Drehort Regensburg: Stadt will dafür nicht extra investieren

Die Träume waren groß. Träume von Regensburg als Kulisse für großes Kino. Die Stadt ließ dafür einst sogar Flyer drucken und bundesweit verteilen. Doch das ist lange her.
Als dann auch noch Kommissarin Lucas aus der gleichnamigen ZDF-Krimireihe in eine andere Stadt zog, wurde es um Regensburg als Drehort weitestgehend ruhig. Und daran wird sich so schnell vermutlich wenig ändern.
„Spot on“ hieß das Projekt, in dem 2009 Studenten der Universität Regensburg und die Stadt zusammenarbeiteten. Dabei wurde ein Werbe-Konzept erstellt, mit dem Produktionsfirmen auf die Domstadt aufmerksam gemacht werden sollten. Die Regensburg Tourismus GmbH bezahlte die Flugblätter. Und es gab eine konkrete Vision: „Ein Tatort, der in Regensburg spielt, wäre natürlich ein Traum“, sagte Tourismus-GmbH-Chefin Sabine Thiele damals. Das historische Stadtzentrum mit seinen verwinkelten Gassen wäre dafür grundsätzlich ein prächtiger Hintergrund, meinte sie.
Keine eigene Stelle dafür
Schon zu dieser Zeit ging es aber nicht mit voller Kraft voran. Aus Personalmangel sei es nicht möglich, eine eigene Stelle dafür zu besetzen, sagte Thiele. Vielleicht startete Regensburg auch deswegen als Kinofilmstadt letztlich nie wirklich richtig durch.
Für die Stadtverwaltung ist dies nach eigener Aussage aber kein Problem. „Die Filmwirtschaft ist durchaus eine wichtige Branche am Standort Regensburg“, teilt Katrin Butz von der Pressestelle mit: „Allerdings sind hier weniger spielfilmrelevante Firmen ansässig als Filmproduktionen, die sich auf Unternehmens- und Werbefilme spezialisiert haben.“
Über viele Jahre war Regensburg zumindest fester Drehort der bekannten ZDF-Serie Kommissarin Lucas. Ob die Stadt dadurch mehr Bekanntheit erlangt oder zusätzliche Touristen angezogen hat, lässt sich Butz zufolge aber nur schwer einschätzen. Einen derart großen Effekt, wie er aus Frontenhausen – dort werden die erfolgreichen Eberhofer-Krimis gedreht – berichtet wird, habe es sicher nicht gegeben: „Was aber auch daran liegen dürfte, dass Regensburg mit seinem Welterbe und als starker Standort für Wirtschaft und Wissenschaft ohnehin schon über eine beträchtliche Magnetwirkung verfügt. “
Pete Doherty klaute eine Gitarre
Wie viel Getöse eine Kinoproduktion mit sich bringen kann, erlebte aber auch Regensburg einmal. 2011 drehte der britische Rockstar Pete Doherty einen Film in Regensburg und tat der Stadt den Gefallen, nachts betrunken eine Gitarre aus einem Plattenladen zu klauen. Regensburg war weltweit in den Schlagzeilen.
Kommissarin Lucas wurde derweil sogar zu einem Dauer-Werbeträger für die Stadt. Als die Serie vor zwei Jahren nach Nürnberg verlegt wurde, machte Hauptdarstellerin Ulrike Kriener auch kein Geheimnis daraus, wie sehr ihr Regensburg ans Herz gewachsen sei. Der Abschied sei ihr schwergefallen, sagte sie, sie habe es insbesondere geliebt, nachts zu drehen. Dabei sei der Dom oft mit Filmlicht beleuchtet worden: „Das waren für mich magische Stunden.“ Auch mit ihrer Familie sie sie manchmal ganz privat nach Regensburg gekommen und habe etwa den Weihnachtsmarkt besucht.
Dass die Serie 18 Jahre in Regensburg spielte, machte auch bei Experten Eindruck. Der FilmFernsehFonds Bayern würdigte die Stadt 2017 als Drehort des Jahres. In der Begründung wurde „die absolute Hingabe für Filmprojekte, die hier selbstverständlich ist“ herausgestellt.
Meist nur Stippvisiten
Ein echtes Highlight erlebte die Domstadt dann noch 2020, als einige Szenen für den Kinofilm „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ hier gedreht wurden. Ansonsten bleibt es meist bei Stippvisiten. Moritz Bleibtreu drehte einmal eine Stunt-Szene in der Altstadt, und im Schloss St. Emmeram wurden Teile für einen Film der „Fünf Freunde“-Reihe gedreht. Filmproduktionsfirmen, die sich an die Stadt wenden, weil sie hier gerne drehen würden, werden Butz zufolge auch in Zukunft „selbstverständlich von den zuständigen städtischen Stellen gerne unterstützt“. Investitionen, um diese verstärkt anzulocken, seien aktuell aber nicht geplant.
Die Auswirkungen, die Filmproduktionen auf eine Stadt haben, lassen sich letztlich einfach nicht genau einschätzen, sagt auch Daniela Wiese von der Tourismus GmbH. Möglicherweise habe es für Gäste einen positiven Effekt, wenn Regensburg aus Filmproduktionen bekannt ist, sagt sie. Es könne andererseits aber genauso sein, dass sich Bürger von Dreharbeiten in der Stadt gestört fühlen. „Da ist es sinnvoll verschiedene Standpunkte einzunehmen“, sagt sie.
Anwohner rund ums Posthorngässchen wurden vor drei Jahren etwa per Infozettel auf die Dreharbeiten für „Felix Krull“ aufmerksam gemacht: Kurzfristig werde künstlicher Nebel erzeugt, hieß es: „Bitte nicht die Feuerwehr anrufen.“