Kommentar zur AfD-Veranstaltung und Gegendemo in Schwandorf: Der Riss ist zu tief geworden

Die Gräben sind tief, die Fronten verhärtet: Die AfD-Veranstaltung und der Gegenprotest am Mittwochabend in Schwandorf zeigten, wie unterschiedlich derzeit die Meinungen in der Bevölkerung sind. MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier hat sich dazu Gedanken gemacht. Er sorgt sich in seinem Kommentar um die Gesellschaft.
Wer am Mittwochabend in der Zone zwischen den Demonstranten und den Anhängern der AfD stand, der musste sich wie zwischen zwei Welten fühlen. Auf der einen Seite pfiffen lautstark die, die sich nach eigener Überzeugung um den Fortbestand der Demokratie fürchten. Auf der anderen Seite standen die in Schlangen, die sich abgehängt fühlen und mit der Bundesregierung abrechnen wollen. Zu sagen haben sich beide Lager wenig, keiner hört dem anderen zu. Es gibt pure Ablehnung, jeder steht in seiner Ecke.
Der Riss vor der Oberpfalzhalle war 60 Meter breit
Und diejenigen, die Zeuge dieser Szenen geworden sind, müssen sich auch sorgen – um die Gesellschaft. Durch sie geht schon jetzt ein Riss, der immer tiefer wird. Vor der Oberpfalzhalle war er etwa 60 Meter breit.
So darf und kann es nicht weitergehen. Die neue Bundesregierung muss nicht nur die großen Themen wie Migration und Wirtschaft angehen. Sie muss auch alles daran setzen, die Gesellschaft zu einen. Denn vom ersten Wort in der deutschen Nationalhymne, der Einigkeit, sind wir aktuell weit entfernt. Oder ist es schon zu spät?
Dieser Kommentar gehört zu folgendem Haupttext: 400 Menschen demonstrierten gegen AfD in Schwandorf – Sorge um Bundestagskandidaten Mixl