„Paris hat den Eiffelturm, wir die Kugel“: Schwandorfs Landrat sieht Aufschwung nicht nur im Tourismus

Von Hubert Heinzl, Martin Kellermeier · 6. Mai 2024 um 05:00

Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) lenkt seit zehn Jahren die Geschicke des Landkreises. Im Interview spricht er über die Entwicklung der Region, seine politischen Ambitionen und sein Engagement für den SSV Jahn. Bei der Frage nach einer dritten Amtszeit hält sich der Politiker bedeckt.

Herr Landrat, Sie haben als Treffpunkt für das Gespräch die Holzkugel am Steinberger See vorgeschlagen. Warum?

Thomas Ebeling: Die Erlebnis-Holzkugel ist ein gutes Symbol dafür, wie es im Landkreis Schwandorf aufwärts geht. Und natürlich dafür, dass wir insbesondere im Tourismus einiges vorangebracht haben.

Der Landkreis war ja immer wirtschaftlich und industriell geprägt. Gibt es inzwischen einen Schwenk im Selbstverständnis und in der Außendarstellung?

Ebeling: In der Außen- und in der Innendarstellung. Natürlich ist es wichtig, dass wir den Tourismus voranbringen. Aber wir sollten auch die Menschen im Landkreis Schwandorf darauf aufmerksam machen, in welch schöner Gegend wir leben. Auch für die Wirtschaft ist es ja ein Standortfaktor, wenn man seinen Mitarbeitern einen hohen Freizeitwert in der Gegend bieten kann, wo sich das Unternehmen befindet.

Erlebnis-Holzkugel hat große Symbolkraft

War die Holzkugel so etwas wie eine Initialzündung?

Ebeling: Es war mit Sicherheit ein starker Impuls. Die Holzkugel hat große Symbolkraft, auch für viele Menschen außerhalb des Landkreises. Das ist ein Markenzeichen, mit dem man auf sich aufmerksam machen kann. Paris wirbt immer noch mit dem Eiffelturm – wir haben die Kugel.

Wie kann sich der Landkreis beim Tourismus noch besser positionieren?

Ebeling: Wir haben Luft nach oben bei den Übernachtungskapazitäten. Da ist dem Wachstum momentan eine Grenze dadurch gesetzt, dass es nicht mehr Betten im Seenland und im Landkreis Schwandorf insgesamt gibt. Aber ich denke, man muss der Entwicklung ein bisschen Zeit geben – auch um die Menschen, die hier leben, dabei mitzunehmen.

Am Klausensee gibt es zurzeit ein Hotelprojekt, das umstritten ist. Wie stehen Sie dazu?

Ebeling: Wenn es so realisiert wird, wie es präsentiert wurde, könnte es eine tolle Sache für Schwandorf, das Seenland und den Landkreis werden.

Die Kugel war sicher ein Meilenstein in Ihrer Amtszeit. Was rechnen Sie noch dazu? Vieles wurde ja bereits von Ihren Vorgängern angestoßen...

Ebeling: Wir haben natürlich viele Dinge fortgeführt, zum Beispiel die Sanierung des Beruflichen Schulzentrums in Schwandorf oder der Realschule in Burglengenfeld. Neu angestoßen haben wir beispielsweise den Neubau des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Nabburg, der sehr schnell vorankommt. Auch in die Höllohe haben wir mit etlichen größeren Investitionen wieder neuen Schwung gebracht.

Impulse für Wirtschaft im Landkreis Schwandorf

Für das Gründerzentrum und Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ) wurden die Weichen ebenfalls in Ihrer Amtszeit gestellt. Welches Potenzial steckt in den beiden Einrichtungen?

Ebeling: Beim Gründerzentrum haben wir nach einer neuen Lösung gesucht, weil die bestehende Immobilie einschließlich der Zufahrt nicht mehr optimal war. Jetzt haben wir zusammen mit Schwandorf und Wackersdorf einen Standort gefunden, wo wir das Ganze umsetzen können. Dass nun in unmittelbarer Nachbarschaft in Zusammenarbeit mit den beiden Hochschulen Amberg-Weiden und Regensburg ein Technologie-Transfer-Zentrum entsteht, ist Gold wert, weil beides thematisch sehr gut zusammenpasst. Das wird der Wirtschaft im Landkreis Schwandorf starke Impulse geben.

Können beide Zentren voneinander profitieren?

Ebeling: Die Erfahrung zeigt, dass aus einem Forschungsprojekt häufiger auch ein Start-up entsteht. Das wäre dann im Gründerzentrum gut aufgehoben. Das ist absolut vorstellbar und natürlich auch durch diese Konstellation gewünscht.

Welchen zeitlichen Horizont sehen Sie für die Realisierung?

Ebeling: Wir machen Tempo. Beim Gründerzentrum müssen wir jetzt die Verträge unter Dach und Fach bekommen, und dann auch das Grundstück erwerben. Anschließend gehen wir so schnell wie möglich in die Planung und Umsetzung.

Wenn Sie zurückschauen auf die vergangenen zehn Jahre – worauf sind Sie besonders stolz, was verbuchen Sie als Erfolg?

Ebeling: Ich glaube, man kann stolz darauf sein, dass die Kurve im Landkreis insgesamt steil nach oben zeigt, durchaus auch von externen Faktoren mitbestimmt. Aber auch intern haben wir es geschafft, ein investitions- und innovationsfreundliches Klima zu erzeugen. Wir haben den Ruf, wo es irgendwie möglich ist, pragmatisch und unbürokratisch an die Dinge heranzugehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch in Zukunft fortsetzen können.

Gibt es auch negative Entwicklungen in den zurückliegenden Jahren, etwa in der Debattenkultur in den kommunalen Gremien?

