Zucchero performt bei den Regensburger Schlossfestspielen wie in seinen besten Zeiten

Von Marianne Sperb · 20. Juli 2024 um 14:45

Wer den großartigen Abend mit Zucchero bei den Schlossfestspielen 2017 erlebt hatte, konnte befürchten, der Auftritt 2024 würde vielleicht nur ein matter Abglanz. Von wegen! Zucchero, der Meister des italienischen Blues-Rock, lieferte am Freitag in Regensburg eine grandiose Show ab, die keinen Wunsch offen ließ und 3000 Gäste in einen Begeisterungstaumel stürzte.

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Rau, markig, poetisch, heiser, schmelzend, auch kitschig, immer unverfälscht, ausgestattet mit einem seltenen Gespür für musikalisches Crossover und in jedem Moment hochprofessionell: Zucchero, der Mann mit der Reibeisenstimme, wirkte noch dynamischer und präsenter als beim Auftritt vor immerhin sieben Jahren.

Die Show beginnt mit einer Überraschung: Background-Sängerin Oma Jali aus Kamerun eröffnet so gefühl- wie kraftvoll mit einem Gospel, bevor Zucchero ohne Gedöns auf die Bühne kommt und direkt loslegt. Auf kantige, harte Rhythmen folgt Balladenhaftes im Stil der Cantautori, peitschende, hämmernde Nummern wechseln mit nostalgiegesättigten Songs. Zuccheros Stimme schmeichelt und brüllt, ruft Sehnsucht auf und zeigt gleichzeitig: Der Löwe hat kaum etwas von seiner Kraft verloren.

„Heute keine Pause“ verkündete ein Schild an einer Lounge von Caterer Goliath im Schlosspark. Es weckte unwillkürlich den Gedanken, da würde vermutlich ein Senior auf Tour noch Dollars sammeln, nach einer Stunde oder so eine Zugabe gewähren und einpacken. Von wegen! Auch hier täuschte man sich. Zucchero lieferte redlich ab, für Besucher, die bis zu 169 Euro fürs Ticket zahlten. Erst nach 20 Titeln und zwei Stunden Show war Schluss.

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Zucchero, seit März unterwegs auf seiner Tour Overdose D’Amore, performt bewundernswert ausdauernd und energetisch für einen Künstler von 68 Jahren – auch wenn seine Bewegungen heute denen von Joe Cocker ähneln, er eher zappelt als tanzt. Er holt mit den Armen weit aus, als wollte er mit seinem Publikum die ganze Welt umarmen, und reckt die Faust nach oben, als wollte er seinen unbedingten Freiheitswillen bekräftigen und rufen: Hier steh’ ich und mach’ mein Ding, habt Freude!

Zucchero, der Bauernbub aus der Reggio Emilia, machte tatsächlich sein Ding. Er entdeckte als Kind die Musik und später mit Rolling Stones, John Lee Hooker und Otis Redding den Rock, den Blues und den Soul. Er kreierte einen eigenen Stil, revolutionierte und italienisierte ein Genre. Auf der Bühne erzählt er, dass viele ihm sagten: Wenn du nicht auf Englisch singst, wird dich außerhalb Italiens niemand hören. Auch hier: Von wegen! Kein anderer Italiener komponiert, arrangiert, textet, singt und spielt diese Mischung und hat damit weltweit diesen Erfolg. Seine Alben holen Gold, Platin, sogar Diamant, Stars wie Sting, Elton John, U2 oder Michael Jackson arbeiteten mit ihm.

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An die Verbindung mit Luciano Pavarotti erinnert im Schlosshof „Miserere“. Zuccheros Song von 1992 wird zum emotionalen Höhepunkt. Das Bühnenbild – zuvor dominiert vom Logo mit Federn, Flügeln, dem Kürzel „ZSF“ und dem großen Hut, ohne den sich Zucchero „Sugar“ Fornaciari unvollständig fühlt – wechselt zu Aufnahmen des Tenors. Als beide – Pavarotti eingespielt und Zucchero live – in dem Lied trotz allen Elends das Wunder des Lebens feiern, stellen sich im Publikum die Härchen an den Unterarmen auf. Der Titel gelingt auch deshalb so gut, weil Technik und Akustik – wie in der gesamten Show – so makellos funktionieren.

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Sogar spirituell wird der Abend: Zucchero animiert, explizit Reihe eins mit Gloria von Thurn und Taxis und ihren Gästen, um Segen zu bitten, bevor er mit „Diavolo in me“ loslegt. Die Szene könnte kitschig wirken, aber hey! Der Mann kommt aus Italien, dem Land, in dem Autobahnraststätten Saugnapf-Madonnas für Autofenster und Jesus-Tischbrunnen aus Plastik verkaufen.

Zucchero ist der Star, aber um sich hat er ein Dutzend ebenfalls exzellenter Musiker und Musikerinnen aus aller Welt, die miteinander und in den Soli ihre Extraklasse beweisen. Oma Jali ragt aus dem Spitzenteam heraus. Diese Frau hat Feuer im Hintern, Lava in den Adern und eine Stimme, die im Gospel zum Auftakt an Aretha Franklin und gegen Ende bei „Nutbush City Limits“ an Tina Turner anknüpft.

Natürlich muss am Ende noch einer der Superhits her. Mit „Senza una donna“ entlässt Zucchero 3000 glückliche Menschen in die traumhafte laue Sommernacht.

Lava in den Adern, Feuer in der Stimme: Oma Jali ragte aus Zuccheros Team heraus. Foto: altrofoto.de
Blick in den Schlosshof in Regensburg, in einer traumhaften lauen Sommernacht mit Zucchero Foto: altrofoto.de
Rau, unverfälscht, professionell – und auch witzig: Zucchero bei seinem Auftritt in Regensburg. Foto: altrofoto.de