Aus Sicherheitsgründen: CSD-Parade durch Regensburger Altstadt abgesagt

Von Christian Eckl · 16. Juni 2025 um 09:37

Es gebe eine „abstrakte Bedrohungslage“, die Sicherheit von Teilnehmern des Christopher-Street-Days in Regensburg und Einsatzkräften könnten nicht sichergestellt werden: Heuer wird es keinen Umzug durch die Innenstadt geben, wie Organisator Alexander Irmisch auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mitteilt.

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Trauriger Höhepunkt einer veränderten Sicherheitslage auch in Regensburg: Am 5. Juli wird es nun doch keinen Straßenumzug durch die Regensburger Innenstadt geben. Nur das Straßenfest findet statt. Irmisch begründet dies aber nicht nur mit der Bedrohung durch Islamisten und Rechtsextreme. Stadt und Polizei wurden von der Absage des Umzugs überrascht. Sie erfuhren durch die MZ-Anfrage davon, dass der Veranstalter die Parade nicht durch die Stadt ziehen lassen will.

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Denn genau das teilte Alexander Irmisch mit. Der SPD-Stadtrat und Queer-Aktivist sei als Anmelder der Demonstration für den Christopher-Street-Day vergangene Woche zum Krisengespräch mit dem städtischen Ordnungsamt und der Polizei zusammengekommen.

Für mich war ganz klar, dass die Sicherheit der Teilnehmer und Einsatzkräfte oberste Priorität hat.Alexander Irmisch

„In diesem Zusammenhang wurden wir darüber informiert, dass es eine abstrakte Anschlagsbedrohungslage gibt“, sagte Irmisch auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. „Ganz wichtig ist: Es ist keine konkrete Bedrohungslage, sondern eher eine abstrakte.“ Dennoch ermittle das Landeskriminalamt. „Ich wurde gefragt, wie wir mit dieser Lage umgehen wollen“, sagte Irmisch weiter. „Für mich war ganz klar, dass die Sicherheit der Teilnehmer und Einsatzkräfte oberste Priorität hat.“ Irmisch habe sich mit dem Organisationsteam des CSD beraten und die unterschiedlichen Möglichkeiten ausgelotet.

Vergangenes Jahr knapp 3000 Teilnehmer

„Das Problem ist, dass die Parade, zu der vergangenes Jahr knapp 3000 Teilnehmer gekommen sind, an zahlreichen engen Gassen vorbeigezogen wäre, die schlecht abzusichern sind.“ Demnach hätte die Polizei entweder durch Präsenz, oder durch Poller oder ähnliche Sicherheitsvorkehrungen den gesamten Parcour absichern müssen. „Natürlich gibt es nie eine 100-prozentige Sicherheit.“ Aber es gebe eben mehr als eine abstrakte Gefahr in diesen Zeiten.

Einen Kommentar zur Absage der CSD-Parade finden Sie hier: Link

Der Christopher-Street-Day geht zurück auf einen Aufstand homosexueller Männer in der Bar Stonewall in der Christopher-Street in New York 1969. Polizeirazzien gegen die Homosexuellen waren damals Prügelorgien durch Polizisten. Doch 1969 wehrten sich die Männer, es kam zu Krawallen. Heute zelebriert die queere Gemeinschaft weltweit CSDs in Gedenken an die Tage der Unterdrückung. Irmisch ist deshalb wichtig, dass es auch heuer politische Statements geben wird.

Das ist die Alternative

„Es wird nun eine Kundgebung am Domplatz geben, dort werden auch Reden gehalten.“ Danach werde man gemeinsam zum Straßenfest in Stadtamhof gehen. Dort wird es erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben. „Der Platz dort ist besser zu sichern, da es nur die Zufahrt beim Pylonentor sowie von der Andreasstraße her gibt.“ Heuer werden erstmals Poller den Platz schützen. Auch die Stärke des Sicherheitsdienstes werde verschärft.

