Bundestagswahl 2025: Das Hoffen und Bangen der Oberpfälzer Kandidaten

Die Bundestagswahl kann die Oberpfälzer Politiklandschaft kräftig durcheinanderwirbeln. Wer hat Aussicht auf mehr Mandate? Wem droht, mit leeren Händen dazustehen? Ein Überblick über die Lage von CSU, AfD, Grünen, SPD, Freie Wähler, FDP, Bündnis Sahra Wagenknecht und Linken.
Noch eine Woche bis zu einer Bundestagswahl, die das Zeug hat, die politischen Verhältnisse in Ostbayern kräftig durcheinanderzuwirbeln: In der Oberpfalz hat die AfD Chancen, bei der Zahl der Mandate mit der CSU gleichzuziehen. Die FDP droht, in der Versenkung zu verschwinden. Die SPD könnte im Regierungsbezirk nur noch mit halb so vielen Mandaten dastehen – mit geringerem Risiko könnte das auch den Grünen passieren. In Niederbayern setzen die Freien Wähler mit Parteichef Hubert Aiwanger und dem Landshuter Landrat Peter Dreier als Direktkandidaten in gleich zwei Wahlkreisen der CSU kräftig zu, die dort bisher das Zepter in der Hand hält.
Knackpunkt: Fünf-Prozent-Hürde
Ein Überblick über die mehr oder weniger aussichtsreichen Kandidaten im Verbreitungsgebiet der Mittelbayerischen Zeitung – bei allen Unwägbarkeiten: Erstmals wirkt sich das neue Wahlrecht zur Verkleinerung des Bundestags aus. Zudem spielt eine Rolle, welche der aktuellen Wackelkandidaten FDP, Freie Wähler und Bündnis Sahra Wagenknecht am Ende ihren Anteil vom Kuchen beanspruchen – sei es durch ein Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde oder durch drei Direktmandate bundesweit. Die nachfolgende Auflistung ergibt sich aus der Höhe der aktuellen Umfragewerte im Freistaat.
• CSU: Die Oberpfalz war für die CSU bisher stets eine ziemlich sichere Bank. Auch dieses Mal möchte die Partei ihre vier Direktmandate verteidigen. „Wir haben sehr, sehr gute Chancen“, sagt der Oberpfälzer CSU-Chef und bayerische Finanzminister Albert Füracker, stützt sich dabei auch auf die bayernweit stabilen Umfragewerte von zuletzt 42 Prozent. Die Wahlrechtsreform wirft allerdings eine zusätzliche Hürde auf: Gewonnene Direktmandate sind nämlich nur sicher, wenn die CSU ein entsprechend gutes Zweitstimmenergebnis einfährt. Im Zweifel würde Wahlkreissiegern mit den bayernweit geringsten Prozentwerten kein Direktmandat zuerkannt. Die CSU fährt deshalb dieses Mal eine energische Zweitstimmenkampagne – warnt speziell vor „verlorenen“ Stimmen für die Freien Wähler, da deren Mission „Bundestag“ ohnehin zum Scheitern verurteilt sei. „Es ist erwartbar, dass die Stimmen für die Freien Wähler verloren sind, weil sie nach allen Umfragen keine Chance haben“, sagt Füracker.
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In der Oberpfalz treten alle vier amtierenden CSU-Abgeordneten wieder an: Peter Aumer (Regensburg), Susanne Hierl (Neumarkt), Martina Englhardt-Kopf (Schwandorf) und Albert Rupprecht (Weiden). Bei der Bundestagswahl 2021 hatten Englhardt-Kopf und Aumer in der Oberpfalz mit 35,1 bzw. 35,3 Prozent wegen starker Ergebnisse der Kandidaten aus anderen politischen Lagern die vergleichsweise schwächsten Erststimmen-Ergebnisse eingefahren. Hierl lag mit 40,3 Prozent vorn. In den Wahlkampf vor Ort hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach auch Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder eingeschaltet. Am Mittwoch ist er ein weiteres Mal Hauptredner: Beim großen CSU-Bezirksempfang in Schwandorf.
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In verschärfter Position: Die CSU in Niederbayern. Freie-Wähler-Landrat Dreier möchte im Wahlkreis Landshut/Kelheim dem Abgeordnete Florian Oßner das Direkt-Mandat abjagen. Aiwanger will sich in Rottal-Inn durchsetzen.
