Die Regenbrücke in Regensburg wurde zur Feiermeile – 100 Jahre Eingemeindung

Von Martina Groh-Schad · 21. Juli 2024 um 15:00

Über die Brücke hinweg reihten sich Bierbänke aneinander. Wo sich sonst auf sechs Spuren Autos drängen, wurde dieses Wochenende gefeiert: 100 Jahre Eingemeindung der nördlichen Stadtteile.

Dafür hatten sich die Vereine Kultur am Regen und der Architekturkreis Regensburg zusammengetan und ein großes Fest aus dem Boden gestampft.

„Wenn alle zam helfen, dann klappt alles“, sagte Alois Zorzi, Vorstand des Vereins Kultur am Regen. Das sei die Botschaft des Festes, betonte er. Die Gesellschaft und die Bürger lebten vom Zusammenhalt und vom Gemeinsinn. „Wir wollen in Reinhausen noch mehr machen, damit es hier lebenswert wird“, kündigte er an. Die „Monsterbrücke“ solle für das da sein, wofür sie gedacht sei, nämlich zum Feiern.

Zahlreiche Stände

Angezogen vom Duft von gegrilltem Fisch und Fleisch schlenderten die Besucher über die Brücke die Donaustaufer Straße entlang. Dort gab es Stände der Vereine und der Firmen aus dem Stadtteil wie der Sozialen Futterstelle, der Maschinenfabrik Reinhausen, einen Bücherstand der Sozialen Initiativen e.V. und eine Rikscha der Malteser.

Mit dabei war auch die Interessensgemeinschaft Historische Straßenbahn mit Originalhaltestelle. „Die Straßenbahn ist bis 1945 vom Hauptbahnhof bis zur Reinhausener Kirche gefahren“, erklärte Erster Vorsitzender Jan Maschek. Stellvertreter Günter Dürrmeier ergänzte: „Von dort aus gab es Anschluss an das Walhallabockerl.“ Beim Brückenfest erinnerten sie daran und sammelten Spenden für ihr aktuelles Gleis-Projekt in der Guericke-straße.

Historische Fotos

Entlang der Donaustauferstraße konnten die Besucher die Bauzaun-Ausstellung zu Eingemeindung besuchen. „Es waren den ganzen Tag Menschentrauben davor“, sagte Andreas Eckl, Vorstand des Architekturkreises und Mitveranstalter des Festes. Immer wieder war zu hören, wie die Gäste die alten Fotos mit der heutigen Umgebung verglichen und die Veränderungen ins Visier nahmen. „Eine Frau hat ihr Elternhaus auf einem Foto entdeckt, als es gerade im Bau war“, sagte Julia Krebs vom Vorstand des Vereins Kultur am Regen. „So hatte sie es noch nie gesehen.“

Am Stand der Festleiter schlugen die Gäste auf, die Fragen zur geschichtlichen Entwicklung des Stadtteils hatten. „Viele teilen mit uns ihre Freude, dass sie dort, wo sie wohnen auch Kultur erleben können“, betonte Krebs. Das treffe genau das Anliegen des Vereins. „Wir wollen, dass hier vor Ort Sachen passieren und nicht nur in der Altstadt.“ Die Brücke in das Fest einzubeziehen, sei viel Aufwand gewesen, habe sich aber gelohnt. „Wir werden das jetzt nicht jedes Jahr machen, aber bestimmt mal wieder“, kündigte sie an. Weiter verstetigen soll sich das Fest in der Unteren Regenstraße, dass nun bereits im dritten Jahr in Folge gefeiert wurde. Hier kamen vor allem die Kinder auf ihre Kosten, die die ganze Straße mit Kreidezeichnungen schmückten. Es gab Torwandschießen, Münzenprägen Kinderschminken und eine weitere kleine Bühne. Die Kinder der Anwohner hatten im Vorgarten Flohmarkt-Stände, es wurde gemalt und gebastelt.

Wer es ruhiger genießen wollte, fand im Schatten einen Sitzplatz mit Blick auf den Dom. Am Sonntag startete das Fest mit einer Podiumsdiskussion, bei der, moderiert durch Andreas Eckl, Kommunalpolitiker ihre Ideen zur Zukunft der Stadtteile vorstellten.

In der Unteren Regenstraße konnten sich die Kinder austoben.
Mit ihren akrobatischen Kunststücken verblüffte Rock’n’pole die Besucher des Festes.
Alois Zorzi, Vorstand vom Verein am Regen (re.) dankte den Mitorganisatoren des Festes auf der Bühne.
Auf der Terrasse in der Unteren Regenstraße ging es ruhiger zu und die Gäste genossen den Blick auf den Dom.