Landkreis Schwandorf sucht Anschluss an den Regensburger Verkehrsverbund (RVV)

Wer als Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen und mit dem Bus im Landkreis Schwandorf unterwegs sein will, muss sich erst einmal durch einen Dschungel unterschiedlichster Anbieter und Tarife kämpfen. Aber das soll sich ändern.
Das Verbundsystem im Landkreis Schwandorf ist unübersichtlich. Im Norden gilt der Tarif Oberpfalz Nord (TON), im Süden hat der RVV das Sagen, an den Landkreisgrenzen gibt es Überschneidungen mit dem VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) oder der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Cham (VLC). Es gibt Wabentarife, Tarifzonen und was nicht noch alles.
Landrat Thomas Ebeling (CSU) und der Kreistag sind jedoch angetreten, das Dickicht der Tarifsysteme auszulichten, um so mehr Fahrgäste in Bus und Bahn zu locken. Im März 2020 fiel im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz und Touristik (KUTA) der Beschluss, eine Vollintegration in den Regensburger Verkehrsverbund (RVV) anzustreben. Zuvor hatte man eine Studie in Auftrag gegeben, um die „verkehrliche und wirtschaftliche Sinnhaftigkeit“ einer Verbundlösung zu prüfen.
Gutachten soll bis Jahresende fertig sein
In der KUTA-Sitzung am Montag wurden nun Zwischenergebnisse des Fachgutachtens vorgelegt, das bis Jahresende vorliegen soll. Wie Erik Meder vom Ingenieurbüro Gevas Humberg & Partner erläuterte, hat sich in der bisherigen Untersuchung anhand von flächendeckenden Nachfragedaten gezeigt, dass der RVV vor allem für die Landkreise Schwandorf, Cham und Kelheim interessant ist.
In einem zweiten Schritt geht es laut Meder nun um Fragen der Wirtschaftlichkeit, die auf Basis der bisherigen Verkaufszahlen analysiert werden soll. Der Gutachter betonte, dass der bestehende RVV für eine Ausweitung weiterentwickelt werden müsse – aber nicht nur räumlich, sondern auch strukturell. Meder: „Der RVV-Tarif kann nicht einfach nur eins zu eins fortgeschrieben werden. Wir brauchen einen modernen und zukunftsfähigen Tarif.“
Die richtige Organisationsstruktur soll nach seinen Worten in enger Abstimmung mit den beteiligten Landkreisen erfolgen. Der Freistaat fördere „Einmalkosten“, aber auch Ausgleichszahlungen, die sich für die einzelnen Verbundpartner ergäben, mit Zuschüssen bis zu 90 Prozent. Die ersten Busse im erweiterten RVV-Verbund könnten im Landkreis Schwandorf schon Ende 2025 fahren, schätzte Meder. Der Gutachter: „Die Weichen sind im Landkreis Schwandorf schon am weitesten gestellt.“
E-Tarif lief beim RVV schon sehr erfolgreich
Bedenken, dass das neue Deutschlandticket größere Verbundlösungen überflüssig machen könnte, versuchte anschließend RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein zu zerstreuen. Das Deutschlandticket sei zwar ein Erfolgsmodell, doch nach wie vor nutzten rund 70Prozent der RVV-Kunden die klassischen Tarife, unter anderem wegen der Übertragbarkeit der Tickets oder der Mitnahmemöglichkeiten. Auch für Gelegenheitskunden seien die traditionellen Tarifsysteme interessant.
Auch im Regensburger Verkehrsverbund wollen nach den Worten des Geschäftsführers die Kunden „zunehmend digital kaufen“. Das einjährige Pilotprojekt E-Tarif mit seiner kilometerbasierten Abrechnung und einem „sehr einfachen System“ habe die Zugangshürden noch einmal deutlich gesenkt, so Müller-Eberstein.