AfD attackiert vor 1100 Anhängern die Union und „Ampelmännchen“ – 400 Gegendemonstranten

Von Christine Schröpf, Philipp Breu, Martin Kellermeier · 13. Februar 2025 um 02:44

Wahlkampf-Großkundgebung vor 1100 Oberpfälzer Anhängern mit dem umstrittenen Partei-Promi Maximilian Krah. Die Oberpfälzer AfD lieferte in Schwandorf scharfe Töne nicht nur zur Migrationspolitik. Vor der Tür sorgten 400 Gegendemonstranten für ein Pfeifkonzert.

An die 1100 Oberpfälzer AfD-Anhänger sind zur Abschluss-Wahlkampfkundgebung nach Schwandorf gekommen. Heftige Breitseiten gegen „unfähige Ampelmännchen“ in Berlin und die aus AfD-Sicht nicht minder miserable Union werden am Mittwochabend mit heftigem Beifall und Bravo-Rufen quittiert. Nicht wenige schwenken dazu die kleinen Deutschlandfähnchen hin und her, die von der AfD auf den Sitzen bereitgelegt worden sind. Die drei Oberpfälzer Direktkandidaten Peter Boehringer, Manfred Schiller und Carina Schießl eröffnen das Feuer auf die „Altparteien“, sekundiert vom umstrittenen Partei-Promi Maximilian Krah.

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Mixls Videobotschaft aus dem Krankenhaus

Der vierte Kandidat – Reinhard Mixl – grüßt nach einer Not-OP am Auge mit dickem Verband nur per Videobotschaft. „Das linke Auge ist schwach, das rechte sieht die politischen Katastrophen in unserem Land umso schärfer“, sagt er. Bundesweit 20 Prozent in Umfragen haben das Selbstbewusstsein der AfD prall aufgepumpt. Die Zeiten, in denen man sich heimlich im kleinen Kreis in Nebenzimmern getroffen habe, „sind ein für allemal vorbei“, sagt Schiller.

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Vier Sitze für Oberpfalz?

In der Oberpfalz rechnet die Partei mit künftig vier Bundestagsmandaten statt bisher zwei. Die amtierenden Abgeordneten Boehringer und Schiller sowie Neueinsteigerin Schießl sind mit Platz 2, 6 und 10 auf der bayerischen AFD-Liste sicher positioniert. Auch Mixl werden mit Listenplatz 19 intern gute Chancen eingeräumt.

Unisono werden an diesem Abend die aktuell bundesweit 20 bis 22 Prozent für die AfD in Umfragen als unterbewertet betrachtet, 25 Prozent gelten als erreichbar. Dann könnte die Partei im Parlament aus eigener Kraft unter anderem einen Untersuchungsausschuss zu Corona durchsetzen. Politiker, die Ungeimpfte in der Pandemie zu Personen zweiter Klasse degradiert hätten, müssten „konsequent und rigoros zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Schießl. Boehringer, der auch stellvertretender AfD-Bundessprecher ist, attackiert in Schwandorf die Union und die Liberalen per se: „Wählen Sie nicht die Schwarzen“, sagt er. Auch die FDP ist für ihn „ganz übel“.

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Draußen vor der Halle: Gellende Pfeifkonzerte gegen die AfD. Rund 400 Demonstranten sind nach Polizeiangaben dem Protestaufruf des Schwandorfer Bündnisses gegen Rechtsextremismus gefolgt. Magerl spricht im Saal sarkastisch von „links-grün Versifften“. Die Botschaften der AfD-Gegner in Richtung seiner Partei fallen an diesem Abend nicht minder deutlich aus: „Braune Soße nur auf Knedl“, „Menschenrechte statt rechte Menschen“, „Sei kein Arschloch“ oder „Remigriert euch ins Knie“ ist auf Schildern zu lesen.

Schuierer und Schindler auf der Gegendemo

Im kalten Regen harren auch zwei Sozialdemokraten aus, die fast ihr ganz Leben lang gegen das Erstarken von Rechtsaußen-Parteien gekämpft haben: der frühere Schwandorfer Landrat Hans Schuierer (94) und der frühere Oberpfälzer SPD-Landtagsabgeordnete Franz Schindler (69). „Ich habe als Zeitzeuge das Dritte Reich miterlebt. Die AfD verfolgt die gleichen Ziele“, erklärt Schuierer, auf zwei Krücken gestützt. Schindler kritisiert den AfD-Hauptredner Krah. „Eine Zumutung, dass er in Schwandorf auftritt, nachdem er im Europawahlkampf von der AfD versteckt worden ist“, sagt er in Anspielung auf damals auch in AfD-Reihen umstrittene Äußerungen Krahs zur nationalsozialistischen SS.

