Bäuerinnen aus dem Landkreis Schwandorf erzählen von ihrer Liebe zum Beruf

Von Renate Ahrens · 21. Februar 2024 um 15:00

Landfrauen setzen neue Impulse im ländlichen Raum: Sie sind traditionsbewusst, aber auch kreativ. Eines wünschen sich jedoch alle: mehr Anerkennung und Wertschätzung. Wir haben mit fünf Bäuerinnen aus dem Landkreis Schwandorf gesprochen.

Bianca Biegerl: Direktvermarktung mit Rotwild

Die 47-Jährige bewirtschaftet mit ihrem Mann in Schönsee einen ganz besonderen Hof: Die Familie hat ein Rotwildgehege mit Jungtieren und bietet das Fleisch per Direktvermarktung an. Ihre Schwiegereltern hatten schon vor langer Zeit die Milchviehhaltung eingestellt, und das junge Paar, das im Jahr 2005 den Hof übernahm, überlegte, was denn besonders pflegeleicht sei. So kam man auf das Rotwild.

Erlebnisbauernhof Schönsee: Rotwild und Kängurus

Heute ist ihr Betrieb ein Erlebnisbauernhof und kann neben der Rotwildherde mit vielen weiteren Tieren aufwarten. Dazu gehören sogar zwei Kängurus, zwei Strauße mit sieben Jungen, Emus, Pferde, Esel, Ziegen oder Gänse. Das Getreide für die Tiere baut die Familie selbst an.

Tiergestützte Pädagogik auf dem Erlebnisbauernhof Schönsee

Bianca Biegerl liebt das Leben auf dem Bauernhof und hat ihren Traumberuf gefunden, wie sie versichert. Mittlerweile bietet der Hof auch tiergestützte Pädagogik für Kinder an, und die Erfahrungen sind nach ihren Worten gut. Ob bei sprachlichen Defiziten, bei Lernstörungen oder körperlichen Einschränkungen – man habe schon viele Erfolge verzeichnen können. Tiere seien sehr gute Co-Therapeuten, sagt die Landwirtin. „Das Tier wertet nicht, und das gibt den Kindern mehr Selbstvertrauen.“

Simone Schanderl: Bullenmast und mehr

Die 42-Jährige führt in Trisching bei Schmidgaden einen Milchkuhbetrieb mit kleiner Bullenmast im Nebenerwerb. Außerdem baut die Familie Getreide, Raps und Silomais an. Zusammen mit ihrem Mann hat sie den Hof vor 19 Jahren in der vierten Generation von den Schwiegereltern übernommen und ist seitdem mit Begeisterung hier tätig. Simone Schanderl arbeitet außerdem als Agrar-Bürokauffrau. Das Paar hat drei Töchter, die es ebenfalls lieben, auf einem Bauernhof aufzuwachsen. Sehr gerne ist Simone Schanderl in ihrem Bauerngarten tätig – und immer dabei ist ihr Hund. Auch ehrenamtlich engagiert sich die 42-Jährige in Vereinen. Die Landwirtin würde sich mehr Anerkennung wünschen. „Der Beruf einer Bäuerin wird nicht wertgeschätzt, so wie es sich gehören würde“, sagt sie. Dennoch würde sie nie etwas anderes machen wollen.

Marion Hochmuth: Milchvieh und Biogas

Die 37-Jährige hat in Bleich bei Nittenau einen Milchviehbetrieb und eine Beteiligung an einer Biogasanlag. Die gelernte Bürokauffrau ist Seiteneinsteigerin, wie sie sagt, indem sie vor 15 Jahren ihren Mann Stefan heiratete und mit ihm im Jahr 2018 den Hof von den Schwiegereltern übernahm. Hier hat die junge Bäuerin nach eigenen Worten ihre Bestimmung gefunden: „Die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt geht bei uns Hand in Hand. Ich möchte nichts anderes machen. Es macht viel Freude.“ Obwohl man 365 Tage im Jahr im Einsatz sei, würden alle zusammenhalten. Die Geburt eines Kalbes zum Beispiel sei immer wieder ein großes Erlebnis.

Landwirtschaft: Anerkennung fehlt

Die Zukunft der Landwirtschaft sieht die 37-Jährige grundsätzlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir Landwirte wünschen uns mehr Entlastung und mehr Wertschätzung. Vor allem die Bürokratie wird immer mehr – das ist schon beängstigend.“ Ihr Beruf sei so wichtig, sagt die junge Frau. Schließlich würde sie Lebensmittel herstellen. „Für viele Kinder ist die Kuh lila“, zeigt sie sich besorgt. Ihre Forderung: Die Landwirtschaft sollte mehr gefördert werden, auch das Ansehen, sagt Marion Hochmuth. Dennoch würde sie mit niemanden tauschen wollen. Landfrau zu sein sei der schönste Beruf der Welt.

Karin Baier: Vor allem Weihnachtsbäume

Die 51-Jährige baut in Passelsdorf bei Nabburg Weihnachtsbäume an und betreibt Ackerbau. In der zweiten Generation ist die Familie auf dem Hof tätig. Hier dreht sich das ganze Jahr über alles um Weihnachten: Die vielen Bäume wollen gehegt und gepflegt werden, denn als prächtige Christbäume sollen sie einmal, nach etwa sieben bis acht Jahren, die Häuser schmücken. Das sei ihr Traumberuf, erklärt Karin Baier begeistert. Seit 50 Jahren pflanze man auf dem Hof bereits Fichten und Blaufichten, heute allerdings vor allem Nordmanntannen und auch Felsengebirgstannen. Der Verkauf in der Weihnachtszeit mache großen Spaß, und viele Stammkunden kämen jedes Jahr. „Man kommt oft ins Gespräch, das gefällt mir“, sagt die 51-Jährige.

