Rätselraten in Reinhausen: Darum hängt das Herz wieder vor der Juliska-Bar

Von Heike Haala · 1. August 2024 um 05:00

Es mag kleiner sein als die meisten Wahrzeichen von Reinhausen. Das ändert aber nichts daran, dass es für viele Menschen weit über die Grenzen Regensburgs hinaus fest mit dem Stadtteil verbunden ist: Die Rede ist von dem rosa Herz mit der Aufschrift Juliska-Bar. Jetzt hängt es wieder.

Vergangenen Freitag ließ Juliane Streich das Leuchtmittel wieder an der Fassade anbringen. Die eine Seite sah am Anfang noch etwas ramponiert aus. „Das wird aber noch gerichtet“, verspricht die Chefin. Nun will sie ihre Bar nach über einem halben Jahr wieder aufsperren.

Juliska Bar: So kam es zur Planänderung

Dabei hatte sie Anfang des Jahres noch ganz andere Pläne. Damals wollte sie das Gebäude in Reinhausen verkaufen und nach Frankfurt ziehen. Der Bordellbetrieb, für den sie wochenweise Appartements an „die Mädchen“ vermietet, aber läuft nach wie vor. Im Eingangsbereich hängen Zettel, auf denen Telefonnummern und Frauennamen stehen, sowie Fotografien, auf denen sich ziemlich klamottenfreie Damen räkeln. Alle paar Minuten warten Männer auf Einlass.

Zwei oder drei Interessierten habe es zuletzt auch für das Haus gegeben. Aus diesem Geschäft sei aber nichts geworden. „Da habe ich mir gedacht: Es läuft doch gut. Wenn es bis zum 1. August nichts wird, mit dem Verkauf, sperre ich die Bar wieder auf“, sagt Streich. So ist es nun gekommen. Sie hadert nicht mit dieser Entwicklung und sieht Schicksal darin.

Animation soll es in der Juliska Bar keine mehr geben. Natürlich könnten sich die Frauen aus den Appartements mit Männern in der Bar verabreden. Auch andere Frauen seien Streich in der Juliska Bar als Gäste willkommen. „Das wird eine ganz normale Bar, in der man einen Absacker nehmen kann, wenn in der Stadt nichts mehr los ist“, kündigt die Chefin an. Vom Pilotversuch der Stadt, während dem Bars und Kneipen in diesem Jahr bis zur Putzstunde um 5 Uhr öffnen können, statt in der Regel bis 2 Uhr, erfährt sie zwar erst im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Sorge bereitet ihr das aber keine. „Es haben so viele gesagt, dass ich wieder aufsperren soll. Die kommen schon“, ist sie sich der Treue ihrer Stammgäste sicher.

Mehr Interesse als an Streichs Immobilie gab es an der zuletzt verschwundenen Reklame in Pink, die nun einen zweiten Frühling erlebt. Streich hatte sie vor eineinhalb Jahren abmontieren lassen – auf Wunsch ihrer Mieterinnen, die den Eingangsbereich zu dem Etablissement so als wesentlich diskreter empfinden würden, erklärte sie damals.

Interesse am Herz der Regensburger Juliska Bar

Seither wollten laut Streich einige ihr Leuchtherz ganz für sich haben – bekommen aber hat es niemand. „Das waren bestimmt zehn Angebote. Der Verband hat sogar gesagt, ich soll das Geld dafür spenden“, erzählt sie. Allerdings wollte sie es als Erinnerung behalten. „Das ist 50 Jahre alt. Das verkaufe ich nicht“, erklärt Streich.

Mit dieser Entscheidung hatte sie den richtigen Riecher, wie sich nun herausstellte. Die Werbetafel mag zwar ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, erfüllt ihren Zweck aber besser denn je. „Das Herz ist in den Herzen der Menschen“, freut sich Streich. Seit es wieder in Reinhausen hängt, kann sie sich vor Fragen und Rückmeldungen zu dieser Entscheidung kaum retten. „Wo ich auch hinkomme, ich werde darauf angesprochen“, sagt sie.

Bis zur Eröffnung habe sie noch viel vorzubereiten. Die Stereoanalage und die Getränke wollen hergerichtet werden. Außerdem hat die mittlerweile 78-Jährige den Barkeeper wieder eingestellt, der zuletzt 26 Jahre hier gearbeitet hatte. In der Küche zwischen der Bar und dem Aufgang zu den Appartements, in der sich gerade die Ernte aus dem Garten in Frankfurt stapelt, will Streich die Lage ab morgen wie gewohnt im Blick behalten.

Bis vor kurzem fehlte das Schild an der Fassade. Foto: Koller