• AfD: Die Oberpfälzer AfD – bisher mit den Abgeordneten Peter Boehringer (Neumarkt) und Manfred Schiller (Weiden) im Bundestag vertreten – könnte die Zahl ihrer Mandate verdoppeln. „Der größte Erfolg für unseren Bezirksverband wird wahrscheinlich am 23. Februar geschrieben“, sagte kürzlich Bezirkschefin Claudia Marino. Der vor der Landtagswahl 2023 noch zerstrittene Bezirksverband zeigt sich geschlossen und mit hoher parteiinterner Durchsetzungskraft: Auf der bayerischen Landesliste finden sich Boehringer, Schiller sowie Neueinsteigerin Carina Schießl aus dem Wahlkreis Regensburg mit Platz 2, 6 und 10 auf sicherer Ausgangsposition. Bei Umfragewerten in Bayern von zuletzt zwischen 16 und 19 Prozent ist durchaus denkbar, dass auch der Schwandorfer Reinhard Mixl mit Listenplatz 19 zum Zug kommt, der in der Corona-Pandemie auf Demos mit harten Tönen und Anschuldigungen in Erscheinung getreten war.
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Der Wahlkampf der AfD spielt sich hauptsächlich an Infoständen ab. Ausnahme: Eine von den Direktkandidaten organisierte Großkundgebung mit dem auch in der AfD umstrittenen Europaabgeordneten Maximilian Krah vergangenen Woche in Schwandorf. Die Reden der AfD-Politiker vor rund 1100 Anhängern waren von Angriffen auf die so genannten „Altparteien“ geprägt. „Wir werden es schaffen, wir werden regieren: Wenn nicht jetzt, dann beim nächsten Mal“, lautete Krahs Kampfansage in Richtung Berlin.
• Grüne: Bei den Oberpfälzer Grünen kämpfen die amtierenden Abgeordneten Tina Winklmann (Schwandorf) und Stefan Schmidt (Regensburg) um den erneuten Einzug in den Bundestag. Bei aktuellen bayerischen Umfragewerten zwischen 12 und 14 Prozent darf sich Winklmann sicher fühlen, Schmidt muss mit Listenplatz 14 hoffen und bangen: Es könnte für ihn reichen, muss aber nicht. Das Wechselbad der Gefühle ist dem 43-Jährigen aus früheren Bundestagswahlkämpfen vertraut, dementsprechend gestählt verströmt er ungebrochen Optimismus. Kürzlich erhielt er die Schützenhilfe der bayerischen Spitzenkandidatin Jamila Schaefer, die 2021 in München das einzige grüne Bundestags-Direktmandat im Freistaat erobert hatte.
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Am Freitag vor der Wahl schaut als Promi noch Toni Hofreiter zum Lunch-Date mit Bürgern in der Regensburger Filmbühne vorbei. Die Oberpfälzer setzen zudem auf den „Habeck-Effekt“ ihres Kanzlerkandidaten, den sie an einem starken Mitgliederzuwachs festmachen.
• SPD: Die Oberpfälzer SPD bot im Wahlkampf sogar den Kanzler auf: Olaf Scholz warb Anfang Februar bei einem Bürgerdialog um Wählerstimmen, kam dafür im Eiltempo nach der Abstimmung über den umstrittenen Migrations-Gesetzentwurf der Union von Berlin nach Regensburg. In Umfragen für Bayern liegt die SPD derzeit nur bei neun bis zehn Prozent. Bleibt es dabei, wäre das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 in etwa halbiert. Die Erfolgschancen der Oberpfälzer SPD-Kandidaten wären dann dementsprechend schlecht.
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Aktuell stellt die Partei mit Carolin Wagner (Regensburg) und Marianne Schieder (Schwandorf) zwei Abgeordnete. Gut abgesichert ist mit Platz 8 auf der bayerischen SPD-Liste allein Wagner, die in Berlin als Co-Landesgruppenchefin ihrer Partei fungiert. Nicht ausgeschlossen, dass es am Ende auch für den Amberger Direktkandidaten und Oberpfälzer Juso-Vorsitzenden David Mandrella reicht, der als Neueinsteiger auf Platz 15 antritt. Für eine weitere Legislatur der langjährigen Abgeordneten Schieder bräuchte es dagegen ein kleines SPD-Wunder. Sie ist nur auf Platz 24 gelistet.
