Erntegespräch bei Nabburg: Wetterextreme, Preiseinbruch und Bürokratie belasten die Bauern

Eigentlich wollte Herbert Giedl mit seiner Mannschaft in den nächsten Tagen Braugerste und Raps dreschen, doch ein Blick auf den Boden offenbarte: Es hat zu viel geregnet, die schweren Maschinen würden steckenbleiben. Es ist ein Dilemma: Mal ist es zu nass und mal ist es viel zu trocken. Doch es sind nicht nur Wetterextreme, die die Landwirte umtreiben.
Das wurde beim Erntepressegespräch deutlich, das auf dem idyllischen Hof der Giedls in Trossau bei Altendorf (Nabburg, Landkreis Schwandorf) stattfand. Zu diesem hatten sich neben den Hausherren auch der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Oberpfalz, Ely Eibisch, Bezirksbäuerin Rita Götz, Schwandorfs BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher sowie Josef Wittmann, Leiter der BBV-Geschäftsstelle in Schwandorf, eingefunden.
Die Böden sind aufgeweicht
„Das hatten wir schon lange nicht mehr“, sagte Eibisch mit Blick auf das Wetter. Heuer hätte es bisher ausreichend Niederschläge gegeben, die Wasserreserven in den Böden seien gut gefüllt – fast schon zu gut. Denn die Böden seien aufgeweicht und stellenweise kaum zu befahren. Man kämpfe damit, die Ernte überhaupt vom Feld zu bekommen.
Auch für die Pflanzen seien nasse Tage nicht nur ein Segen. Denn durch das Wasser steige das Risiko für Krankheiten wie Pilzbefall und auch auf die Korngröße habe das Wetter Einfluss. Hier fällt eine erste Bilanz eher mäßig aus. Die Körner seien klein, das Hektoliter-Gewicht und der Vollgerstenanteil entsprechend niedrig. Das bestätigt auch Herbert Giedl, der selbst Wintergerste anbaut und diese mit seinem Lohnunternehmen, das er zusammen mit seinem Bruder Andreas betreibt, für andere Landwirte dieser Tage aberntet.
Für den Mais könnte die Nässe ebenso noch zum Problem werden. Auch wenn BBV-Bezirkspräsident Eibisch bei seiner Stippvisite lobte, dass er selten einen so prächtigen Mais gesehen habe wie bei den Giedls, trügt der Schein. Zwar seien die nassen Böden für das Wachstum der Pflanzen durchaus von Vorteil, doch durch das ständig vorhandene Wasser bildet der Mais heuer kaum Wurzeln. Das wirke sich dann bei einer längeren Trockenperiode sehr negativ aus.
Gersten- und Weizenpreise stürzten im Duett ab
Unterm Strich sei bei den Landwirten wieder einmal viel Flexibilität gefragt. Heuer zähle bei der Ernte jeder Tag, oft jede Stunde. In den trockenen Sommern zuvor habe man dagegen teilweise gar nichts machen können. Doch es ist nicht nur das Wetter, das den Landwirten Sorgen bereitet. Auf dem Markt sehe es derzeit rabenschwarz aus, wie Eibisch monierte. Die Getreidepreise seien eingebrochen – bis auf rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eibisch dazu: „Die Preise liegen wieder auf dem Niveau von vor Corona. Was uns aber geblieben ist, sind die teuren Betriebsmittel.“ Die Bauern profitierten von den hohen Preisen im Einzelhandel derzeit nicht, sondern müssten mit einem Einbruch zurechtkommen. Die Gerstenpreise sind zuletzt im Duett mit den Weizenpreisen abgestürzt.
Eibisch führt dies vor allem auf den anhaltenden Importdruck vom Schwarzen Meer zurück. Russlands Weizenexporte stiegen zuletzt auf ein neues Allzeithoch – auch dank deutscher Technologie, merkt er an. Diese Riesenmenge flute die globalen Märkte und drücke mächtig auf die weltweiten Exportpreise.
Und als ob dass nicht schon genug wäre, stelle die Regelwut der Bundesregierung und der EU den Landwirten zusätzlich ein Bein. „Wir sind gegenüber unseren europäischen Kollegen einfach nicht mehr wettbewerbsfähig“, monieren die Anwesenden beim Pressegespräch unisono.
Landwirte verlieren den Mut trotzdem nicht
Zahlreiche Auflagen wie die Düngeverordnung, die Reformen des Tierschutz- und Waldgesetzes würden den Alltag erheblich erschweren, den Betrieb unrentabel machen und zeitgleich jede Menge Bürokratie mit sich bringen. „Früher hat der Bauer in sein kleines Taschenbuch geschrieben, heute hat er ein eigenes Büro mit zwei Bildschirmen“, sagt Schwandorfs BBV-Geschäftsstellenleiter Wittmann. Und BBV-Kreisobmann Irlbacher frotzelt hinterher: „Heute ist das Smartphone das wichtigste Arbeitsgerät in der Landwirtschaft.“
Doch auch wenn vieles gerade auf sie einprasselt, stecken die Bauern den Kopf nicht in den Sand. Die heutige Zeit sei höchst fordernd, doch die Landwirtschaft habe sich schon immer anpassen müssen und sei auch jetzt bereit dazu. „Um das zu schaffen, brauchen wir aber auch den Rückhalt vom Bund und der EU und nicht eine Auflage nach der anderen“, sagt Wittmann. Und Eibisch ergänzt: „Auch auf die Verbraucher kommt es an. Regional und saisonal einkaufen lautet das Stichwort – eine bessere Qualität bekommt man nicht.“
Hintergrund: Reform des Tierschutzgesetzes
Anbindehaltung: Die Bundesregierung hat einen Entwurf für die Reform des Tierschutzgesetzes verabschiedet. Bis in spätestens zehn Jahren soll das ganzjährige Anbinden von Tieren verboten werden.
Umbau: Damit die Tiere mehr Freiraum haben, sollen die Betriebe ihre alten Anbindeställe umbauen. Ausnahmen soll es für kleine Milchkuhbetriebe mit Kombihaltung geben.
Sorgen: Weil das für viele kleine Betriebe aber gar nicht möglich ist, da in engen Dorfkernen kein Platz ist oder die Kosten eines Stallneubaus den Betrieb überfordern würde, befürchten Landwirte, dass viele der Höfe zusperren müssten.

