Rettungszweckverband Oberpfalz-Nord plant für die neue Leitstelle in Wernberg-Köblitz

Von Hubert Heinzl · 3. April 2024 um 17:25

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Oberpfalz-Nord hat die Weichen für seine neue Zentrale endgültig gestellt. Die Integrierte Leitstelle (ILS) soll auf einem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück an der Daimlerstraße in Wernberg-Köblitz errichtet werden.

Der Kauf wurde am 11.März vollzogen, das Vergabeverfahren für die Planung ist ebenfalls schon angelaufen. Das wurde an diesem Mittwoch bei der Verbandsversammlung in der Max-Reger-Halle in Weiden bekannt. Der ZRF Oberpfalz-Nord ist durch die Fusion der früheren Zweckverbände Amberg und Nordoberpfalz entstanden und betreut mit den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach, Tirschenreuth und Neustadt/Waldnaab sowie den kreisfreien Städten Amberg und Weiden ein Gebiet, in dem mehr als 500000 Menschen leben. Die räumliche Ausdehnung zum größten vergleichbaren Zweckverband in ganz Bayern machte auch einen neuen Standort für die zentrale Leitstelle erforderlich.

Landrat Thomas Ebeling meldet Vollzug

Nach der konstituierenden Sitzung Anfang des vergangenen Jahres konzentrierte sich die Suche nach einem geeigneten Grundstück wegen der guten Erreichbarkeit auf den Umkreis des Autobahnkreuzes Oberpfälzer Wald in der Nähe der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz. Nun konnte der Verbandsvorsitzende, Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU), Vollzug melden.

Am 11.März dieses Jahres wurde der Kaufvertrag für ein Grundstück an der Daimlerstraße in Wernberg-Köblitz notariell beurkundet. Das Areal liegt am südlichen Ortsrand, und die Autobahnauffahrt ist nur einen Katzensprung entfernt.

Wie es nun weiter geht, erläuterte bei der Versammlung Geschäftsführer Marc Feil vom Regensburger Büro Ecoplan, das vom Rettungszweckverband mit der Projektsteuerung beauftragt wurde. Nach den Worten Feils steht in den kommenden Wochen das Vergabeverfahren für die Planungsleistungen im Vordergrund. Die Planung für die „Schlüsselgewerke“, also Gebäude und Leitstellentechnik, wurde europa-weit ausgeschrieben, und zwar in Form eines Teilnahmewettbewerbs. Fünf Büros können nun ihre Erstangebote einreichen. Über die Vergabe soll dann eine Jury Ende April/Anfang Mai entscheiden.

Im Mai oder Juni soll die Planung beginnen

Parallel dazu wurde das Vergabeverfahren für weitere Fachplanungsleistungen eingeleitet – von der Elektrik über Heizung, Sanitär und Lüftungsanlagen bis hin zur Tragwerksplanung. Auch hier wird die Vergabe nach einer Jury-Sitzung schon in knapp vier Wochen erfolgen. Noch im Mai sollen außerdem die Aufträge für Ingenieurleistungen wie Vermessung oder Bodengutachten vergeben werden.

Im Mai oder Juni, so der weitere Fahrplan, können die beauftragten Büros dann mit den jeweiligen Planungen beginnen. Die Fertigstellung der Vergabeunterlagen ist laut Feil für das erste oder zweite Quartal2025 vorgesehen, der Baubeginn im vierten Quartal des nächsten Jahres. In Betrieb gehen soll die neue Integrierte Leitstelle schließlich im ersten Halbjahr 2027. Über die Gesamtkosten lassen sich zurzeit noch keine seriösen Angaben machen, wie Feil auf Nachfrage eines Verbandsrats betonte. Das sei erst im Herbst dieses Jahres möglich, sagte er. Allein für die Planungsleistungen kalkuliert der ZRF Oberpfalz-Nord mit Kosten von rund 1,2Millionen Euro.

Immer mehr Waldbrände sind zu bekämpfen

Dass dieses Geld gut angelegt ist, machten bei der Verbandsversammlung die Einsatzzahlen des vergangenen Jahres deutlich, die von ZRF-Sprecher Jürgen Meyer vorgelegt wurden. Nach seinen Angaben waren 2023 im Verbandsgebiet 134968Einsatzereignisse zu verzeichnen – im Vergleich zum Jahr zuvor ein leichtes Minus von 0,9 Prozent. Etwas deutlicher, nämlich um rund 3,6 Prozent, ging die Zahl der Rettungsdiensteinsätze zurück, was Meyer unter anderem auf verminderte Dialysefahrten zurückführte.

Gefordert war nach seinen Angaben im vergangenen Jahr erstmals auch der Katastrophenschutz mit 36 Einsätzen. Diese hingen mit Schäden an der MERO-Erdgasleitung im Landkreis Neustadt/Waldnaab zusammen. Eine deutliche Steigerung gab es laut Meyer schließlich bei Wald- und Flächenbränden. Neben 176 größeren Flächenbränden mussten von den Feuerwehren 84kleinere und 15 größere Waldbrände mit einer Ausdehnung von mehr als 1000 Quadratmetern bewältigt werden.

Immer mehr Notarztstunden fallen aus

Und noch eine Entwicklung führte Meyers Rückblick vor Augen: Die Ausfallzeiten im Notarztdienst nehmen weiter zu. Im Jahr 2023 waren mehr als 12250 Dienststunden nicht besetzt – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 21,2 Prozent. Besonders betroffen waren die Standorte Bruck und Sulzbach-Rosenberg.

Auch zum Jahreswechsel 2023/24 war es nur mit großen Anstrengungen möglich, eine ausreichende Besetzung sicherzustellen, wie stellvertretender Geschäftsleiter Rudolf Niegl berichtete. Ambergs Oberbürgermeister und stellvertretender Verbandsvorsitzender Michael Cerny nahm in diesem Zusammenhang die Kassenärztliche Vereinigung in die Pflicht. Sie müsse „zusätzliche Anreize für Ärzte schaffen“ und „ihrer Verantwortung besser gerecht werden“, forderte er. Mit Freiwilligkeit allein würden die Notarztdienste künftig „nicht mehr zu stemmen sein“, ergänzte Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger.