Wirtschaft in der Region: Weihnachtswünsche an die Politik statt ans Christkind

Von Lorenz Nix · 24. Dezember 2024 um 17:00

Zu Weihnachten darf man sich etwas wünschen. Wir haben uns bei Menschen umgehört, die die Wirtschaft in der Region tagtäglich mitgestalten: Was steht bei ihnen auf dem Wirtschafts-Wunschzettel?

Konkret haben wir gefragt:

1. Was wünschen Sie sich für 2025 für die Wirtschaft in der Region?2. Was ist Ihnen in diesem Jahr positiv oder negativ besonders in Erinnerung geblieben?

Johannes Helmberger ist Vorstandsvorsitzender der Bezirksgruppe Oberpfalz der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Der Geschäftsführer der Druckerei Niedermayr hat auf unsere Fragen so geantwortet:

1. „Ich wünsche mir für 2025, dass die die Städte und Gemeinden alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Wirtschaft vor Ort zu unterstützen und regionale Infrastrukturprojekte zügig umzusetzen.“

2. „Positiv ist, dass viele Firmen – trotz der unternehmensfeindlichen Rahmenbedingungen – für den Erhalt ihrer Unternehmen und deren Arbeitsplätze kämpfen. Negativ war dagegen das ideologisch motivierte vorsätzliche An-die-Wand-Fahren der Wirtschafts- und Energiepolitik.“

Lea Frank hat das mittlerweile in München ansässige Start-up Anybill gegründet. 2024 wurde die Regensburgerin vom „Forbes“-Magazin in die „30 under 30 Europe“-Liste aufgenommen. Sie hat auf unsere Fragen folgendes geantwortet:

1. „Ich wünsche mir mehr Innovationsfreude und Offenheit für neue Themen, damit wir die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Bayern sichern können – insbesondere im B2B-Bereich. Nur durch mutige Schritte und eine stärkere Vernetzung können wir als Region wettbewerbsfähig bleiben und langfristig wirtschaftliches Wachstum fördern.“

2. „Negativ fiel dieses Jahr das schwierige makroökonomische Umfeld auf, das das Wachstum und die Finanzierung von Start-ups deutlich erschwert hat. Positiv bleibt mir der starke Zusammenhalt in der Start-up-Community in Erinnerung: Viele haben sich gegenseitig unterstützt, um trotz der Herausforderungen Innovation voranzutreiben.“

„Die Wirtschaft kühlt ab“

Christoph Klenk ist Vorstandsvorsitzender der Krones AG aus Neutraubling (Lkr. Regensburg). Seine Antworten auf unsere Fragen:

1. „Wir befinden uns derzeit in einer Periode, in der sich die Wirtschaft – insgesamt betrachtet – abkühlt und wir mehr denn je von externen Faktoren abhängig sind wie zum Beispiel einer neuen Weltordnung, einem steigenden Wettbewerb, anhaltender technologischer Wandel sowie nicht zuletzt einem sich verschärfenden Klimawandel. Diesen Herausforderungen wollen und müssen wir begegnen und damit auch Wege finden, unser Geschäft weiter auf- und auszubauen.“

2. „Für Krones gesprochen sind wir 2024 wieder gewachsen – eine starke Teamleistung. Eine immer schwieriger werdende geopolitische Situation zwingt uns aber auch neue, gegebenenfalls andere Wege für die Zukunft zu finden. Privat wird einem bewusst, dass wieder ein herausforderndes Jahr vorüber gegangen ist. Man blickt nochmal intensiv zurück, genießt jetzt die Zeit mit der Familie und blickt mit realistischem Optimismus nach vorne.“

„Wer hilft, wo unterstützen reicht, schadet“

Petra Betz ist Geschäftsführerin von Stahl Lasertechnik aus Wackersdorf (Lkr. Schwandorf). Sie hat geantwortet:

