Team dreht in Kallmünz Film über Gabriele Münter und Wassily Kandinsky

Von Peter Pavlas · 25. April 2023 um 15:00

Kallmünz wird nach Informationen der Mediengruppe Bayern zum Schauplatz eines Films. Die Produktionsfirma macht noch ein Geheimnis aus dem Projekt, aber die Homepage von Regisseur Marcus O. Rosenmüller verrät bereits Details zu „Münter & Kandinsky“.

„Perle des Naabtals“ nannte der Kunstprofessor Charles Palmié vor gut 120 Jahren den Ort am Zusammenfluss von Naab und Vils. Ein imposanter Burgberg dominiert das Tal und die Fluss-Auen, enge Gassen und pittoreske Häuser luden immer wieder Künstler ein, dort unter freiem Himmel zu malen. 300 Künstler konnte der Kallmünzer Bergverein dokumentieren, der sich der Pflege des historischen Erbes und der Kultur in dem Marktflecken verschrieben hat.

Zu den herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten, diein Kallmünz Inspiration suchten und fanden, zählen Wassily Kandinsky und Gabriele Münter. Im ehemaligen Gasthaus „Rote Amsel“ an der Vils gaben sie sich nicht nur der Kunst hin.

Der in Moskau geborene Kandinsky und die um elf Jahre jüngere Münter hatten sich zuvor schon bei einem Malkurs in Kochel am See kennengelernt. Der verheiratete Professor entbrannte in Liebe zu seiner begabten Studentin und schlug ihr am 17. Mai 1903 per Brief vor, zusammen eine Sommerakademie in Kallmünz zu verbringen. Kandinskys Gattin blieb in München und durfte nichts von der Liaison erfahren, die schließlich sogar in einer förmlichen Verlobung gipfelte.

Das ist Stoff für einen Film

Lockeres Künstlermilieu, aufkeimende Leidenschaft zwischen einem reiferen Mann und einer jungen Frau, Heimlichtuerei vor anderen, dazu eine bildgewaltige Landschaft – das ist der Stoff, aus dem nicht nur Romane sind. Auch Kinoschaffende fühlen sich angesprochen. „Vor acht Jahren führte ich Margarethe von Trotta mit ihrem Kameramann durch unseren Ort“, erinnert sich Martin Mayer, Vorsitzender des Bergvereins, der auchdie aktuelle Ausstellung „Farben der Liebe“in Kallmünz kuratiert hat.

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Die renommierte Regisseurin, die Filme über starke Frauen wie Rosa Luxemburg, Hannah Arendt oder Ingeborg Bachmann inszeniert hat, war hellauf begeistert von der Location. Für den Dreh hätte nur sehr wenig verändert werden müssen. Sie hatte zuvor Murnau besucht, den späteren Wohnort von Gabriele Münter, und fand die an die Künstlerin erinnernden Örtlichkeiten von vielen störenden Objekten zugebaut. In Kallmünz dagegen meinte sie: Jetzt könne sie verstehen, was Kandinsky damals an Münter über Kallmünz schrieb, nämlich: „So was feines, vielseitiges, sympathisches findet man nicht leicht wieder“. Das Filmprojekt von Margarethe von Trotta wurde allerdings nie verwirklicht. Immerhin: Der Brief hängt in Kope in der Ausstellung „Farben der Liebe“ im Rathaus Kallmünz.

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Am Rande des Jubiläumsjahres zum Aufenthalt der später hochberühmten Künstler vor 120 Jahren wurde ein weiteres Filmprojekt bekannt. Einzelheiten wollte die Berliner Produktionsfirma aktuell noch nicht veröffentlicht sehen. Eingeweihtere bat man um Verschwiegenheit bis Ende Mai. Frei verfügbare Quellen lassen jedoch erwarten, dass der beschauliche Ort Schauplatz einer hochkarätig besetzten Produktion sein wird.

Sammlung im Lenbachhaus

Auf der Homepage von Regisseur Marcus O. Rosenmüller (nicht zu verwechseln mit Marcus H. Rosenmüller) ist zu lesen: „Januar 2023 – Drehbeginn für Kinoprojekt Münter & Kandinsky. Am 18. April 2023 geht es los! Die Dreharbeiten für Münter & Kandinsky beginnen in Berlin, danach folgen Regensburg und Kallmünz in der Oberpfalz. Ab Mitte Mai wird dann an Originalschauplätzen in Murnau und Umgebung gedreht.“ Als Schauspieler werden „u.a.“, unter anderem, die Namen von Vanessa Loibl, Vladmir Burlakov, Felix Klare, Lara Mandoki, Monika Gossmann, Anton Pampushnyy und Bruno Eyron genannt.

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Das „u.a.“ hat es allerdings in sich. Auf der Seite „Filmstarts“ sind weitere Namen zu lesen, die zeigen, dass bedeutende Darsteller für den Kinofilm vorgesehen sind. Danach wird im Spielfilm von Marcus O. Rosenmüller, kategorisiert als Drama/Biografie, Anna Maria Mühe die Gabriele Münter verkörpern, die Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky, den wiederum den Angaben zufolge Vladimir Burlakov spielen wird.

Gabriele Münter und Wassily Kandinsky trennten sich wenige Jahre nach ihrem Liebessommer in Kallmünz. Münter ging ihren Weg als Künstlerin konsequent und gilt heute neben Paula Modersohn-Becker als bekannteste Vertreterin des Expressionismus in Deutschland. Sie malte, zeichnete und fotografierte. „Filmstarts“ umreißt ihre Bedeutung so: „Sie gründete eine Stiftung und schenkte dem Lenbachhaus zu ihrem 80. Geburtstag 1000 Werke des Blauen Reiters. Die Künstlergruppe der Blauen Reiter zählt zu den bedeutendsten Gruppen der Avantgarde des 20. Jahrhunderts.“

Die Rollen und die Schauspieler

Gabriele Münter:Anna-Maria Mühe entstammt einer Schauspielerfamilie. Sie spielte seit 2002 in über 80 Fernseh- und Kinofilmen. In diesen Tagen gab sie ihr Bühnendebüt.

Paul Klee:Julian Koechlin ist Schweizer. Der Theaterschauspieler, auch bekannt aus TV-Krimis, ist seit 2018 Ensemblemitglied am Theater Aachen.

Wassily Kandinsky:Vladimir Burlakov ist ein deutscher Schauspieler russischer Herkunft. Auch er ist bekannt geworden u.a. durch zahlreiche Fernsehkrimis und Kinofilme.

Regisseur:Marcus O. Rosenmüller drehte zahlreiche TV-Krimis. Mit „Die Affäre Borgward“ holte er den Deutschen Wirtschaftsfilmpreis. Seit 2018 führte er Regie bei erfolgreichen Krimi-Reihen wie Sarah Kohr, Helen Dorn, bei Schwarzwald-, Ostfriesland- und Taunuskrimi.

Anna Maria Mühe soll Gabriele Münter spielen, meldet „Filmstarts“ auf seiner Homepage. -Foto: Kaiser, dpa
Eine Postkarte mit Künstlern in der „Roten Amsel“, vor 120 Jahren in Kallmünz