Wetter verhagelt Filmdreh: Lauterbach braucht Geduld – Berben radelt durch Regensburg

Von Jonas Raab, Isolde Stöcker-Gietl · 25. April 2024 um 18:12

Die Steinerne Brücke gibt sich als Kinokulisse her. Regisseur Marc Rothemund dreht eine Liebeskomödie in Regensburg. Die Hauptrollen spielen keine Geringeren als Iris Berben und Heiner Lauterbach. Nur eines spielte am Donnerstag nicht mit: das Wetter.

Auf der Steinernen Brücke spazieren Donnerstagmorgen um halb neun Touristen in die Stadt. Die Lieferdienste fahren ihre Waren aus. Nichts deutet darauf hin, dass die Altstadtkulisse zur Kinoleinwand wird. Die Mitarbeiter vom Ordnungsdienst winken ab. Sie wissen nicht, wo sich das Filmteam aufhält. Keiner hat Iris Berben und Heiner Lauterbach bislang gesichtet. Die Polizei sagt: „Wir sind nicht zuständig.“ Allerdings, so ist zu erfahren, wurde die Einsatzzentrale vorgewarnt. Falls es Anrufe von besorgten Bürgern gibt. Bei einer Liebeskomödie?

Gegen neun Uhr tauchen Lastwagen auf dem Haidplatz auf. Ordner, sogenannte Blocker, dirigieren die Passanten. Auch die Regensburgerin Stefanie Fuchs und der Münchner Roland Heupgen sind für diesen Job eingeteilt. „Bitte gehen sie weiter“, fordern sie Schaulustige auf. „Was ist da los?“, will eine Passantin wissen. „Ein Film wird gedreht“, wiederholen sie noch viele Male am Tag.

Filmdreh in Regensburg: Aufpasser hoffen auf einen Smalltalk

Roland Heupgen macht diesen Job seit acht Jahren. Er hat Prominente wie Til Schweiger und Moritz Bleibtreu abgeschirmt. Die meisten Schauspieler seien nett, sagt er. Auch von Iris Berben und Heiner Lauterbach haben die Mitarbeiter einen sehr positiven Eindruck. Vielleicht ergibt sich beim Catering ein bisschen Smalltalk, hofft Fuchs.

Gegen 10 Uhr taucht Berben am Set auf. Lacht viel, umarmt Kollegen. Ein Fahrrad wird ihr gebracht. Mit dem soll sie für eine Sequenz in ihrer Rolle als Kunstprofessorin Alice die Gesandtenstraße entlangradeln. Vorab probt ein Double für die Kameras. Weil sich immer wieder Wolken vor die Sonne schieben, gibt es Zwangspausen. Vier Runden sind nötig, bis die Sequenz abgedreht ist.

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Regisseur Marc Rothemund dirigiert das Team sofort weiter an die Steinerne Brücke. Noch hält das Wetter. Rick Prokein, der den Teeladen „Teelust“ betreibt, wird gebeten, für Berben und Lauterbach ein Plätzchen zum Aufwärmen vorzuhalten. Das wird aber dann doch nicht benötigt. Dabei hätte es sicherlich viele Themen für Prokein und die Schauspieler gegeben. Denn auch der Regensburger hat Kameraerfahrung, spielte in jungen Jahren einige Folgen in der Serie „Marienhof“ mit. „Oh Gott, lang ist es her“, sagt Prokein.

Vor dem Laden haben sich derweil Sicherheitskräfte positioniert. Radfahrer müssen schieben. „Gehen sie weiter“, bitten Stefanie Fuchs und Roland Heupgen die Passanten wieder. Eine Gruppe italienischer Touristen trabt durch die Regieanweisungen. In dicken Mänteln warten Iris Berben und Heiner Lauterbach auf die nächsten Anweisungen. Lauterbachs Hosenbeine stecken in Moonboots. Für den Dreh müssen die beiden dann luftige Sommerkleidung tragen.

