Frankenbrücke: Abbiegespuren in die Vergangenheit der Regensburger Verkehrsplanung?

Von Rainer Wendl · 17. Juli 2024 um 19:00

Der Neubau der Frankenbrücke in Regensburg ist notwendig und auch im Stadtrat unstrittig. Über die Gestaltung des verkehrlichen Umfelds gab es jedoch eine Kontroverse.

Knapp zwölf Jahre nach dem Startschuss für die Vorplanung hat der Neubau der Frankenbrücke am Dienstag eine der letzten Hürden genommen. Der Planungsausschuss sprach sich mit einer Gegenstimme für die Beantragung der Planfeststellung aus.

Über die Notwendigkeit des Neubaus herrscht seit jeher Einigkeit, denn der bestehende Regen-Übergang weist zahlreiche gravierende Mängel auf. So sind die Richtungsfahrbahnen baulich nicht getrennt und die Geh- und Radwege viel zu schmal. Neben diesen sicherheitsrelevanten Defiziten lässt auch der verkehrliche Komfort zu wünschen übrig. Es gibt keine Rechtsabbiegespuren von der Brücke in die Bayerwald- und die südliche Holzgartenstraße, zudem ist die Wegeführung für Radler umständlich.

Bayerwaldstraße bleibt so

Vor allem aber befindet sich die Frankenbrücke seit Langem in einem miserablen baulichen Zustand. In der offiziellen, bis zur schlechtesten Note 4,0 reichenden Bewertungsskala rangiert das Bauwerk bei einer 3,5, weshalb es jedes Jahr einer Hauptprüfung unterzogen werden muss. Auch die notdürftige Behebung von Rostschäden ist an der Tagesordnung. Mit anderen Worten: Es ist höchste Zeit für den Neubau, der mit Beantragung der Planfeststellung bei der Regierung der Oberpfalz endlich in Reichweite rückt.

Dennoch gab es im Planungsausschuss eine Kontroverse. Diese drehte sich nicht um die Frankenbrücke an sich, sondern um ihr verkehrliches Umfeld. Grünen-Stadtrat Hans Teufl stellte als Erster die Frage, ob mit dem Neubau des Übergangs auch ein Rückbau der benachbarten Bayerwaldstraße erfolge. Diese parallel zum Regen führende Straße ist mit ihren bis zu sieben Spuren ein Überbleibsel der überdimensionierten Verkehrsplanung der 60er Jahre, deren zerstörerische Wirkung auf die Stadtteile Steinweg und Reinhausen auch beim Brückenfest am Regen am kommenden Wochenende wieder einmal ein Thema sein wird.

Tiefbauamt-Chef Michael Köstlinger führte jedoch aus, dass es vorerst keinen Rückbau geben werde. Dies wiederum rief Benedikt Suttner auf den Plan: „Es wäre doch sinnvoll, das jetzt zu berücksichtigen“, meinte er und stieß sich an der aktuellen Planung, die aus seiner Sicht genau das Gegenteil von Rückbau bedeutet: Wenn die neue Frankenbrücke nämlich fertig ist, wird es in ihrem westlichen Vorfeld von der Frankenstraße aus zwei Linksabbiegespuren in die Bayerwaldstraße geben.

Diese Neuerung (bisher besteht nur eine Abbiegespur) macht mehreren Stadträten Sorgen. „Das könnte deutlich mehr Autofahrer verleiten, über die Donaustaufer- und Brennesstraße in die Nordgaustraße zu fahren“, sagte Thomas Thurow (Brücke). Irmgard Freihoffer (BSW) forderte: „Das muss man dringend noch mal überdenken.“ Die doppelte Abbiegespur sei ein Angebot, das zwangsläufig eine Nachfrage nach sich zöge. „So werden mehr Autos hier fahren, das ist der völlig falsche Weg.“ CSU-Stadtrat Josef Zimmermann sah die Sache entspannter: „Wir beantragen heute nur die Planfeststellung, da ist nichts in Stein gemeißelt.“

Suttner stimmt dagegen

Die von Freihoffer angesprochene Nachfrage gibt es seiner Meinung nach bereits: „Das ist der Verkehr zur Maschinenfabrik Reinhausen, zum Gewerbepark und zum Alex-Center. Den werden wir auf die Schnelle nicht abbauen.“ Die zweite Linksabbiegespur könne hier helfen, den zu Stoßzeiten oft über drei Kreuzungen in der Frankenstraße reichenden Stau zu reduzieren. Und wenn einst das ÖPNV-Angebot in diesem Bereich besser werde, könne man die zweite Abbiegespur ja zur Busspur machen, so Zimmermann.

Auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer(SPD) betonte, dass die aktuelle Planung keine Möglichkeiten verbaue. Wegen einer Detailfrage nun die Planfeststellung abzulehnen, verzögere das dringend notwendige Brückenprojekt. „Das ist in meinen Augen unverantwortlich, es geht um ein Sicherheitsthema.“ Suttner stimmte trotzdem dagegen.

Neuer Grieser Steg wird rostrot: Baustart 2025 geplant

Voraussichtlich ab dem kommenden Jahr soll für 11,4 Millionen Euro der Neubau des Grieser Stegs inklusive der Anpassung seiner Anschlusswege erfolgen. Den entsprechenden Maßnahmenbeschluss fällte der Planungsausschuss am Dienstag einstimmig. Die neue Brücke wird mit 6,50 statt 3,80 Meter deutlich breiter sein als ihr maroder Vorgängerbau. Dadurch kann sie auch von Rettungsfahrzeugen genutzt werden, regulär bleibt sie Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

Für den Bau wird Corten-Stahl verwendet, der für eine rostrot schimmernde Optik sorgt. Da der Steg gemäß Vorgaben zur Hochwasserfreiheit errichtet wird, führt er in größerer Höhe als der Bestandsbau übers Wasser. Aus diesem Grund fällt auch der „Antritt“ am südlichen Ende in der Proskestraße um 80Zentimeter höher aus. Während dies laut Angaben der Planer problemlos umzusetzen ist, muss die Wege-Anbindung auf der Nordseite noch genauer untersucht und mit der Neuplanung der Andreasstraße abgestimmt werden. Hier kommt die neue Brücke einen Meter höher an.

Für Radler, die über den Grieser Steg zum Grieser Spitz fahren, skizzierte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer den künftigen Weg so: „Es geht ein Stückl weiter in Richtung Andreasstadel und erst dann rechts. Ich glaube, dass das verschmerzbar ist.“

Wie die Anbindung der neuen Brücke zur Andreasstraße erfolgt, ist noch offen.