AfD zieht eigene Brandmauer

Die AfD zieht drinnen im Warmen eine komplett andere Brandmauer in einer komplett anderen Welt hoch: Für Krah verläuft der Schutzwall scharf abgegrenzt zwischen der AfD samt Gleichgesinnten wie dem österreichischen FPÖ-Chef Herbert Kickl und dem konträren politischen Lager mit SPD-Chefin Saskia Esken, der früheren Grünen-Chefin Ricarda Lang und auch der CSU. „Da brennt‘s“, sagt er.

Die Landtagsabgeordneten Roland Magerl und Dieter Arnold fungieren am Abend als eine Art von Conferenciers. Ihr Auftrag – die Stimmung von Beginn an anzuheizen – gelingt ihnen beim Publikum nahezu mühelos. Beide fragen im raschen Wechsel in den Saal, ob an Zuwanderung, Energiepreisen, Bildungspolitik, der „Plünderung“ des Sozialsystems oder einer steigenden Zahl von Vergewaltigungen irgendetwas noch normal sei. Als Antwort bekommen sie im Chor stets ein promptes und energisches „Nein“ zu hören.

Remigration bekräftigt

Die AfD-Direktkandidaten arbeiten sich bei ihren Auftritten an zentralen Wahlkampfthemen ab. Stichpunkt Migration: Schiller positioniert sich gegen ein „Multi-Kulti-Wokistan“. Es brauche keine „so genannten Flüchtlinge aus kulturfremden Ländern“. Schießl gibt quasi eine Abschiebungs-Garantie ab: „Wir sind die Partei, die Remigration nicht nur im Wahlkampf propagiert, sondern sie auch konsequent umsetzen würde.“

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In ihrer Ukraine-Politik fühlen sich die AfD-Politiker durch eine Eilmeldung zu offenbar baldigen Ukraine-Verhandlungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin bestärkt, die am Abend von Medien verbreitet wird. „Dieser Krieg endet. Und er endet so, wie wir es gesagt haben: durch Verhandlungen. Die Kriegstreiber sind widerlegt“, sagt Krah.

In der Energiepolitik macht sich Boehringer für Atomkraft stark und geißelt aus seiner Sicht untaugliche Einsparmaßnahmen zum CO2-Ausstoß in Deutschland. Es sei lächerlich, sagt er. Selbst „wenn wir alle unser Atmen einstellen würden, die Produktion einstellen würden“, praktisch kein CO2 mehr emittieren würden – in der Oberpfalz oder ganz Deutschland: „Es würde nicht den geringsten Unterschied machen.“

„Sie gehören zum System“

Im Publikum sind am Mittwochabend mehr Männer als Frauen versammelt. Das Altersspektrum ist breitgefächert. Nicht viele sind am Ende bereit, zu sagen, was sie zur AfD hinzieht. „Sie gehören zum System“, weist eine ältere Frau eine Journalistenfrage brüsk zurück. Herbert Ries aus Schwandorf (45) hat keine Scheu. Er werde am 23. Februar AfD wählen, sagt er. „Die AfD hat zwar auch kein richtiges Konzept, aber sie macht doch einiges richtig.“ Ihn überzeuge der versprochene Zuwanderungs-Stopp. „Meine Kinder und Enkelkinder sollen auf die Straße gehen können, ohne dass sie Angst haben.“

Infostück zur Gegendemonstration

Gegen Rechts: Das Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus hatte zur Gegendemonstration gegen die AfD aufgerufen. Nach Polizeiangaben rund 400 Menschen empfingen die Gäste der Wahlkampfveranstaltungen mit Pfeifkonzerten und Sprechchören.

Spektrum: Die große Mehrheit der Demonstranten stammte aus dem bürgerlichen Spektrum – darunter Altlandrat Hans Schuierer (SPD). Auch Schwandorfer Stadträte verschiedener Coleur hatten sich eingefunden. Vor Ort waren zudem etwa 20 Anhänger der linksextremen Antifa.

Rund 1100 AfD-Anhänger im Saal quittierten die Reden mit viel Beifall. Foto: altrofoto.de
Der Schwandorfer AfD-Direktkandidat Reinhard Mixl schickte wegen einer Augen-OP einen Videogruß aus dem Krankenhaus. Foto: altrofoto.de
„Conferenciers“ des Abends mit dem Auftrag zum Anheizen: (v.l.) die Landtagsabgeordneten Roland Magerl und Dieter Arnold. Foto: altrofoto.de
Gegendemo vor der Tür: Rund 400 Menschen zeigten klare Kante gegen die AfD. Foto: altrofoto.de
Trotz kaltem Regen harrten die Demonstranten aus und empfingen die eintreffenden AfD-Anhänger mit Pfeifkonzerten und Sprechchören. Foto: altrofoto.de