Die Juliska Bar in Regensburg steht jetzt ohne ihr pinkes Herz da

Von Heike Haala · 19. Januar 2023 um 16:50

Irgendwas fehlt: Das dachten sich in den vergangenen Tagen einige Passanten in Regensburg, die bei der Reinhausener Kreuzung mit der Donaustaufer Straße unterwegs waren.

Es ist das riesige Herz mit der Aufschrift Juliska Bar, das mit zwei Schnörkeln an einem Mast verankert war. Die Kabel, die nun an dieser Stelle aus der rosaroten Hausmauer ragen und der Staubschatten des geschwungenen Schilds am Eingang zum Nachtclub, das ebenfalls weg ist, ließen schnell Gerüchte ins Kraut schießen.

Hat die Juliska Bar geschlossen? Oder werden vielleicht doch nur die Schilder erneuert? Mit diesen Fragen wandte sich ein Leser angesichts der demontierten Werbetafeln an die Mittelbayerische. Chefin Juliane Streich dementiert auf Nachfrage beides. Keinesfalls werde sie die Juliska Bar schließen - im Gegenteil: Im März stehe nun erst einmal das 50-jährige Betriebsjubiläum an. „Das muss mir erst einmal jemand nachmachen“, sagt sie.

Die roten Laternen gehen aus

Auch erneuern lasse Streich das Schild und das pinke Herz nicht. Sie habe die Werbetafeln am Dienstag vielmehr auf Wunsch ihrer Mieterinnen entfernen lassen, weil diese den Eingangsbereich zu dem Etablissement so als wesentlich diskreter empfinden würden. Aus dem gleichen Grund habe Streich auch die roten Laternen ausgedreht, die den Eingangsbereich flankieren.

Aber was passiert jetzt eigentlich genau in der Juliska Bar? Ist das ein Bordell? Streich will ihren Betrieb nicht mit diesem Wort bezeichnet wissen. Sie sagt, die Appartements an Frauen zu vermieten, die etwa alle sieben Tage wechseln. Diese würden ihre Termine mit den Männern in Eigenregie im Internet vereinbaren. Dass es bei diesen Terminen zu Geschlechtsverkehr gegen Geld kommt, sei nicht gesagt. Sie wisse nicht, was die Frauen mit den Männern vereinbaren. „Das geht mich nichts an und da mische ich mich nicht ein“, sagt Streich.

So oder so – ohne die rot-pinke Festbeleuchtung kann das Haus von allen, die darin zu tun haben, auf jeden Fall unauffälliger betreten oder verlassen werden. Das gilt auch für die Besucher des Nachtclubs im Erdgeschoss, dessen Betrieb trotz der demontierten Werbeschilder laut Streich ebenfalls wie gewohnt weiter laufen wird.

„Eine bekannte Institution“

„Alles andere hätte ja bedeutet, dass eine weit über Regensburg hinaus bekannte Institution wegfällt“, sagt der MZ-Leser angesichts dieser Auskunft. In der Tat: Streich, der das Haus nach eigenen Angaben gehört, habe die Juliska Bar im Jahr 1973 eröffnet. Kurz zuvor hatte die Stadt den Sperrbezirk eingerichtet und die Frau habe die Thundorferstraße verlassen, die bis dahin als Rotlichtviertel galt. „Der Pfarrer hat damals 3000 Unterschriften dagegen gesammelt, dass ich hier eröffne“, erinnert sich Streich an ihren Start in Reinhausen. Dieser Aufschrei sei aber schnell verstummt und die Menschen hätten die Juliska Bar bald akzeptiert, ergänzt der MZ-Leser.

Die 1946 geborene Streich, weiß nicht, wie lange sie den Laden noch schmeißen wird. Während der Pandemie habe sie schon einmal überlegt, die nun gewerblich genutzten Appartements in Wohnungen umzunutzen. „Aber das war zu teuer“, sagt sie.

Was mit den abmontierten Schildern jetzt geschieht, weiß Streich noch nicht. „Ich habe sie zur Seite getan“, sagt sie. Und so werden die Menschen erst einmal auf den Anblick verzichten müssen.

Dabei war das Leuchtmittel an dieser Stelle durchaus mehr als eine Werbetafel. Das auffällige Pink gab Ortsunkundigen Orientierung und hatte das Zeug zur Landmarke: Ob es nun um die nahe gelegene Bushaltestelle geht oder um eine Verabredung an einer der Badebuchten am nahe gelegenen Regenufer: Mit Hilfe des Juliska Bar-Herzens ließen sich viele Ziele in Reinhausen gut beschreiben.