Gut findet sie auch, dass immer mehr Kunden Wert auf Frische und Regionalität legen. Früher hielt die Familie auch Schweine, heute betreibt sie noch Ackerbau mit Getreide. Karin Baier arbeitet außerdem halbtags als Chemielaborantin, ihr Mann Helmut ist hauptberuflich auf dem Hof tätig. Zwei Töchter hat das Paar.

Kristina Graf: Milchwirtschaft in vierter Generation

Die 33-Jährige betreibt in Pirkensee bei Maxhütte-Haidhof eine Landwirtschaft mit Milchvieh. Vier Generationen leben auf dem Hof: die Eltern, die Oma sowie Kristina und Andreas Graf mit ihren drei Kindern – und somit auch vier Generationen an Landfrauen, die ihre Tätigkeit lieben. Bis zum Jahr 1871 war der Hof eine Schmiede, und seitdem wird er „Almenhof“ genannt. 1890 kauften ihn Vorfahren von Kristina Graf. 150Milchkühe mit weiblicher Nachzucht befinden sich heute auf dem Hof, und 2012 hat das junge Paar investiert und einen größeren Stall gebaut. Ihren Traumberuf habe sie, schwärmt die junge Bäuerin, für die es nie etwas anderes gegeben hätte, als den Hof zu übernehmen. Schon als Kind sah sie stundenlang ihrem Opa in der Werkstatt zu und half bei den Tieren. „Es war mir immer wichtig, mit meinen Händen zu arbeiten“, sagt die 33-Jährige.

Von der Pike auf hat sie das gelernt: Kristina Graf absolvierte eine Ausbildung zur ländlichen Hauswirtschafterin. Ihr Mann Andreas, der 2010 in den Hof einheiratete und Landwirtschaftsmeister ist, könnte sich ebenfalls keinen schöneren Beruf vorstellen. Die Entscheidung, den Hof weiterzuführen, sei ihnen leicht gefallen, berichtet Kristina Graf – vor allem, weil die gesamte Familie dahinterstehe und sie sich gegenseitig unterstützten. Die kurze Generationenfolge sei von Vorteil: Ihre Mutter sei erst 57 Jahre alt und eine große Hilfe. Dadurch könne jeder auch mal in den Urlaub fahren, wie kürzlich die junge Familie zum Skifahren.

Zwar habe die Landwirtschaft keinen leichten Stand, aber zusammen würde man es schaffen. „Ich würde mir dennoch mehr Wertschätzung für unseren Beruf wünschen“, sagt Kristina Graf, die vor allem für die Kälberaufzucht zuständig ist. Um schon Kindern näherzubringen, woher Lebensmittel wie Butter und Milch kommen, führt sie jedes Jahr Schulklassen, Kindergartenkinder und Gruppen durch ihren Hof.

Gelegenheit zum Gespräch beim Landfrauentag

An diesem Samstag ab 13Uhr findet der Landfrauentag in der Nabburger Nordgauhalle statt. Bereits ab 12.30 Uhr wird das große Kuchenbuffet der Schwandorfer Landfrauen eröffnet – laut Kreisbäuerin Sabine Schindler mit rund 50 selbst gebackenen Kuchen und Torten. Der Aktionstag steht heuer unter dem Motto „Ländlicher Raum und Gesellschaft – warum Landfrauen so wichtig sind“. Landesbäuerin Christine Singer wird dazu einen Vortrag halten. Die musikalische Umrahmung des Nachmittags erfolgt durch den Landfrauenchor Schwandorf, und auch auf einen Auftritt der Tanzgruppe „Dance4U“ darf man sich freuen. Eine kleine Hobbykünstlerausstellung mit Verkaufsständen bereichert das Angebot. Der Landfrauentag sei zum Genießen und Unterhalten da, sagt die Kreisbäuerin. Man komme mit den Landfrauen ins Gespräch und werde informiert.

Simone Schanderl liebt an ihrer Arbeit vor allem ihren Bauerngarten auf ihrem Hof in Trisching, den sie liebevoll pflegt. Foto: Schanderl
Kreisbäuerin Sabine Schindler aus Nittenau hofft auf viele Besucher beim Landfrauentag. Jeder sei eingeladen, auch oder gerade diejenigen, die mit Landwirtschaft nichts zu tun hätten. Foto: Ahrens
Bei Karin Baier dreht sich die Arbeit das ganze Jahr über um Weihnachten: Mit ihrer Familie baut sie in Passelsdorf bei Nabburg Christbäume an. Foto: Helmut Baier
Marion Hochmuth liebt ihre Arbeit auf dem Hof in Bleich in der Nähe von Nittenau. Die Geburt eines Kälbchens sei jedes Mal ein besonderes Erlebnis. Foto: Stefan Hochmuth
Bianca Biegerl bietet tiergestützte Pädagogik auf ihrem Hof an, zum Beispiel mit Minischwein Napoleon. Foto: Bianca Biegerl