Nach Entführungsfall im April: Pforte im Regensburger Kinderschutzhaus Michlstift jetzt besetzt

Von Dagmar Unrecht · 28. August 2024 um 17:39

Die Entführung eines Kindes aus dem Regensburger Michlstift Mitte April hat hohe Wellen geschlagen. Jetzt ist dort die Pforte besetzt. Man wolle „ein Zeichen setzen“, sagte Bürgermeisterin Astrid Freudenstein.

Am Dienstag hat sich der Ferienausschuss aufgrund einer Anfrage der SPD-Fraktion mit dem Thema beschäftigt. Dabei teilte Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein mit, dass die Pforte des Kinderschutzhauses seit Montag besetzt ist. „Es ist kein Versäumnis, dass es das bisher nicht gab“, betonte sie. Man wolle aber „ein Zeichen setzen“.

SPD-Stadträtin Evelyn Kolbe-Stockert hatte für ihre Fraktion Auskunft zum Michlstift und der dortigen Sicherheitslage gefordert. Man habe von der Ereignissen aus den Medien erfahren, monierte die Stadträtin.

Vorfall Mitte April

Der Fall, der die Debatte ausgelöst hat, hatte sich am 19.April ereignet. Ein Mann hatte damals gegen den Willen der Erzieherinnen einen sechs Jahre alten Jungen aus dem Michlstift mitgenommen. Beide wurden später in Tschechien von der Polizei aufgefunden. Der Bub war wohlauf.

Freudenstein sagte im Ferienausschuss, an den Sicherheitsvorkehrungen im Michlstift habe sich „im Prinzip seit vielen Jahren nichts verändert“. Es gebe einen Sicherheitsdienst außerhalb der Bürozeiten. Von Mitte Oktober bis Ende Dezember 2023 habe man für zehn Wochen einen zusätzlichen Sicherheitsdienst tagsüber engagiert. Hintergrund sei ein starker Anstieg von unbegleiteten, minderjährigen Asylbewerbern gewesen. Freudenstein betonte, es seien in dem konkreten Fall im April „keine Fehler passiert“.

Das Michlstift sei verwinkelt und alt. „Den Anspruch, dieses Gebäude dicht zu kriegen, hatten wir nie.“ Das Kinderschutzhaus sei auch nie als geschlossene Einrichtung konzipiert gewesen. Die Pforte sei ein Relikt aus Altenheimzeiten. Die Pförtnerstelle sei durchaus sinnvoll. „Sie war aber nie Teil eines Sicherheitskonzepts“, so Freudenstein weiter. Der Aufruhr habe aber nun dazu geführt, dass die Pforte seit Montag besetzt sei - durch Mitarbeiter der Hausverwaltung. Auch die Beschilderung sei verbessert worden. Laut Daniel Engelbrecht, Leiter der Abteilung Spezialisierte Soziale Dienste, gibt es zwei Schließanlagen im Michlstift, fast jede Tür könne individuell gesteuert werden. Im Kinderschutzhaus sind demnach Kinder von vier bis 14 Jahren untergebracht.

„Krasse Geschichte“

Daniel Gaittet, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sprach angesichts der Entführung im April von einer „krassen Geschichte“. Volker Sgolik, Leiter des Jugendamts, entgegnete: „Im Jugendamt haben wir es nur mit krassen Geschichten zu tun.“ Kindesentführungen seien nicht so selten.