So ist die Ratten-Situation am Hauptbahnhof Regensburg – Klauen Tierfreunde Köder?

Im Areal zwischen dem Hauptbahnhof Regensburg und der Maxstraße kämpft die Stadt seit langem gegen ein Müllproblem. Und damit auch gegen die Explosion der Rattenpopulation. Vor einem Jahr versprach die Oberbürgermeisterin, sich darum zu kümmern. Der zuständige Experte erklärt nun, wie die aktuelle Lage ist.
Rattus novegicus, die Wanderratte, ist ein zähes Tier. In Sachen Ernährung ist sie sehr genügsam – das lässt sich gut beobachten im Umfeld des Regensburger Hauptbahnhofs. Rund um das Peterskirchlein und den Busbahnhof werfen die Menschen jeden möglichen und unmöglichen Unrat in die Gegend, genug Nahrung für eine Explosion der Rattenpopulation. Weil nicht zu erwarten ist, dass die Menschen sauberer werden, engagiert die Stadt Regensburg Spezialkräfte, um eine solche Explosion zu verhindern.
Für das Bahnhofsvorfeld übernimmt diesen Job die Firma Reitenspies aus Wenzenbach. „Überall in Deutschland gibt es immer mehr Ratten. Das merkt man hier in Regensburg auch“, sagt Schädlingsbekämpfer Matthias Zunder. Belastbare Statistiken gibt es dazu kaum, doch sehen Forscher vor allem die milden Winter als förderlich für das Wachstum der Rattenpopulation. Weite Teile der Agrarbranche verfassten vor wenigen Wochen einen Brandbrief, der von einer „dramatischen Verschärfung der Rattensituation in Städten“ spricht. Neben dem Raiffeisenverband DRV stecken dahinter jedoch auch viele Lobbyverbände aus der Produktion von Ratten-Ködern.
Videos zeigen Rattengruppen am ZOB Regensburg
Und wie ist nun die Lage zwischen Regensburgs Bahnhof und Maxstraße? Immer wieder kursieren Videos im Internet von Rattenschwärmen – auch im Dezember wieder: Flink huschen die Nager zwischen gelben Pappbechern und Müll umher. Die Reaktionen auf das Video rangierten von „Ratten hat es schon immer gegeben“ über „was ist nur aus Regensburg geworden“ bis hin zu „lasst doch die Tiere in Ruhe“.
Im vergangenen Winter warfen Bürger und Bahn-Mitarbeiter der Stadt ein mangelndes Ratten-Management vor (die MZ berichtete). Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer versprach, dem nachzugehen. Seitdem habe man gehandelt, teilt die Pressestelle der Stadt mit. Neben regelmäßigen Kontrollen wurde vor allem die Vermüllung angegangen, heißt es: „Im Areal wurden vier geschlossene Mülleimer installiert, um den Zugang der Tiere zu Nahrungsquellen zu erschweren. Zusätzlich wurde die Abfallentsorgung in den stark frequentierten Monaten intensiviert: Eine externe Firma reinigt die Mülleimer und das Bahnhofsareal bis zu viermal wöchentlich.“ Seit einem Jahr legt die Stadt zusätzlich auch Köder in der Kanalisation aus. Diese würden aber wenig angefressen, so die Stadt, was beweise, „dass die Ratten hauptsächlich oberirdisch durch das Wegwerfen von Essensresten in diesem Bereich angezogen werden“.
Während die Stadt berichtet, dass ihr die „Problematik bezüglich der Rattenpopulation“ bekannt sei, heißt es seitens der Deutschen Bahn auf Nachfrage, im direkten Bahnhofsbereich sei „aktuell kein akutes Rattenproblem bekannt“.
Die Firma Reitenspies agiert in erster Linie mittels Köderstationen. Diese sind zwischen Bahnhof und Maxstraße sowie gelegentlich am Dachauplatz aufgestellt und werden monatlich kontrolliert. Anhand des Köderbefraßes könne man errechnen, dass jedes Mal rund 15 bis 20 Ratten erwischt würden. Dabei verwende man EU-zugelassene Blutgerinnungshemmer, die Boxen selbst stellten keine Gefahr für andere Tiere oder gar Kinder dar, betont Matthias Zunder. „Der Befall hier ist nicht extrem, aber man muss immer dranbleiben, um die Kontrolle zu behalten.“ Zwei Probleme spricht Zunder jedoch an: „Wir müssen immer sehr aufpassen, wo wir mit den Fingern hinlangen – wegen der Spritzen“, sagt Zunder. Und viele der rund 15 bis 20 Köderstationen würden gestohlen.
Köderboxen am Peterskirchlein verschwinden
„Wir können sie noch so fest anbringen, sie werden trotzdem geklaut. Das ist schon ein Problem und wird der Stadt natürlich berechnet“, sagt Zunder. Mit einem Preis von rund zwölf Euro seien die Boxen zwar nicht teuer, doch bei jedem Rundgang würden wieder welche fehlen. „Gerade habe ich sie kontrolliert und es waren wieder fünf weg“, sagt Zunder diese Woche. Wer dahinter steckt, sei schwer zu sagen. Weil die Boxen keinen großen Wert haben, verdächtigt er am ehesten Tierschutz-Aktivisten.
Die Bekämpfung von Ratten wird von manchen kritisch gesehen, die die Nager als soziale, intelligente und auch scheue Tiere sehen. Matthias Zunder bestätigt, dass die Schädlingsbekämpfer die Ratten selbst kaum zu Gesicht bekämen. Das Pro und Kontra der Bekämpfung von Ratten sei ein schwieriges, für viele emotionales Thema, so Zunder, auf das er nicht tiefer eingehen wolle. „Aber nichts tun ist einfach auch keine Alternative.“
Das Müll-Problem am Bahnhof
Essensreste: Wie diesen Haufen alter Semmeln und Croissants, einfach unter einen Baum am Peterskirchlein geworfen, finden Stadtangestellte und Schädlingsbekämpfer oft entsorgte Nahrungsmittel.
Mülleimer: Neue, geschlossene Mülleimer sollen laut Aussage der Stadt Ratten fernhalten – sie ersetzen niedrige offene, wie am Nordende des Peterskirchleins noch zu finden.
Appell: Die Stadtverwaltung pocht auch auf die Vernunft der Regensburger, schreibt sie: „Die Stadt appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, die Abfallbehälter zu nutzen und keinen Müll achtlos in den Grünanlagen oder auf den Wegen zu hinterlassen.“



