Hochwasserschutz braucht Natur: Unterwegs mit dem Mann, der die Donau retten will

Von Jonas Raab · 22. Juni 2024 um 10:00

Das Hochwasser hat gezeigt, wie eng Regensburg und die Donau miteinander verbunden sind. Dass das seit jeher so ist, machte Josef Paukner, Gründungsmitglied und Sprecher der Donau-Regen-Naab-Allianz, am Freitag bei einem Rundgang deutlich. Sein Appell: Hochwasserschutz und Renaturierung müssen Hand in Hand gehen.

Seit 2008 setzt sich der Kulturhistoriker und Naturschützer Paukner für die natürliche Weiterentwicklung der heimischen Gewässer und Flüsse ein; bei seiner Exkursion stellte er zunächst seinen Wissensfundus in Regensburger Stadtgeschichte unter Beweis. Quer durch die Epochen griff Paukner einschneidende Entwicklungen auf und erklärte hier und da, inwiefern die Gewässer – die Donau, der Regen und die Naab, die einst den nördlichen Donauarm bildete – Einfluss auf das Leben in der Stadt nahmen. Das Haus zum Sauseneck, erklärte Paukner beispielsweise, habe seinen Namen erhalten, weil das Wasser dort einst recht rasant vorbeigerauscht sein soll. An der Weinlände und auf der Steinernen Brücke referierte er über Aufstieg und Fall der Stadt im Mittelalter, in Stadtamhof ging er auf die jüngere Stadtgeschichte ein. „Früher hat an der Donau alles ganz anders ausgesehen“, lautete sein Zwischenfazit.

Regensburg: Als die Donau noch ein Fremdkörper der Stadt war

Am Grieser Steg angekommen, sprach Paukner schließlich über sein Leib-und-Magen-Thema, den Gewässerschutz. Die Donau sei lange Zeit wie ein Fremdkörper in der Stadt angesehen worden, erklärte er Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Die Donau gehört uns nicht, die gehört dem Bund“, habe er immer wieder gehört. Am Neubauamt Donau, wie die zuständige Behörde damals hieß, habe man ihm später verraten, dass man sich selber gewundert habe, wie technisch man in den 1970er-Jahren die Donau in Regensburg umbauen habe können. „Naturschutz hat hier im Gegensatz zu Geisling oder Straubing überhaupt keine Rolle gespielt“, bekam Paukner laut seiner Schilderung erklärt. „Damals wollte keiner mehr an der Donau sein, die war nicht schön“, sagte Paukner, während er rüber auf die Jahninsel blickt. „Früher war das Ufer hier komplett aus Stein.“

Ab den 1980er-Jahren habe es tiefgreifende Veränderungen gegeben, in Regensburg wie in der Wasserwirtschaft. Das zeigte Paukner am Beispiel Stadtamhof auf. Da habe es damals große Auseinandersetzungen gegeben, weil man beim Hochwasserschutz auf blanke Betonmauern setzen wollte. Das Projekt fiel ins Wasser, Franz-Josef Strauß höchstselbst soll gesagt haben: „Dann soll’n sie ersaufen, die Stadtamhoferer.“

1988 habe Stadtamhof dann ein großes Hochwasser erwischt – die Inselbewohner seien jedoch nicht zu Kreuze gekrochen. Da habe man eingesehen, dass es im Hochwasserschutz Dialog und Zukunftswerkstätten brauche. Zudem sei es dem damaligen Umweltminister Peter Gauweiler gelungen, die bayerischen Wasserwirtschaftsbehörden seinem Ministerium zu unterstellen. Ergebnis der Entwicklungen kurz vor der Jahrtausendwende ist das Fluss- und Freiraumkonzept der Stadt Regensburg, an dem Paukner und seine Donau-Regen-Naab-Allianz maßgeblich mitgewirkt hatten.

Hochwasserschutz und Renaturierung: Dicke Bretter sind zu bohren

„Es war ein Deal. Wir sichern die Akzeptanz für den Hochwasserschutz. Dafür betreiben Stadt und Wasserwirtschaftsamt eine Aufwertung für die Natur und die Freizeitnutzung.“ Für Paukner ein voller Erfolg: Mit den ersten Renaturierungen am Donau-Nordarm habe dort das pralle Leben Einzug gehalten – ebenso an der Regenmündung, trotz vorheriger Konflikte.

„Der Fluss ist kein Fremdkörper mehr. Er gehört zum Regensburger Lebensgefühl“, freut sich Paukner. Trotz der Erfolge gebe es aber immer noch genügend dicker Bretter zu bohren. Der Naturschützer will weiter auf Renaturierungen drängen, beispielsweise in Weichs und Schwabelweis. „Wir brauchen die Vernetzung. Ohne Bürger geht es nicht. Gerade in Regensburg.“