Oberbürgermeisterin lässt Bettenlager am Kaufhof räumen – Hausmeister bricht Schweigen

Von Jonas Raab · 16. Juni 2025 um 19:00

Eine leere Weinflasche, ein Haufen Kot und dessen Ausdunstung zeugen von letzter Nacht. Keine drei Meter weiter, auf den Stufen der Alten Wache, sitzt am Montagvormittag ein Mann zwischen seinen Bierdosen. Das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Regensburger Neupfarrplatz ist zum Anlaufpunkt für Obdachlose und Suchtkranke geworden. Das sorgt immer öfter für Probleme.

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Wüst hat es in den vergangenen Wochen ausgesehen an der Alten Wache. Ein Obdachloser hatte sich dort niedergelassen. „Ich habe mit der Person gesprochen“, sagt Caritas-Streetworker Ben Peter. Recht viel preisgeben wollte der Mann nicht. „Manchmal braucht es Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Dann war das Bettenlager plötzlich weg.“ Es war Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) höchstselbst, die das Bettenlager hat räumen lassen. Der Hausmeisterservice, der sich im Namen des Eigentümers – wer auch immer das gerade sein mag – um den schlagzeilenbehafteten Leerstand kümmert, sieht „eigentlich gar kein Problem“.

Es ist schon drastisch schlechter geworden in den vergangenen Wochen.

Kiosk-Betreiber Florian Rottke

Es war nicht der erste Obdachlose, der sich am einstigen Konsumtempel niedergelassen hat. Auch die Eingänge in der Pfauen- und Drei-Helm-Gasse hatten in den vergangenen Monaten Menschen als Unterschlupf gedient. Diese Bettenlager waren ebenfalls irgendwann verschwunden. Brücke-Stadtrat Florian Rottke betreibt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ex-Kaufhof einen Kiosk und berichtet von wechselnden Personen, die in den vergangenen Monaten am Neupfarrplatz geschlafen hätten. Manche der Obdachlosen seien harmlos, andere „relativ unberechenbar“. Erst am Wochenende habe es am Kiosk einen Zwischenfall mit einem Betrunkenen gegeben. „Es ist schon drastisch schlechter geworden in den vergangenen Wochen“, sagt Rottke.

An einem Eingang zum ehemaligen Kaufhof auf dem Regensburger Neupfarrplatz hat sich in den Wintermonaten ein Obdachloser eine Bettstatt gebaut. - Foto: Christian Eckl (Archiv)

Streetworker Ben Peter schätzt die Zahl der Obdachlosen in Regensburg auf „100 plus Dunkelziffer“. Rund 30 von ihnen lebten auf der Straße. Der Neupfarrplatz sei für sein Klientel schon immer ein „interessanter Ort“ gewesen. Ob sich der Kaufhof zum Hotspot entwickelt habe, könne er „noch nicht genau“ sagen – doch hätten leerstehende Räume wohl schon einen Einfluss. Die Begegnungen mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes beschreibt Peter als „relativ entspannt“, den Austausch als gut. „Sie melden sich nicht wegen kosmetischen Problemen bei uns, sondern wenn sie sich Sorgen machen, beispielsweise um die Gesundheit einer Person.“

Obdachlose lassen sich an Kaufhof in Regensburg nieder

Nachfrage bei der Stadt. Die Pressestelle weiß von zwei Schlafplätzen, die sich Menschen „unerlaubterweise“ am Kaufhof eingerichtet hätten. Da es sich um einen Privatbereich handelt, habe der Kommunale Ordnungsservice (KOS) nicht tätigt werden können, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Der vom Gebäudeeigentümer beauftragte Hausmeisterdienst habe sich gekümmert; die Oberbürgermeisterin hatte darum gebeten. Auch das Sozialamt sei eingebunden gewesen.

Rottke hat von der Hausmeisterfirma noch nicht viel mitbekommen – außer einmal, als kurz vor der entscheidenden Stadtratssitzung das schlagzeilenträchtige „Happy Ramadan“-Plakat an dem Leerstand, der laut Investorenplänen ein Islamisches Kulturzentrum werden sollte, aufgetaucht war. An diesem Tag hatte das Auto eines Dienstleisters aus Hessen, der unter anderem Hausmeistertätigkeiten in seinem Portfolio anführt, vor dem Gebäude geparkt. Eine Anfrage ließ der Geschäftsführer damals unbeantwortet.

Kurz vor der entscheidenden Stadtratssitzung tauchte am ehemaligen Kaufhof auf dem Regensburger Neupfarrplatz ein "Happy Ramadan"-Plakat auf. - Foto: Heike Haala (Archiv)

Neuer Versuch am Montag. Seit der Kaufhof geschlossen ist, betreue das Unternehmen den Leerstand, bestätigt der Geschäftsführer. Zu den Bettenlagern sagt er: „Das haben wir mit dem Ordnungsamt geklärt.“ Mit Obdachlosen am Gebäude habe man „eigentlich gar kein Problem“ mehr. Das habe man gelöst. Nachts gehe ein sogenannter „Revierdienst“ auf Streife. Ansonsten kümmere sich sein Unternehmen um Wartung und Brandschutz.

Rätselraten um Ex-Kaufhof in Regensburg: „Vollzug des Vertrags nicht festzustellen“

In wessen Besitz sich das Gebäude derzeit befindet: unklar. Mitte Dezember wurde der Stadt formell über das beurkundende Notariat mitgeteilt, dass das Kaufhof-Gebäude verkauft worden sei. Die Pläne der angeblichen Investoren sorgten bundesweit für Aufsehen. Und heute? „Ein Vollzug des Vertrags ist weiterhin nicht festzustellen, auch Stand heute nicht“, sagt von Roenne-Styra. „Es besteht Kontakt. Zu Gesprächsinhalten werden wir uns aber nicht äußern.“

Derweil verfällt das Warenhaus zusehends. Nicht nur das Loch im Dach über der Einfahrt zur Tiefgarage zeugt davon; auch die historischen Bilder, die die Stadt an den Schaufenstern zur Belebung des Umfelds angebracht hat, sind nahezu täglich um eine Schmiererei reicher. Dass das Obdachlosen-Problem gelöst sei, will Rottke vom Kiosk nicht so recht glauben. „Echt?“, fragt er darauf angesprochen. „Heute Morgen habe ich noch jemanden liegen sehen.“