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Der Vereinsvorstand von „Queeres Regensburg“ teilt mit: „Für uns war es ganz sicher keine einfache Entscheidung, aber ganz klar stand für uns bei der Entscheidung im Vordergrund, dass wir mit unserem CSD ein positives, buntes und tolerantes Zeichen für queere Sichtbarkeit aussenden wollen. Dazu gehört für uns auch, dass sich die Teilnehmer*innen der Demonstration als auch die Besucher*innen des Straßenfestes immer sicher fühlen können.“

Irmisch, der selbst SPD-Politiker ist, sagt, nicht nur die offene Zuwanderungspolitik und entsprechende Bedrohungslagen durch Islamisten sei Schuld daran, dass sich das Klima auch in Regensburg verändert hat. „In den USA haben die Evangelikalen gerade beschlossen, dass sie die Ehe für alle wieder abschaffen wollen“, sagt Irmisch. Das Problem sei nicht die offene Zuwanderungspolitik seiner Partei, sondern die Bedrohung durch religiösen Fanatismus und durch Rechtsextremismus.

Mehrere Vorfälle in Bezug auf CSD-Events

In den vergangenen Wochen ist es immer wieder zu Vorfällen in Bezug auf CSD-Veranstaltungen gekommen. In Wernigerode im Harz hatte ein 20-Jähriger Drohungen ausgesprochen. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei Waffen. Am Wochenende kam es in Brandenburg zu einer Attacke Vermummter auf ein Vielfaltsfest.

Die Stadt bestätigte das Sicherheitsgespräch zwischen Veranstalter, Polizei und Ordnungsamt. Nach diesem Gespräch habe der Veranstalter „eigenständig entschieden, die Parade durch die Innenstadt aufgrund einer abstrakten Bedrohungslage abzusagen“, teilte eine Stadtsprecherin mit. Die Kundgebung am Domplatz, der verkürzte Aufzug vom Domplatz nach Stadtamhof sowie das Straßenfest in Stadtamhof soll laut Veranstalter jedoch stattfinden. „Verwaltungsinterne Prüfung und Abstimmung bezüglich des Straßenfests laufen derzeit“, hieß es weiter.

Oberbürgermeisterin: „CSD steht für offene Gesellschaft“

Zur Sicherheitslage in Regensburg könne ausschließlich die Polizei Stellung nehmen, so die Stadt weiter. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagte aber zumindest etwas ganz allgemeines zum CSD: „Der Christopher-Street-Day ist mehr als nur ein Fest. Er steht für eine offene Gesellschaft sowie für unsere Demokratie. Wir setzen mit dem zweiten städtischen Regenbogenempfang im Reichssaal und den Veranstaltungen zum CSD am 5. Juli ein starkes Zeichen für die Rechte queerer Menschen und gegen Diskriminierung hier in Regensburg.“

CSU-Bürgmeisterin: Gilt auch für andere Feste

Die Regensburger Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) sagte, die abstrakte Bedrohungslage gelte nicht nur für den CSD. „Wir haben das Thema ja jetzt bei allen Veranstaltungen wie dem Siedlerfest oder den Dultumzug“, sagte Freudenstein. Das Ordnungsamt verlange zwischenzeitlich deutlich mehr Absicherung. „Das ist aufwendig und teuer“, schloss die CSU-Politikerin.

Anmerkung der Redaktion vom 30.12.2025

Wegen unserer Berichterstattung zur Absage der CSD-Parade durch die Regensburger Altstadt hat der Presserat eine Missbilligung ausgesprochen. Konkret ging es um ein indirektes Zitat des SPD-Stadtrats Alexander Irmisch. Im betreffenden Artikel heißt es: „Irmisch, der selbst SPD-Politiker ist, sagt, nicht nur die offene Zuwanderungspolitik und entsprechende Bedrohungslagen durch Islamisten sei Schuld daran, dass sich das Klima auch in Regensburg verändert hat.“ Damit wurde der Eindruck erweckt, Irmisch mache die offene Zuwanderungspolitik mitverantwortlich. In einer Stellungnahme, die dem Presserat zugesandt wurde, schrieb Irmisch demgegenüber, er habe diese Aussage nicht getroffen. „Ganz klares Nein. Die größte Bedrohung für CSDs und queere Menschen kommt von Rechten und von Rechtsextremist*innen. Das lässt sich anhand der Zahlen aus dem vergangenen Jahr und den letzten Monaten ganz klar belegen.“ Der Presserat sieht eine offenbar wahrheitswidrige Wiedergabe der Aussage und einen ganz klaren Verstoß gegen die Ziffer 2 des Pressekodex. Die Redaktion ist zwar zur Veröffentlichung nicht verpflichtet, tut dies aber aus Transparenzgründen.