400 Menschen demonstrierten gegen AfD in Schwandorf – Sorge um Bundestagskandidaten Mixl

Von Philipp Breu, Christine Schröpf · 13. Februar 2025 um 13:00

Die Szenen hätten nicht unterschiedlicher sein können: Während sich Anhänger, Abgeordnete und Bundestagskandidaten der Oberpfälzer AfD still auf ihre Großkundgebung in der Schwandorfer Oberpfalzhalle vorbereiteten, versammelten sich am Mittwochabend nur 60 Meter weiter rund 400 Menschen zum lautstarken Gegenprotest. Sorgen gibt es derweil um den Schwandorfer AfD-Bundestagskandidaten Reinhard Mixl.

Die Demonstranten machten schnell deutlich, was sie von der geplanten Veranstaltung der Alternative für Deutschland halten. Bereits um kurz vor 17 Uhr füllte sich trotz strömenden Regens der Platz vor der Oberpfalzhalle mit Menschen. Sie waren dem Aufruf des Schwandorfer Bündnisses gegen Rechtsextremismus gefolgt. Die Protestler hatten Trillerpfeifen, Megafone große Banner und Fahnen dabei. „Schwandorf ist bunt nicht braun“ war zu lesen oder „Rote Jugend deutschlandweit gegen Nazis kampfbereit“. Immer wieder brüllten die Demonstranten Parolen wie „Ganz Schwandorf hasst die AfD“.

Auch Schwandorfs Altlandrat Hans Schuierer (94) war dabei

In der Menschentraube waren einige Schwandorfer Stadträte zu erkennen, aber auch Anhänger der linksradikalen Antifa. Die große Mehrheit der Protestler stammte aus dem bürgerlichen Spektrum. Bemerkenswert: Unter den Teilnehmern war trotz seines hohen Alters von 94 Jahren auch Schwandorfs Altlandrat Hans Schuierer (SPD). „Ich habe als Zeitzeuge das Dritte Reich miterlebt. Die AfD verfolgt die gleichen Ziele“, erklärte Schuierer, auf zwei Krücken gestützt.

Die AfD-Veranstaltung und der Gegenprotest am Mittwochabend in Schwandorf zeigten, wie unterschiedlich derzeit die Meinungen in der Bevölkerung sind. MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier hat sich dazu Gedanken gemacht. Er sorgt sich in seinem Kommentar um die Gesellschaft.

Die rund 1100 AfD-Anhänger, die nach und nach in die Oberpfalzhalle strömten, schien das aber kalt zu lassen. Manche winkten aus sicherer Entfernung, andere stellten sich ungeniert vor die Demonstranten, filmten und machten Fotos. Das heizte die Stimmung natürlich an, wobei es laut Polizei den ganzen Abend lang zu keinen Zwischenfällen kam.

Bis etwa 18.30 Uhr, also bis zum Beginn der Veranstaltung in der Oberpfalzhalle, die von den vier Bundestagsdirektkandidaten aus der Oberpfalz – Peter Boehringer (Amberg-Neumarkt), Carina Schießl (Regensburg), Manfred Schiller (Weiden- Neustadt-Tirschenreuth) und Reinhard Mixl (Schwandorf-Cham) – organisiert wurde, bot sich dieses Bild. Dann machten sich die Gegendemonstranten auf den Nachhauseweg.

Not-OP verhinderte Auftritt von Reinhard Mixl

Im Trockenen ging es indes rund. Bei ihrer Abendveranstaltung konzentrierte sich die AfD auf zentrale Wahlkampfthemen wie Migration, Energiepolitik und den Ukraine-Krieg. Hauptredner war der auch in Teilen der Partei umstrittenen Europaabgeordnete Maximilian Krah. Er war im Europawahlkampf unter anderem durch relativierende Äußerungen zur nationalsozialistischen SS aufgefallen, ist im Europaparlament nun nicht Teil der AfD-Delegation und kandidiert aktuell in Sachsen selbst für den Bundestag.

Auch Reinhard Mixl hätte als „Lokalmatador“ auf der Bühne stehen sollen. Doch er fehlte wegen einer Not-OP, wie AfD-Landtagsabgeordneter Dieter Arnold auf der Bühne erklärte. Mixl ließ es sich aber dennoch nicht nehmen, aus dem Krankenhaus eine Videobotschaft zu senden. Sein linkes Auge war dick bandagiert. „Das linke Auge ist schwach, das rechte sieht die politischen Katastrophen in unserem Land umso schärfer“, sagte er. Frenetischer Applaus erfüllte den Raum.

Um etwa 20.30 Uhr war dann auch die AfD-Veranstaltung zu Ende. Die Spaltung der Gesellschaft dürfte indes weitergehen.

Die Demoanhänger machten mehr als deutlich, was sie von der Veranstaltung der AfD und der Partei an sich halten. Foto: sds
Schilder und Schirme – die Demonstranten trotzten dem Regen. Foto: ja
Trotz seines hohen Alters war auch Altlandrat Hans Schuierer (94) beim Gegenprotest dabei. Foto: br
Die Plätze in der Oberpfalzhalle waren gut gefüllt. Etwa 1100 Besucher waren auf Einladung der vier Oberpfälzer AfD-Bundestagskandidaten gekommen. Foto: km
Dick einbandagiert zeigte sich Reinhard Mixl per Video. Foto: km
Viele Protestler hatten selbstgebastelte Schilder dabei. Foto: ja