Hüftsteife Erotik am Cello: Hauser bei den Schlossfestspielen

Verzerrte Töne, laszives Posing, Streichersirup aus dem Halbplayback: Hauser enttäuschte bei den Regensburger Schlossfestspielen – aber seine Band spielte exzellent.
Das Konzert von Star-Cellist Hauser bei den Schlossfestspielen kann man aus verschiedensten Blickwinkeln betrachten, ohne tatsächlich glücklich zu werden. Denn blickt man auf den Abend als reinen Show-Act, so waren bestenfalls die minimalsten Ansprüche an eine mitreißende Darbietung erfüllt, die allerdings auch ohne den Star des Abends mühelos befriedigt worden wären. Tritt man hingegen den Versuch an, das Crossover zwischen Klassik und Poprock in der Show zu finden, wird man scheitern, weil Versatzstücke aus dem klassischen Kanon der Musik nur Alibifunktion hatten – oder gar nicht erst vorkamen. Der Reiz der Verschränkung von E- und U-Musik blieb aus. Kein Vergleich zu den virtuosen Konzerten von Geigenstar David Garrett, der mit Crossover mehrfach bei den Schlossfestspielen für Furore sorgte.
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Das Cello als Sex-Objekt
Štěpán Hauser hat tiefklassische Wurzeln, gilt als ausgezeichneter Cellist, hat etliche Wettbewerbe gewonnen und war einige Zeit Teil des gefeierten Greenwich-Klaviertrios. Der Ausstieg aus dem Klassikbetrieb begann mit dem unglaublichen Erfolg des Duos „2Cellos“ zusammen mit seinem kroatischen Landsmann Luka Šulic, mit dem er zehn Jahre lang bis 2022 die jetzige Performance seiner Shows geformt und perfektioniert hatte. Das Duo avancierte mit seinem musikalischen Crossover legendärer Hits der Rock- und Pop-Geschichte zu internationalen Superstars.
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Seit einigen Jahren ist Hauser nun als „Rebel with a Cello“ mit Band unterwegs und bläst routiniert Evergreens der Klassik und Filmmusik sowie Rock- und Popsongs zu einem Licht-, Video- und Klangspektakel auf, in dem sich der Star des Abends in Selbstposing räkelt, seine Hüften lasziv an seinem futuristischen E-Cello reibt und heischend das Handtuch durch sein nassgeschwitztes Seidenhemd zieht. Das Cello als Sexobjekt – darauf muss man erst mal kommen. Zumehr taugt das Instrument offensichtlich nicht, denn die Klasse seines Cellospiels, seines Könnens und seiner einst gefeierten Virtuosität spielt in diesen zwei Stunden im Schlosshof keine Rolle.
Zwar standen zu Beginn des Konzerts noch Solostücke im Mittelpunkt des Geschehens, Hausers Cellospiel wurde durch die Elektronik jedoch bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Was übrig blieb, müllte synthetischer Streichersirup aus dem Halbplayback zu. Mit dem vollständigen Auftritt der Begleitband wurde das Cello dann endgültig zum Accessoire einer teils peinlichen Performance des Starcellisten.
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Dass die Stimmung im Publikum im Verlauf durchaus stieg, lag nicht an Hauser, sondern an der zweifellos exzellenten Rock-Band, die einfach in allen Belangen ihr professionelles Handwerk verstand. Sie heizte mit Hits wie „Let’s get loud“, „la isla bonita“ oder Gloria Estefans „Conga“ den Zuhörern gehörig ein und versüßte die schöne Sommernacht. Das war so gut, dass man unweigerlich mitgerissen wurde. Da war Hausers Cello aber längst nicht mehr zu hören, weil er nur in tiefen Lagen – wenn überhaupt – die Refrains mitspielte, sein Instrument zappelnd hinter sich herzog oder es zu einer Tanzstange degradierte.
Einsätze vermasselt
Auch den hohen Anspruch an eine Bühnenshow konnte die Regie nicht immer erfüllen; mal war die Videoproduktion nicht synchron, dann vermasselte Hauser im Eifer des Gefechts seine Einsätze und das Cello spielte wie aus Geisterhand.
Hausers Fans dürfte das alles nicht überrascht haben. Ihnen wurde die Show geboten, die die vielen Hauser-Youtube-Videos versprochen hatten. Das stimmungsvolle Ambiente des fürstlichen Schlosses tat sein Übriges, um den Abend auch genießen zu können. Der kritische Besucher dürfte sich indes die Frage stellen, was nun genau mit dem „Rebel with a Cello“ gemeint ist – Licht und Glamour? Oder die hüftsteife Erotik? Die Antwort blieb Štěpán Hauser schuldig.