Rattenplage mitten in Regensburg: Bahn-Mitarbeiter fühlen sich hilflos

Ein Bahn-Mitarbeiter schildert wüste Szenen nachts im Bahnhofsumfeld zwischen Hauptbahnhof und Peterskircherl. Die Stadt Regensburg will die Lage jetzt prüfen.
Es ist ein Appell an die Oberbürgermeisterin, den ein Mitarbeiter der DB Regio schrieb: „Seit Anfang Juni 2023 gibt es im Bereich des Hauptbahnhofes und der Parkanlagen in Richtung Ausgang der Innenstadt eine massive Rattenplage“, so Dennis Jakupovic. Der Park rund um das Peterskirchlein sei schon seit längerer Zeit stark vermüllt. „Das beobachte ich schon seit Anfang des Jahres. Jedoch nimmt die Rattenplage inzwischen überhand, sodass es wirklich grausam ist, den Weg von unserer Mitarbeitertiefgarage im Castra Regina Center über die Bahnhofstraße vor allem nachts zu gehen“, so der Bahn-Mitarbeiter. Er und seine Kollegen würden häufig ihren Dienst früh antreten oder spät abends durch die Anlagen gehen müssen.
„An die 30 Ratten zu sehen“
„Es befinden sich teilweise an die 30 Ratten im Bereich der Bahnhofstraße, vor allem an den Containern gegenüber von Gleis 101 unterhalb der Galgenbergbrücke, in der Grünanlage unterhalb der Galgenbergbrücke, auf der Brücke selbst, auf der Albertstraße im Park um das Peterskirchlein und inzwischen auch schon im Parkhaus Castra Regina Center DB Bahn Park“, so Jakupovic weiter. „Für viele meiner Kollegen und Kolleginnen ist der Weg vom und zum Parkhaus inzwischen zum Albtraum geworden.“ Verantwortlich für das Auftreten der Tiere seien Essensreste und Müll in der Anlage rund um das Peterskircherl. „Bei aller Wertschätzung“, schreibt der Bahner an die OB, „aber das kann und darf in der Stadt Regensburg kein Zustand sein. Wir fühlen uns hilflos!“
Ratten in Regensburg – ist das der Stadt bekannt? Seit dem Hilferuf der Bahnmitarbeiter offenbar erst: „Aufgrund der Meldung wird die Kommune im Bahnhofsumfeld tätig beziehungsweise dem Hinweis nachgehen“, sagte eine Sprecherin der Stadt. Ratten gelten nach dem Infektionsschutzgesetz als Schädlinge und Überträger von Infektionskrankheiten. „Konkret ist die Gefahr jedoch gering, da man nur selten direkt in Kontakt mit den Ratten kommt“, sagt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra weiter. „Hieraus resultiert die Bekämpfungsbefugnis und -erfordernis.“
Das Amt für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr sei „im Rahmen des Vollzugs des Infektionsschutzgesetzes zuständig“, wie es von Seiten der Sprecherin weiter heißt, „wenn Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen auf privaten Grundstücken angeordnet werden müssen“. Bei einem Schädlingsbefall auf städtischen Grundstücken erfolgen zumeist Hinweise an die zuständigen Fachämter wie zum Beispiel dem städtischen Gartenamt, erläutert die Sprecherin weiter. „Durch diese ergehen dann in der Regel Aufträge an Schädlingsbekämpfungsfirmen beziehungsweise erfolgen Bekämpfungsmaßnahmen durch Mitarbeiter des Fachamtes“, sagte von Roenne-Styra. Dass sich das Peterskircherl und der Platz um den Hauptbahnhof zur Brutstätte für die Schädlinge entwickelt hat, verwundert angesichts des Zustandes dort nicht. „Besonders anziehend für Ratten sind zum Beispiel Speiseabfälle, die vermehrt um den Bahnhof herum weggeworfen werden“, räumt auch die Stadtsprecherin ein.
Schon 2017 gab es Ratten
In der Tat ist es nicht das erste Mal, dass Ratten in der Stadt gemeldet werden. Bereits 2017 meldete sich die Stadt zu dem Thema zu Wort. Damals wollte die Sprecherin aber nicht von einer Rattenplage ausgehen. Sie sagte, im Jahr werden acht bis zehnmal Nager an die städtischen Ämter gemeldet. „Die Kollegen des Amtes gehen dann der Sache nach, um vor Ort Rattenlöchern zu suchen beziehungsweise die Quelle, die die Nagetiere anzieht, ausfindig zu machen“, hieß es damals.
Neben Ratten sorgen immer wieder Tauben gerade in der Altstadt für Probleme. Hier gibt es eine Satzung der Stadt, die das Füttern der Krankheitsüberträger verbietet. Laut dieser kann mit Geldbuße belegt werden, „wer vorsätzlich oder fahrlässig Tauben füttert oder das Futter auslegt“, heißt es.
Bei Ratten im Normbereich?
Im Stadtrat spielt das Thema zumeist eine untergeordnete Rolle. Immer wieder tauchen Ratten am Donauufer auf, Bürger melden sich dann manchmal bei Politikern und beschweren sich. Zuletzt thematisiert wurden die Tiere im Jahr 2019.
Doch auch die Müllentsorgung kann zum Problem werden: Im Regensburger Stadtosten kam es zuletzt im Frühjahr zu vermehrten Meldungen von Ungezieferbefall. Haufenweise Tage vor dem Abholdatum ins Freie verbrachte Mülltüten sorgten hier dafür, dass das Ungeziefer sichtbarer wurde. Damals räumte die Stadt ein: „Nach einer Ortsbesichtigung wurde der Rattenbefall bestätigt.“ Eine Rattenplage in Regensburg wollte man aber nicht bestätigen. Die Stadt liege bei dem Thema „im Normbereich“. Ob das auch angesichts der Situation am Hauptbahnhof noch im Normbereich ist, bleibt abzuwarten.