Dreh auf der Steinernen Brücke: Iris Berben vermisst den Frühling in Regensburg

Zunächst gibt es aber eine Textprobe. „Du könntest auch jetzt noch an die Uni gehen“, sagt Berben zu Lauterbach, während sie mit dem Rad über die Brücke schlendern. Lauterbach spielt den Rentner Walter, dessen trister Alltag aus Restaurantkritiken fürs Internet und seinem Hund besteht. Mit der Figur Alice war er vor langer Zeit zusammen. Jetzt nähert sich das Paar im besten Alter wieder an.

Komparsin Nora Engl hat Mops Heidi dabei. Die Hündin wurde für den Dreh angefordert, erzählt die junge Frau. Helena Liebl wurde mit ihrer Harfe gebucht. „Vor ein paar Wochen habe ich mit meiner Schwester hier gespielt und wurde angesprochen“, erzählt sie. Obwohl die Schülerin ihr Instrument beherrscht, werden die Harfenklänge später im Film nicht zu hören sein. „Schade“, findet das der Komparse, dessen Rolle es ist, dem Spiel der jungen Frau zuzuhören.

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Inzwischen hat sich der Himmel komplett verdunkelt. Regisseur Rothemund muss wieder abbrechen. „Die Mittagspause wird vorgezogen“, ruft die Crew den Komparsen zu. Iris Berben hastet mit Lauterbach über die Brücke. Die Unterbrechungen zerren an den Nerven. Trotzdem nimmt sich Berben einen Moment für die Presse Zeit. Eine Frühlingkomödie bei diesem Wetter zu drehen, sei nicht besonders angenehm, bestätigt sie und zieht die Daunenjacke zusammen.

Regensburg „genau der richtige Ort“ für Liebeskomödie

Bereits am Vortag haben Heiner Lauterbach und Regisseur Marc Rothemund der Mediengruppe Bayern erste Einblicke in das Projekt gewährt, als sie in einem Anwesen im Stadtnorden Szenen drehen. Auf die Frage hin, wie lange er heute schon warten musste, lacht Lauterbach nur – schließlich harrt er schon eine ganze Weile in einem Regisseurstuhl vor dem Haus aus. Die Antwort nimmt ihm Rothemund ab. „Hälfte“, wirft er ein.

Der fertige Film wird abgesehen von einem kleinen Abstecher nach Wien komplett in Regensburg spielen, sagt der Regisseur. Die Domstadt sei der „dritte Hauptdarsteller“. Sie sei genau der richtige Ort für so eine Geschichte. Rothemund schwärmt regelrecht. Von der Schönheit der Altstadt, von dem studentengeprägten Leben – und von der Architektur der Uni. „Diese ganzen Hörsäle von unterschiedlichen Architekten finde ich faszinierend. Wenn das Licht stimmt, geben sie ein ganz tolles Motiv ab“, sagt er über das Brutalismus-Bollwerk am Galgenberg. Das streitbare Antlitz der Uni ist übrigens Nummer zwei in Rothemunds Hauptdarsteller-Aufzählung. Ob Platz vier nun an Berben oder an Lauterbach geht, bleibt sein Geheimnis.

Radeln in Regensburg: Iris Berben scheint der Dreh am Haidplatz Spaß zu machen. Foto: Jonas Raab
Filmdreh in Regensburg: Entspannt lehnt Schauspieler Heiner Lauterbach an der Brüstung der Steinernen Brücke. Foto: Jonas Raab
Komparsin Nora Engl hat Mops Heidi dabei. Foto: Jonas Raab
Blocker: Stefanie Fuchs und Roland Heupgen regeln beim Filmdreh den Zugang zur Steinernen Brücke in Regensburg. Foto: Isolde Stöcker-Gietl
Heiner Lauterbach und Iris Berben proben eine Szene für den Filmdreh in Regensburg. Foto: Isolde Stöcker-Gietl