Krones-Chef fordert mehr Optimismus in Deutschland: „Nicht in Agonie verfallen“

Der Maschinenbauer aus dem Landkreis Regensburg hat auch im dritten Quartal eine satte Steigerung bei Umsatz und Gewinn hingelegt. Konzernchef Christoph Klenk setzt weiterhin auf den Standort Deutschland. Was Krones anders macht als andere Industrie-Unternehmen im Hinblick auf die Konkurrenz in China.
Krones-Aktionär oder -Mitarbeiter müsste man sein. Der Weltmarktführer bei Abfüll- und Verpackungsanlagen spurtet bei Umsatz und Gewinn von Rekord zu Rekord. Das merken die Aktionäre am Kurs und bei der Dividende, die Mitarbeiter durch lukrative und sichere Arbeitsplätze. Gestern legte der Konzern erneut Zahlen vor. Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern sprachen Finanzchefin Uta Anders und Konzernchef Christoph Klenk über die Herausforderungen der kommenden Monate.
„Wir wollen uns den Optimismus erhalten, gleichzeitig aber auch realistisch in die Zukunft blicken“, sagte Klenk im Gespräch. „Natürlich gibt es derzeit am Standort Deutschland vieles, was im Argen liegt. Aber man darf sich nicht komplett verrückt machen.“ Dabei ist Krones derzeit die große Ausnahme in der deutschen Industrie. Vielen Unternehmen geht es schlecht. Das kann man von Krones wahrlich nicht behaupten, wie auch Finanzvorständin Uta Anders bestätigt. „Wir haben unsere Ziele erfüllt und sind zufrieden.“
Der Konzern berichtete am Dienstag in den Quartalszahlen zwar von gestiegenen Material- und Personalkosten. Dennoch konnte das Ergebnis vor Steuern um 17,1 Prozent auf etwa 275 Millionen Euro gesteigert werden. Krones bekräftigte seine Konzern-Finanzziele für das Gesamtjahr 2024. Das Geschäftsumfeld bleibe aber unverändert herausfordernd, hieß es in einer Mitteilung. „Es bestehen eine Reihe von Unwägbarkeiten wie beispielsweise geopolitische Risiken in Europa, dem Nahen Osten und anderen Regionen der Welt“, so die Mitteilung. Materialengpässe und Probleme in den weltweiten Lieferketten, die sich durch militärische Aktionen auf wichtigen Handelsrouten ergeben könnten, bleiben ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor für Krones.
Ungewissheit über Konflikte
Das bestätigte auch Klenk. „Wir können derzeit schlecht einschätzen, wie sich die Konflikte weltweit etwa zwischen Israel und dem Iran entwickeln werden.“ Auch der Ausgang der Wahl in den USA war zum Zeitpunkt der Verlautbarung der Krones AG noch völlig offen. „Was wir aber sagen können ist, dass die Märkte, auf denen Krones unterwegs ist, in Ordnung und stabil sind. Und unsere Kunden investieren“, sagte Klenk.
Krones ist nach den ersten drei Quartalen des Jahres 2024 weiterhin auf einem guten Weg, die selbst gesteckten Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Umsatz bis Ende des Jahres nochmals um neun bis dreizehn Prozent wächst. Das bestätigte auch Finanzvorständin Anders: „Wir werden weiter wachsen, nicht nur im Umsatz, sondern auch im Ergebnis.“ Anders sagte zudem, dass Krones und auch der gesamte Vorstand „die Herausforderungen annimmt“. Deshalb habe man auch eine gute Chance, diese erfreuliche Entwicklung auch im Jahr 2025 fortzusetzen.
Doch wie kann es sein, dass Krones so gut dasteht, während ein Großteil der deutschen Industrie unter Bürokratie leidet und die Konkurrenz aus China beispielsweise die Autobranche massiv unter Druck setzt?
Klenk zitierte Zahlen des Verbands der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, wonach 0,5 bis ein Prozent des Ergebnisses von Unternehmen in die Bürokratie fließen würden, für die Berlin und Brüssel verantwortlich zeichnen. „Das schwächt uns natürlich gegenüber dem asiatischen und dem nordamerikanischen Markt.“ Doch gleichzeitig setze Krones nach wie vor auf den Standort Deutschland. Und das hat auch seinen Grund. „In Summe ist Deutschland ein hervorragender Standort, auch weil wir von hier aus mit 152 Ländern der Welt Handel betreiben können.“ Gleichzeitig habe man aber gerade das Thema Service, aber auch Produktion globaler aufgestellt in den letzten Jahren.
25 Prozent der Wertschöpfung bei Krones werde zwischenzeitlich außerhalb Deutschlands getätigt. Die guten Ausbildungsbedingungen in Deutschland bringen aber auch Fachkräfte hervor, die auch motiviert seien.
Auch der Konkurrenz aus China habe man sich frühzeitig gestellt. „Wir beobachten die Konkurrenz seit vielen Jahren und sind uns auch nicht zu schade, gute Produkte, die in China hergestellt werden, als Herausforderung zu sehen“, so der Konzernchef weiter. Ob die Bemühungen ausreichend seien, wollte Klenk nicht bewerten, sicher sei aber für ihn: „Es ist ein Prozess. Das Top-Thema, bei dem wir punkten, ist der Service.“
Der Vorstand der Krones AG betonte auch, dass die Zölle, die derzeit vor allem von den USA, aber auch von der Europäischen Union verhängt werden, insgesamt bremsen würden. „Krones hat von der Globalisierung und dem freien Welthandel enorm profitiert.“ Deshalb sehe es die Konzernspitze kritisch, wenn weitere Handelseinschränkungen verhängt würden.
„Nicht in Agonie verfallen“
Klenk warnte zudem davor, den Standort Deutschland schlecht zu reden. Es gebe Strukturprobleme, aber das sei kein Grund, „in Agonie zu verfallen“. Seine und die Taktik seiner Vorstandskollegen sei es, „Pläne zu machen und noch vorne zu gehen“. Diesen Optimismus wolle er sich erhalten – bei diesen Zahlen dürfte das auch den Mitarbeitern leicht fallen.