Mann aus Regensburgs Gestaltungsbeirat plant Häuser wie ein Pop-Art-Künstler

Als Mitglied des Gestaltungsbeirats gibt Matthias Castorph Planern Tipps, wenn ihr Projekt städtebauliche Bedeutung hat. Jetzt bot er bei einem Vortrag einen Einblick, wie er vorgeht, wenn er selbst an einem Gebäude tüftelt – und was das mit Pop Art zu tun hat.
Dabei kümmert sich der Architekt und Stadtplaner längst nicht nur um so renommierte Projekte wie die Sanierung der so genannten Goethepost in München, einem elegant geschwungenen Gebäude, das als beispielhaft für die Neue Sachlichkeit gilt und in dem auch sein Büro Lehmann, Tabillion und Castorph untergebracht ist. Denn er ist überzeugt: „Man muss auch die Ih-Bäh-Themen in die Hand nehmen und gescheit machen.“
Damit meint er etwa bauliche Notwendigkeiten wie Schallschutz, Feuerwehrzufahrten oder ein Pelletkraftwerk. Sie haben in seinen Augen durchaus Sorgfalt verdient. Aber auch Kunststofffenster oder preiswerte Neonröhren bringen ihn nicht zur Verzweiflung, sondern treiben ihn zu seiner Leitfrage an: „Kann man das nicht als einen Impuls für Gestaltung sehen?“
Adresse aus Leuchtröhren
Und so verwandte er die leuchtenden Stäbe an einem Wohnblock in München für die Hausnummern, die nun unübersehbar über dem Eingangsbereich strahlen und ihn gleichzeitig erhellen. Wenn Castorph Teile wie Kunststofffenster oder Brüstungsmodule verbaut, geht er dabei aber auch schon einmal vor wie der Pop-Art-Künstler Andy Warhol bei seinen berühmten Serien mit Suppendosen oder Blumen. „Alles ähnlich, nie gleich“, lautet das Motto. Er dreht die Elemente oder lässt sie einfärben, so dass ihre Nuancen einen Farbverlauf ergeben, um das Grundmotiv an der Fassade zwar immer wieder aufzugreifen, aber gleichzeitig für Rhythmus zu sorgen.
Alle diese Einfälle gründen auf Castorphs Philosophie, Architektur im Kontext zu denken. Der Kontext eines Baugrundstücks beeinflusse das, was die Planer daraus machen. Die wiederum fügen dem Kontext selbst neue Aspekte hinzu, erklärte er. Deswegen ist ihm auch wichtig, dass die Entwicklung eines Quartiers nie mit der Fertigstellung seiner Projekte endet. Er versucht, späteren Veränderungen Tür und Tor zu öffnen.
Zum Kontext gehört für den Planer auch der Blick in die Vergangenheit: Als Castorph ein Gelände beplante, auf dem einmal eine Münchner Firma Maltzextrakt herstellte, fand er ein früher prominentes Werbeplakat dieses Unternehmens. Indem er es als Schatten an der Hausmauer anbringen ließ, gestaltete er diese nicht nur, sondern erinnerte gleichzeitig auch an die Geschichte dieser Gegend. Zuletzt stellte der Gestaltungsbeirat den Zuhörern noch sein Herzensprojekt vor: ein Ledigenwohnheim in München, das in den Jahren 1925 bis 1927 entstand, mit dessen Sanierung er betraut ist. Auch in diesem Gebäude fand der Planer eine Spur in die Vergangenheit, die er aufgriff: Einen alten Türgriff, der im Keller lag, ließ er nachgießen und wieder in dem Haus montieren.
An die Ränder denken
In Regensburg gibt es keine Gebäude von Castorph zu sehen. Gestaltungsbeiräte haben in Regensburg Berufsverbot, wie Baureferent Florian Player während der vergangenen Sitzung des Gestaltungsbeirats vor einigen Studierenden erläuterte. „Aber in München und Nürnberg haben wir viel gebaut“, nennt Castorph die nächsten Anlaufpunkte für alle, die sich seine Entwürfe einmal ansehen möchten.
Auf die Frage, welche Aspekte er beim Bauen in Regensburg als wichtig empfindet, antwortete er: „Die Altstadt und das Kulturerbe sind wichtig. Aber darum kümmern sich viele.“ Er verweist auf das, was außen herum ist. „Das ist ja viel mehr Fläche“, erinnert Castorph an die Ränder, Übergänge und Ausfallstraßen. In diesen Bereichen sei es wichtig, die Qualität zu steigern, um eine schöne Stadt zu gestalten.