Wie passt das Sportheim des Regensburger SV Sallern in den Deich?

Seit Anfang April rollen die Bagger wieder am Sallerner Regenufer. Und die Arbeiter bauen nicht nur weiter am Deich, sondern auch an etwas „sehr Ungewöhnlichen“, wie es auch Rainer Zimmermann vom Wasserwirtschaftsamt nennt.
Das Ziel: „Der Deich soll an das Sportheim anschließen, rechts und links“, so sagt es der Vize-Chef des Wasserwirtschaftsamts. Das Gebäude des SV Sallern wird so Teil der Hochwasserschutzes.
Der Schutzabschnitt Sallern soll einmal vom Sportgelände des SV bis Reinhausen reichen und etwa 400 Anwohner schützen: mit 550 Metern Deich, 230 Metern Mauer sowie mobilen Elementen. Nächstes Zwischenziel ist die Fertigstellung des Deich-Bauwerks samt Integration des Sportheims. Zimmermann erklärt: „Damit dieser Deich schön enden kann mit seinen Böschungen, braucht man eine Flügelmauer.“ Gerade bauen die Arbeiter die Schalungen, in die der Beton eingegossen wird.
Leitungen neu verlegt
„Erst wenn die Flügelmauer steht, kann man weiterbauen und den Deich schließen“, sagt Zimmermann. Das klinge einfach, aber hier gelte: „Der Teufel steckt im Detail.“ Um das Sportheim herum verliefen Leitungen, für Abwasser, Strom und Frischwasser. Projektleiter Andreas Dunst erklärt: „Das musste man alles neu verlegen.“
Ist der Beton ausgehärtet zur Flügelmauer, wird der Deich angeschüttet. Ihren Freisitz können die Mitglieder des SV Sallern indes weiter nutzen, wenn auch die Mauer den Blick auf die Spielfelder stören wird. „Die Terrasse ist genau auf die Höhe gesetzt worden, dass der Deich nahtlos anschließen kann“, erläutert Zimmermann. Schon beim Bau des Sportheims vor circa 20 Jahren seien solche Details beachtet worden. Der Einbau in den Deich sei „die einzige Möglichkeit, einen Kompromiss zu finden zwischen dem Hochwasserschutz und dem Ziel, dass der SV Sallern ein vernünftiges Sportheim haben kann“, erklärt Zimmermann. Vor dem Deich soll kein Gebäude sein, der Bereich dahinter ist bebaut. Deshalb sei es zu dem „sehr ungewöhnlichen Konstrukt“ gekommen, „das sehr viele Probleme verursacht“. Bei der Lösung ist der Verein mit von der Partie. Seine Aufgabe ist es, „die Fenster und Türen so nachzurüsten, dass sie sicher verschlossen werden können“. Konkret heißt das, dass aufklappbare Stahlplatten davor geschraubt werden. Davon abgesehen sei das Gebäude hochwassersicher gebaut worden. Dunst sagt: „30 Zentimeter Stahlbeton sind ausreichend.“
Inwieweit der Einbau dem Freistaat Mehrkosten beschere, lasse sich schlecht beziffern, sagt Zimmermann. „Ein gewisser Mehraufwand ist da.“ Allerdings wäre ohne das Sportheim an der Stelle ein weiteres Stück Deich nötig geworden.
Christian Schmatz, Vorsitzender des SV Sallern, weiß recht genau, welche Mehrkosten auf den Verein zukommen. Circa 30.000 Euro koste es, Fenster und Türen nachzurüsten. Mit 40.000 Euro schlage der Rollrasen zu Buche, den der Verein zahle, damit die Stadt ihm einen der zwei Ersatzplätze für die weggefallenen Felder bis Herbst bespielbar mache. Dennoch sagt Schmatz: „Der Hochwasserschutz muss ja sein.“ Er würde nur gern besser informiert werden, sagt er. Von der aktuellen Baustelle habe er erst erfahren, als diese schon eingerichtet wurde. Hätte er das früher gewusst, hätte er das große Jugendturnier am 1. Mai nicht organisiert.
Erneuter Baustopp im Sommer
Ist das Sportheim in den Deich eingepasst, steht am Regen erst einmal eine lange Sommerpause an. Weil das Geld vom Freistaat für den Hochwasserschutz knapp ist, müssen die Arbeiten immer wieder pausieren.Den nächsten Auftrag will das Wasserwirtschaftsamt im Mai ausschreiben, sagt Projektleiter Dunst. „Dann können wir ihn im September vergeben und im Oktober weiterbauen.“ Dann bekommt der Deich ein Schöpfwerk, um Grundwasser zurückpumpen zu können, dann kommt die Mauer. Ziel des Wasserwirtschaftsamts ist es, dass der Hochwasserschutz samt neugestalteter Uferzone Ende 2025 fertig ist.
Hochwasserschutz Regensburg
Dimension: Der Hochwasserschutz Regensburg ist dem Wasserwirtschaftsamt zufolge mit geschätzten Investitionen von Freistaat und Stadt Regensburg von voraussichtlich mehr als 150 Millionen Euro eine der größten Einzelmaßnahmen in Bayern. Seit dem Beginn der Planungen im Jahr 2003 wurden zehn der 18 Abschnitte im Stadtgebiet fertiggestellt, zuletzt 2022 die Ostenvorstadt mit dem Westhafen.
Abschnitt Sallern: Im September 2022 war in Sallern Baubeginn, Ende 2025 soll der Hochwasserschutz stehen. Auch das Ufer wird neu gestaltet, samt Radweg und Badestelle.
Ausblick: Die Abschnitte Gallingkofen, Unterer Wöhrd und Oberer Wöhrd befinden sich derzeit in der Detailplanung. Auch die Abschnitte Großprüfening, Altstadt und Stadtamhof stehen noch aus.