• Freie Wähler: Fortune am Wahlabend käme auch den Freien Wählern gerade recht: Die bundesweit geltende Fünf-Prozent-Hürde wird nach aktuellem Stand verfehlt. Parteichef Hubert Aiwanger konzentriert sich längst auf das Erobern von bundesweit drei Direktmandaten, am liebsten davon gleich zwei in Niederbayern, die ebenso den Einzug in den Bundestag sichern würden. Da in diesem Fall die bundesweiten Gesamtprozente angerechnet werden, könnte das nach Parteirechnungen im Booster-Effekt zu insgesamt 20 bis 25 Mandaten führen. Auch ein Oberpfälzer könnte dann profitieren: Freie-Wähler-Landesvize Hans Martin Grötsch, Direktkandidat im Wahlkreis Amberg-Neumarkt, hat in Bayern Listenplatz 4.
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Das CSU-Argument der womöglich verlorenen Stimmen für die Freien Wähler, wischt Aiwanger regelmäßig weg. „Berlin braucht uns“, setzt Aiwanger dagegen. Der bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister hat bereits angekündigt, bei einem Wahlerfolg seiner Partei nach Berlin zu wechseln. Das könnte für einen anderen Oberpfälzer einen Karriereschub bedeuten: Tobias Gotthardt, bisher sein Staatssekretär, zählt zu den potenziellen Kandidaten für den Chefposten im Wirtschaftsressort.
• FDP: Nerven wie Stahlseile hat die Oberpfälzer FDP nötig: Ungewiss ist, ob die Liberalen bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde überspringen – andernfalls wären alle Mandate weg. Doch selbst im Erfolgsszenario bleibt in der Oberpfalz wohl höchstens eines von bisher zwei Mandaten übrig. Von den amtierenden Abgeordneten könnte es mit Platz 7 auf der bayerischen FDP-Liste eventuell für Nils Gründer (Neumarkt) reichen. Ulrich Lechte (Regensburg) ist bei Umfragen von drei bis vier Prozent in Bayern mit Platz 11 chancenlos. „Pro Prozent ein Mandat, das ist die Faustformel“, sagt Lechte, der auch Oberpfälzer Bezirkschef ist. Für ihn selbst bräuchte es ein „Wunder der Wahlnacht“, sagt er. Und: „Wenn alle, die Angst darum haben, dass ihre Stimme für die FDP verloren sein könnte, trotzdem FDP wählen, sind wir bei 8 bis 10 Prozent.“
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• Bündnis Sahra Wagenknecht: Knackpunkt auch hier: die Fünf-Prozent-Hürde. In bundesweiten Umfragen schrammt man gerade an dieser Marke entlang, in Bayern erreicht man drei Prozent. Das würde – sofern der Sprung über die Hürde glückt – nach Einschätzung der Co-Landeschefin und Regensburger Stadträtin Irmgard Freihoffer für drei vier Mandate im Freistaat genügen. Sie selbst ist Platz 5 der BSW-Liste zu finden. Mit einem Mandat rechnet sie nur „mit ganz viel Glück“.
• Die Linke: Sebastian Wanner aus dem Kreisverband Mittlere Oberpfalz ist auf Platz 12 der Landesliste zu finden – und damit nach Umfragen von stabil zwei Prozent im Freistaat chancenlos. Der bayerische Spitzenkandidat Ates Gürpinar rechnet zwar damit, dass die Linken auf drei Prozent aufholen. Doch selbst in der aus seiner Sicht günstigsten Konstellation, in der FDP und Bündnis Sahra Wagenknecht den Einzug in den Bundestag verpassen, reicht es nach seiner Kalkulation dann maximal für „3 plus 1 Mandate“.
Infostück zur Bundestagswahl:
737 Kandidaten: Am 23. Februar schicken insgesamt 17 Parteien 737 Kandidaten ins Rennen. Mit der Erststimme wählen die Bürger die Direktkandidatin oder den Direktkandidaten in den insgesamt 47 bayerischen Wahlkreisen. Die Zweitstimmen sind wichtig für das entscheidende Gesamtergebnis einer Partei. Laut Landeswahlleiter Thomas Gößl liegt das Durchschnittsalter der Bewerber dieses Mal bei rund 45 Jahren. Rund 29 Prozent sind Frauen. Den höchsten Frauenanteil unter den Parteien weisen aktuell mit 54 Prozent die Grünen auf.
Briefwahl: Trotz knappen Vorlaufs bis zur Bundestagswahl haben in Bayern bereits zehntausende Menschen Briefwahl beantragt. Gößl rechnet aber nicht damit, dass mehr Menschen per Brief wählen werden als zuletzt. Bei der Bundestagswahl 2021 – während der Pandemie – lag der Briefwahlanteil bei mehr als 60 Prozent, bei der Landtagswahl 2023 betrug er rund 55 Prozent.