„Eine Katastrophe“: Regensburg trauert um seinen Kaufhof – doch es gibt auch andere Stimmen

Von Jonas Raab · 30. April 2024 um 05:01

Das Leben geht weiter. Am Regensburger Neupfarrplatz deutet auf den ersten Blick wenig darauf hin, dass mit dem Kaufhof eines der Altstadt-Aushängeschilder bald Geschichte ist. Die Regensburger bewegt das Aus aber sehr wohl.

Alles scheint wie immer. Lastwagen bringen gestern Nachmittag frische Ware, Radler schlängeln sich an Passanten vorbei. Auch Schauspielerin Iris Berben – sie ist derzeit für Dreharbeiten in der Stadt – huscht mit einer Einkaufstasche in der Hand über den Platz. „Wir merken heute nicht viel“, bestätigt Florian Rottke, der den Kiosk direkt am Kaufhof betreibt.

Die Glastüren am St.-Kassians-Platz stehen selten still. Es wirkt, als wäre mehr los als an einem normalen Montag. Vor allem im ersten Stock, in der Damenabteilung, geht es zu. „Ich finde es sehr schade, dass der Kaufhof schließt“, sagt eine Frau, als sie sich in der Mittagspause eine grüne Lederjacke anschaut. Das Geschäft sei eine Institution.

„Es ist schrecklich“: Regensburgerin vermisst Kaufhof jetzt schon

Drastischer formuliert es eine andere Kundin. Sie spricht von einer Katastrophe. „Es ist schrecklich. Nicht nur für die Verkäufer, auch für die Einkäufer.“ Das jahrelange Hin und Her: „eine furchtbare Sache“. Am Montag ist sie zum Kaufhof gekommen, um vor dem Aus noch „schnell etwas einzukaufen“. Sie wolle nicht dauernd zum Einkaufszentrum fahren. „Hier ist es praktischer für mich.“ Die Frau sucht das Gespräch mit einer Mitarbeiterin. Es scheint viel Redebedarf zu geben, merkt man auch in anderen Abteilungen.

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Am Ausgang zur Pfauengasse sieht man die Menschen Kaufhof-Tüten nach draußen tragen. Vor dem dortigen Imbiss sind alle vier Tische besetzt. Der Mann, der hinter dem Verkaufsfenster steht, weiß nicht, wie es weitergeht. „Wir warten“, lautet seine knappe Auskunft.

„Schade um die Arbeitsplätze“ – aber nicht um den Kaufhof?

Auf der Treppe zur Neupfarrkirche genießen Menschen die Sonne. Ab und an schnappt man Kaufhof-Wortfetzen auf. Zwei Männer unterhalten sich darüber. „Es ist schade um die Arbeitsplätze“, sagt einer von ihnen zur MZ. Das Konzept sei mit Blick auf Amazon und Co. wohl nicht mehr zeitgemäß, meint er. Als Architekt finde er spannender, was mit dem Haus passiert – ob es abgerissen oder unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Eine Antwort hat er nicht parat. „Es gibt schönere Gebäude, aber es ist ein Zeichen seiner Zeit.“ Ähnlich sieht es der andere der beiden Männer: „Ich trauere dem Kaufhaus nicht hinterher“, sagt er. In den vergangenen Jahren habe er nur noch Lebensmittel dort eingekauft. „Das Erdgeschoss kam mir eher vor wie ein Ein-Euro-Laden.“ Wenn jetzt „was Schöneres“ komme, sei er „nicht unglücklich“. Er hat ziemlich konkrete Vorstellungen: kleinteilige Läden im Erdgeschoss, Büros darüber.

Auch Kioskbetreiber Rottke wünscht sich ein gemischtes Konzept. „Ich finde es sehr, sehr schade für die Leute, die da arbeiten. Ich kenne ja viele persönlich“, sagt er. Es sei jedoch gut, dass nun Gewissheit herrsche. „Für die Stadt und den Standort am Neupfarrplatz ist es eine Chance, dass etwas Neues passiert.“