Wo Regensburg stillsteht: Wann entstehen auf diesen Brachen Wohnungen?

Die Baukrise bremst den Wohnungsbau in Regensburg. Neue Projekte hätten „sicherlich die eine oder andere Denkpause“, so nennt das Planungsreferent Florian Plajer. Die MZ blickt zum Jahreswechsel auf prominente Brachen mit ungewissen Aussichten für 2024.
Die große Leere auf dem Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne
Das bis 2009 von der Bundeswehr genutzte Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne ist mit 25,7 Hektar – 15,3 davon gehören der Stadt – die letzte innerstädtische Wohnbau-Fläche dieser Größe. Die Stadt kaufte das Gelände 2020 und plant seitdem dort ein klimafreundliches und soziales Vorzeigequartier. Eigentlich sollte die Stadtbau, die dort 600 Wohnungen bauen soll, bis Juni 2025 368 geförderte Wohnungen für Gering- bis Durchschnittsverdiener vorweisen. Doch der Zeitplan platzte: zuerst, weil sich während der Pandemie ein Blindgängerverdacht in Krankenhaus-Nähe nicht klären ließ. Dann brachte die Baukrise die Finanzierung des 200-Millionen-Euro-Projekts wackeln.
Die Baukosten stiegen rapide, die Zinsen auch, die staatliche Förderung aber hinkt hinterher oder ist unsicher, so schildert es Stadtbau-Chef Götz Keßler. Jetzt plant er um. Seine Leute prüfen, ob sie auf die Unterkellerung zumindest zu großen Teilen verzichten und Abstellkammern in die Wohnungen packen. Keßler sagt: „Wir denken, dass wir Kostenvorteile haben, die es uns ermöglichen, das überhaupt zu bauen.“ Wenn die Baupreise sinken und die Förderbedingungen passen, sei ein Baubeginn 2024 möglich.
Der Endlos-Leerstand an der Landshuter Straße
Das ehemalige Möbelhaus Wagner an der Landshuter Straße steht seit dem Jahr 2000 leer. Seit mehr als fünf Jahren planen Architekt Manfred Stockinger und ein Geschäftspartner dort auf circa 1,3 Hektar ein „urbanes Quartier“, dicht und bunt bebaut. Zwischen 250 und 300 Wohnungen sollen entstehen, auf 50 Prozent der Fläche soll geförderter Wohnraum Platz finden – ob das ab 2024 passiert, ist ungewiss. Stockinger erklärt, dafür brauche es eine Zinswende. Das 100-Millionen-Euro-Projekt hänge an der Nachfrage nach den frei finanzierten Wohnungen. „Es macht keinen Sinn, damit auf den Markt zu gehen, wenn keiner es haben will.“
Donaustaufer Straße: fünf Jahre Brache am Gewerbepark
Zehn Jahre ist es her, dass die Firma Europoles die Produktion von Stahlmasten für Energieversorger im Stadtnorden einstellte. Seit 2016 will das sozial orientierte Evangelische Siedlungswerk (ESW) auf den 1,77 Hektar an der Ecke Donaustaufer Straße/Lechstraße Mietwohnungen bauen, im Januar 2019 war es fertig mit dem Abriss. Entstehen sollen circa 200 Wohnungen, circa 30 Prozent davon öffentlich gefördert, sagt eine Sprecherin. „Der Baubeginn steht noch nicht fest.“ Ein Bebauungsplanverfahren dieser Größenordnung brauche seine Zeit. „Die genaue Ausplanung kann erst erfolgen, wenn das Baurecht final feststeht. Die Randbedingungen sind derzeit zu volatil, um sich jetzt schon final festzulegen.“
Ehemaliges Bosch-Gelände: Auch der Gestaltungsbeirat redet mit
2017 kaufte die Stadt das 0,5 Hektar große ehemalige Gelände des Bosch-Kundendienstes am Safferlinger Steg im Osten, übergab es dann der Stadtbau. Die Deutsche Bahn sprach mit, weil die Stadt auch den Steg über die Gleise neu gestaltet – und in diesem Jahr auch der Gestaltungsbeirat, wegen der prominenten Lage. Stadtbau-Chef Götz Keßler will 2024 loslegen und versucht gerade, den Anspruch der Architekturwächter, die sich ein Café wünschen und schräge Dächer, mit der Realität zusammenzubringen. „Wenn wir die Wirtschaftlichkeit nicht darstellen können, können wir das Projekt auch nicht bauen“, sagt er. 25 Millionen Euro will die Stadtbau hier investieren.
Kumpfmühl: „Schandfleck“ steht zum Verkauf
In bester Kumpfmühler Lage klafft seit 2022 eine Baulücke. Als Schandfleck wurde das circa 1100 Quadratmeter große Grundstück unweit der Friedenstraße damals bekannt, weil sich dort monatelang Abbruchschutt eines Biedermeierhauses türmte. Seit einem Jahr hängt ein „Zu verkaufen“-Banner am Bauzaun. Grundstückseigentümer Alexander Zellerer hatte es nach einem Termin mit den Architekturwächtern aufgehängt. „Das was, der Gestaltungsbeirat will, ist unwirtschaftlich“, sagte er, plante aber um. Zum Verkauf kam es bisher nicht. Zellerer schließt nicht aus, dass er das geplante Studentenwohnheim mit circa 90 Apartments selbst baut. Der Bauantrag ist in Vorbereitung, heißt es von der Stadt.



