leiden, sich in psychischen Ausnahmesituationen befinden oder sich mit einer hoch emotionalen Situation konfrontiert sehen, beispielsweise der Inobhutnahme eines Kindes.
„Äußerst aggressiv“: Klient rastet im Jugendamt in Regensburg aus
Dafür, dass jetzt ein Sicherheitsdienst gesucht wird, sei jedoch ein Vorfall im Januar ausschlaggebend gewesen, schildert von Roenne-Styra. Damals habe ein Klient, der polizeilich wegen häuslicher Gewalt in Erscheinung getreten ist, mehrere Mitarbeiterinnen „äußerst aggressiv“ bedroht. Glücklicherweise sei niemand verletzt worden. Es sei bei „Gewalt gegen Gegenstände“ geblieben. Der Mann muss sich wohl an Türen abgearbeitet haben.
Weil auch die öffentliche Sicherheit von Anschlägen und Gewalt zunehmend gekennzeichnet ist, sinkt das subjektive Sicherheitsempfinden.
Beschlussvorlage
Auch im Alten Rathaus hat es in der jüngeren Vergangenheit Vorfälle gegeben. Immer wieder seien Personen in das Gebäude eingedrungen und hätten „aufgezeigte Grenzen nicht akzeptiert“. So steht es in einer Beschlussvorlage (liegt der MZ vor) geschrieben, über die der Stadtrat Anfang April hätte abstimmen sollen. Es ging darum, einen Info-Point zu schaffen (einmalig 85.000 Euro) und ihn mit einem Pförtner zu besetzen (93.000 bis 150.000 Euro jährlich).
Das verschachtelte Gebäude biete Unbefugten die Möglichkeit, sich unbemerkt dort aufzuhalten, erklärte die Verwaltung den Fraktionen in einer Vorab-Information. Vor allem Reinigungskräfte seien demnach immer wieder mit „zum Teil unter Einfluss von Rauschmitteln stehenden Personen“ konfrontiert.
Weiter heißt es: „Weil auch die öffentliche Sicherheit von Anschlägen und Gewalt zunehmend gekennzeichnet ist, sinkt das subjektive Sicherheitsempfinden.“ Sogar einen Farbanschlag auf eines der Porträts in der Galerie früherer Oberbürgermeister habe es gegeben.

In den Stadtrat schaffte es die Vorlage nicht. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) zog sie kurzfristig zurück. Es gebe noch Abstimmungsbedarf, hieß es damals. Hintergrund des Rückziehers dürfte sein, dass Grüne und CSU ihre Zustimmung verweigert hatten. Eine Mehrheit wäre so nicht zustande gekommen.
Wie geht es nun weiter? „Es werden aktuell verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten geprüft“, sagt von Roenne-Styra. Das weitere Vorgehen sei vom Ergebnis dieser Prüfung abhängig. Konkreter wird die Stadt-Sprecherin nicht.
In anderen Einrichtungen beschäftigt die Stadt seit längerem Sicherheitsdienste, beispielsweise im Jobcenter oder im Amt für Soziales im Ankerzentrum. „Aus Gründen der Arbeitsnehmersicherheit und zum Objektschutz“ gebe es hier Zugangskontrollen, sagt von Roenne-Styra.
Für Schlagzeilen sorgte vergangenes Jahr ein Vorfall im Michlstift. Ein Mann hatte einen Sechsjährigen gegen den Willen der Erzieherinnen aus dem städtischen Schutzhaus mitgenommen. Es entbrannte eine Debatte um die Sicherheitsvorkehrungen in der Einrichtung.
Vorwürfen, sie seien ungenügend, erteilte Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) stets eine Absage – setzte jedoch kurzfristig einen Jugendamtsmitarbeiter an die Pforte, als der Fall publik wurde.

Die Pförtnerstelle sei „wegen des Publikumsverkehrs“ 2023 erstmals beantragt und für das Haushaltsjahr 2025 bewilligt worden, erklärte Freudenstein vergangenes Jahr auf Anfrage – betonte aber im Stadtrat, die Stelle sei nie Teil des Sicherheitskonzepts gewesen. Diesen April nahm der Pförtner seinen Dienst auf.
Ein kurzes Vergnügen: „Die Stelle musste nach kurzer Zeit erneut ausgeschrieben werden“, erklärt von Roenne-Styra. Voraussichtlich Anfang Juli soll ein neuer Pförtner starten. Bis dahin besetzen den Eingang zum Michlstift wie gehabt wechselnde Mitarbeiter.