Ebeling: Man stellt schon fest, dass der Ton insgesamt rauer wird, auch im persönlichen Umgang. Ein Nein, das man eben auch einmal sagen muss, wird häufig schlecht akzeptiert und dann auch mit dem entsprechenden Wortlaut kommentiert. Das ist eine Gesamtentwicklung, die mir Sorgen macht. Aber ich nehme durchaus wahr, dass das gerade im politischen Bereich bestimmte politische Kräfte, die sich fälschlicher Weise als Alternative darstellen, ganz besonders befördern.

Themenwechsel. Sie tragen nicht nur als Landrat Verantwortung, sondern beispielsweise auch im Bezirkstag oder als Vorsitzender von Zweckverbänden. Inzwischen ist auch noch der Rettungs-Zweckverband dazugekommen. Wie bringt man das alles unter einen Hut?

Ebeling: Das ist durchaus eine Herausforderung, wobei natürlich die neuen Ämter nicht ohne Grund dazugekommen sind. Der Rettungs-Zweckverband hat seinen Hauptsitz in Wernberg-Köblitz, der Landkreis ist das größte Verbandsmitglied, sowohl gemessen an der Fläche als auch an den Einwohnern. Da wäre es unverständlich, sich seiner Verantwortung zu entziehen. Das alles zusammen zu bewältigen, ist einfach eine Frage der Priorisierung. Ich glaube schon, dass es vernünftig möglich ist, alles miteinander umzusetzen.

Ehrenamtlich engagiert beim Jahn

Auch beim SSV Jahn Regensburg engagieren Sie sich inzwischen als einer von fünf Vorständen. Haben Sie weiter gehende Ambitionen, etwa auf das Amt des Präsidenten?

Ebeling: Wie lange Präsident Hans Rothammer weitermachen wird, ist seine Entscheidung. Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit des Präsidenten, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sportlicher Hinsicht. Alles weitere ist satzungsgemäß vom Aufsichtsrat des Vereins zu entscheiden, in dem ich keinen Sitz habe. In den Händen dieses Aufsichtsrats wird es liegen, wie die personelle Ausrichtung in Zukunft aussehen wird. Aber es ist schon so: Ich bin ein großer Fußballfan und kann für den Fußball Leidenschaft entwickeln. Ich freue mich, dass ich gefragt worden bin, ob ich mich ehrenamtlich beim Jahn engagieren will.

Noch ist die Amtsperiode nicht vorüber. Was steht noch an bis zur Kommunalwahl 2026?

Ebeling: Wir wollen nach wie vor viel in die Bildung investieren. Wir dürfen nicht nachlassen, um im Landkreis beste Bildungschancen zu bieten, auch wenn ich weiß, dass ein schönes Gebäude und eine gute Sachausstattung noch nicht den Unterricht ersetzen. Auch weitere Dinge werden wir noch angehen. Beim Hallenbad Nabburg beispielsweise haben wir die Grundsatzentscheidung für einen Neubau getroffen. Wir wollen den Tourismus weiter entwickeln, die Integration im ÖPNV voranbringen und vieles mehr.

Was ist bei der Digitalisierung in der Fläche noch zu tun? Der Landkreis war ja an der Umsetzung maßgeblich beteiligt...

Ebeling: Das Projekt ist baulich so gut wie abgeschlossen. Ich bin nicht sicher, ob man überall schon einen Breitbandanschluss buchen kann, aber auf jeden Fall steht man kurz davor. Wir überprüfen laufend, wo noch weiße oder graue Flecken sind und wir möglicherweise nachsteuern müssen. Mittlerweile sind wir allerdings in einem Bereich, wo mögliche Ausbauprojekte so kleinteilig werden, dass sie besser bei den Gemeinden angesiedelt sind als auf Landkreisebene.

Impulse im Digitalen haben Sie auch mit Ihrer Online-Sprechstunde gesetzt. Wie kommt die an?

Ebeling: Ich werde sehr häufig darauf angesprochen. Die Bürger finden es gut, dass sie einen vereinfachten Zugang zum Landrat haben, dass sie Fragen stellen können und Wunschthemen behandelt werden. Wir haben sehr gute Zugriffszahlen und immer zwischen 20 und 30Menschen, die gleichzeitig online sind. Das ist für die Sprechstunde eines Kommunalpolitikers sehr, sehr viel. Im Nachgang wird das Video in der Regel ebenfalls sehr häufig angesehen. Oft gibt es auch sehr lebhafte Diskussionen. Das Format macht Spaß, und wenn die Zahlen so bleiben, werden wir es auf jeden Fall fortführen.

Thomas Ebeling: „Sehr, sehr gerne Landrat“

Wir haben von Projekten bis zur Kommunalwahl 2026 gesprochen. Gibt es schon Pläne für die Zeit danach? Wollen Sie für eine dritte Amtszeit kandidieren oder Ihren Wirkungskreis vielleicht sogar erweitern?

Ebeling: Zwei Jahre vor einer Wahl muss man sich mit Sicherheit noch keine Gedanken machen, wer am Ende auf dem Wahlzettel steht, das ist einfach zu früh. Zu weiter reichenden Ambitionen kann ich nur eines sagen, und das habe ich schon häufiger getan: Ich bin Landrat des Landkreises Schwandorf, und das bin ich sehr, sehr gerne.

Das Gespräch führten Hubert Heinzl und Martin Kellermeier.

Das Berufliche Schulzentrum in Schwandorf ist größtes Bauprojekt des Landkreises. Foto: Daniel Seger, Moods Photography
Das neue Empfangsgebäude in der Höllohe wurde kürzlich eingeweiht. Foto: Werner Artmann