Reaktion auf Übergriffe: Sicherheitsdienst fährt in Regensburg bei Fahrscheinprüfung mit

Von Benedikt Baumgartner · 11. Februar 2025 um 05:00

Weil es zu immer mehr Übergriffen auf Kontrolleure kommt, hat der RVV nun reagiert. Securitys unterstützen deshalb auf ausgewählten Fahrten in Regensburg die RVV-Prüfteams.

Verwundert dreht sich eine Frau in ihrem Bussitz um. „Seid’s jetzt mit Sicherheitsdienst unterwegs?“, fragt sie den Kontrolleur, der ihren Fahrschein entgegennimmt. „Das ist aber nicht nötig“, sagt die Frau, „lieber zahl’ ich, bevor ich mir Ärger einhandle“. Nur: Die jüngsten Erfahrungen beim RVV zeigen, dass nicht alle Fahrgäste so einsichtig sind wie diese Passagierin.

„Es kommt bedauerlicherweise immer wieder zu Übergriffen auf unser Prüfpersonal“, sagt RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein. „Nachdem neben verbalen Übergriffen auch die körperlichen Übergriffe zunahmen, haben wir vor rund einem Jahr entschieden, unsere Mitarbeitenden bei ihren Kontrollen zeitweise durch eine externe Sicherheitsfirma zu unterstützen.“

Drei Prüfer, zwei Securitys

Am Donnerstagvormittag sind drei Kontrolleure – sie sollen in diesem Artikel nicht erkenntlich gemacht werden – mit zwei Security-Männern unterwegs. Es bleibt fast ohne unangenehmen Zwischenfall. Nur eine ältere Frau will nicht einsehen, was sie falsch gemacht hat. Sie kann einen Fahrschein vorzeigen, nur gestempelt hat sie ihn nicht. „Als wir eingestiegen sind, ist sie aber schnell geworden“, sagt einer der Kontrolleure im Nachhinein.

Die Frau wollte ihre Fahrkarte noch schnell in den Stempel-Automat stecken. Der ist während der Fahrt aber gesperrt. Die Konsequenz: 60 Euro Bußgeld. Noch beim Aussteigen schimpft die Frau: „So ein Bescheuerter“ – sicherlich nicht das Schlimmste, was den Kontrolleuren so an den Kopf geworfen wird.

Im Bus zeigt sich Umgang der Gesellschaft

Vor allem der Ton sei rauer gegenüber den Kontrolleuren geworden, sagt Müller-Eberstein. Auch wenn die Zahl körperlicher Angriffe nicht exorbitant gestiegen sei, habe man proaktiv handeln wollen. Zahlen dazu will der Verkehrsverbund nicht veröffentlichen. Der RVV-Chef betont, dass es keineswegs gefährlich zugehe in den Bussen in Stadt und Landkreis. Die Verrohung der Gesellschaft, die man vielerorts zu spüren bekomme, erreiche aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel.

„Ich sehe es so: Das Gute überwiegt noch“, sagt einer der Kontrolleure. „Ich gehe auch immer auf Menschen zu, die verloren oder hilfesuchend schauen.“ Beim Ticketkauf am Automaten, bei der Frage nach der richtigen Linie oder Haltestelle, beim Einsteigen mit Kinderwagen oder Rollstuhl – helfen zu können macht ihren Beruf für die Fahrscheinprüfer schön. Sie sind im Team unterwegs, draußen auf der Straße.

Keine Schwerpunkt-Linien bei Problemen

Und das Team wächst nun gelegentlich um zwei weitere Kollegen an. Die Kontrolleure wählen die Strecken, auf denen sie die Security-Männer bevorzugt mitnehmen, selbst. „Tendenziell unterstützt der Sicherheitsdienst meist auf den eher stärker nachgefragten Fahrten, damit sich unsere Prüfteams auch bei vielen Fahrgästen besser auf die eigentliche Fahrausweisprüftätigkeit konzentrieren können“, informiert RVV-Marketingleiter Michael Rieger auf MZ-Anfrage.

Schwerpunkt-Linien ließen sich im Verbundgebiet aber nicht identifizieren, Vorfälle ereignen sich gleichermaßen in Stadtbus- oder Regionalbuslinien. Auch die Tageszeit spiele keinen großen Einfluss auf unschöne Vorfälle. „Das kann morgens sein, wenn einer schlecht aufgestanden ist, das kann abends sein, wenn einer vom Feiern kommt“, sagt Müller-Eberstein.

Sicherheitsempfinden steigt

Seit Einführung der Security-Begleitung ist etwa ein Jahr vergangen. Rieger teilt ein positives Fazit mit: „Das subjektive Sicherheitsempfinden der Prüferinnen und Prüfer hat sich aufgrund der Begleitung durch den Sicherheitsdienst verbessert.“

Verbale und vereinzelt auch körperliche Übergriffe gegen RVV- und Security-Mitarbeiter kämen jedoch weiterhin vor. Die Hemmschwelle bei potenziell aggressiven Personen liege deutlich höher, wenn der Sicherheitsdienst vor Ort ist. „Die Maßnahme zeigt daher Wirkung“, urteilt der RVV-Sprecher.

Videoüberwachung im Bus?

Eine weitere Maßnahme, um das Sicherheitsgefühl von Kontrolleuren, Busfahrern und Passagieren noch mehr zu steigern, könne Ausdehnung von Videoüberwachung in die Busse sein, allerdings sei das nicht die Baustelle des RVV, sagt Müller-Eberstein. Die Fahrzeuge gehören der Stadt oder privaten Unternehmen. Im Umfeld des Hauptbahnhofs hat die Polizei vor Kurzem Kameras installiert. Eine Ausweitung auf die Busse, sagt Rieger, wäre grundsätzlich wünschenswert.