1. „Für das Jahr 2025 habe ich etliche Wünsche für die Wirtschaft. Ich wünsche mir, dass wir unser Land in einer anderen Geschwindigkeit modernisieren. Ob bei der Schiene, Wasserstoff- und Energienetzen, Glasfaser und 5G – die zehnfache Geschwindigkeit käme dem Wunsch der Wirtschaft schon sehr nahe und mit einer ordentlichen Energiepolitik könnte der Industriestandort Deutschland gesichert werden. Von der Politik wünsche ich mir mehr Beständigkeit und eine Besinnung auf das Wesentliche. Es hat sich in Deutschland eine ,Wir-kümmern-uns-um-Alles-Politik‘ entwickelt, die nicht mehr bezahlbar ist und die eigenverantwortliches Handeln und Denken hemmt. Wer hilft, wo unterstützen reicht, schadet. Leistung muss sich wieder lohnen!“

2. „Besonders negativ aufgefallen ist mir im Jahr 2024 der extreme Anstieg der Sozialausgaben. Viel zu viele Menschen ruhen sich im deutschen Sozialsystem aus. Wer gesund ist, der sollte auch seinen Beitrag für die Allgemeinheit leisten. Als Positiv empfand ich den Bruch der Ampel! Ich hoffe, dass es der dann im Jahr 2025 gewählten Regierung gelingt, den Standort Deutschland für die Wirtschaft wieder attraktiv zu machen.“

Olga Redda ist Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg. Sie hat auf unsere beiden Fragen mit einem Statement reagiert:

„Ich wünsche mir eine Wirtschaft mit sicheren Arbeitsplätzen und gerechten Löhnen. Positiv war in 2024 der Zusammenhalt der Beschäftigten und der erfolgreiche Tarifabschluss, der spürbare Verbesserungen bringt. Negativ bleibt der emotionale Druck vieler Beschäftigter durch Arbeitsverdichtung, steigende Anforderungen und Stellenabbau. 2025 bringt Chancen, zum Beispiel durch stärkere Vernetzung zwischen Hochschulen und Unternehmen, um Wissenstransfer zu fördern und Talente zu halten.“

Flexibilität, Pragmatismus, unternehmerischer Mut

Armin Ebner leitet seit November 2023 das Regensburger BMW-Werk. Auch er hat auf unsere Fragen reagiert:

1. „Ich wünsche mir, dass wir uns auch 2025 auf die Dinge fokussieren, die uns – als BMW Group Werk Regensburg – schon 2024 erfolgreich gemacht haben: eine hohe Qualitäts- und Kundenorientierung, Flexibilität, Professionalität – und eine gesunde Portion Pragmatismus, gepaart mit unternehmerischem Mut. Den großen Unterschied machen für mich dabei die Menschen: Bei BMW haben wir eine sehr engagierte Mannschaft, die mit hoher Schlagkraft tatkräftig anpackt.“

2. „Ein Highlight dieses Jahr war, dass wir als BMW Group Regensburg den Titel ,Fabrik des Jahres‘ in der Kategorie ,Hervorragende Serienfertigung‘ geholt haben. Die Jury hat in ihrem Urteil von einer ,Inspiration für die erfolgreiche Produktion am Standort Deutschland‘ gesprochen. Das macht uns sehr stolz! Und dann natürlich unsere Jahresproduktion von deutlich über 330 000 Fahrzeugen. Insofern fällt meine Bilanz für das Werk Regensburg heuer sehr positiv aus.“

Ely Eibisch, Oberpfälzer Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands, hat auf unsere Fragen mit diesem Statement geantwortet:

„Ich wünsche allen frohe Weihnachten und besonders den Landwirtinnen und Landwirten mehr Anerkennung. Unsere Lebensmittel verdienen Wertschätzung, auch über den Preis. Regional erzeugt dienen sie Klima, Umwelt, Gesundheit und der Wertschöpfung daheim: Dafür den Landwirten großen Dank! Um das zu erhalten brauchen wir faire, vergleichbare Rahmenbedingungen im globalen Wettbewerb – auch für unsere heimische Energieversorgung, Stichwort Biogas. Ihnen und uns allen viel Glück, Gesundheit und Gottes Segen für 2025!“

Wie Handwerkskammerpräsident Georg Haber und IHK-Präsident Michael Matt auf das nun endende Jahr sowie auf 2025 blicken, erfahren Sie nach Weihnachten.