Zweifel an Zukunft für Kaufhof-Filialen: „Investoren werden sich die Rosinen herauspicken“

Die Mitarbeiter von Kaufhof in Regensburg klagen über fehlende Informationen über die Zukunft des Warenhauses. Der Insolvenzverwalter will angebliche Ermittlungen gegen René Benko nicht kommentieren und ein Immobilien-Experte glaubt nicht an die Zukunft der beiden Regensburger Warenhäuser – er nennt Städte wie Gelsenkirchen oder Bonn, wo sogar das Stadttheater eine Bühne bekommen hat.
Die Zukunft der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist weiter in der Schwebe. Stefan Denkhaus, der vorläufige Insolvenzverwalter , wiederholt auf Anfrage das, was er schon seit Wochen sagt: „Im Rahmen des strukturierten Bieterprozesses finden vertiefte Gespräche mit mehreren Interessenten statt.“ Ziel sei es, dass verbindliche Angebote bis zum 22. März vorliegen. „Angaben zum Inhalt der Gespräche können wir aus Gründen der vereinbarten Vertraulichkeit nicht machen“, si Denkhaus weiter. Der Insolvenzverwalter hatte bereits zuvor deutlich gemacht, dass er jene möglichen Investoren priorisieren würde, die alle deutschlandweit 92 Filialen übernehmen wollen.
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Doch wie konkret sind die Angebote wirklich? Johannes Berentzen ist geschäftsführender Gesellschafter bei der BBE Handelsberatung. „Es ist aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich, dass Galeria Karstadt Kaufhof zerschlagen wird.“ Berentzen sagt, er halte es auch für unwahrscheinlich, dass 60 der Filialen eine Zukunft haben. „Es ist eher anzunehmen, dass sich ein möglicher Investor die Rosinen herauspickt.“ Bereits im Gespräch ist die thailändische Investorengruppe Central Group, die sich die profitabelsten Häuser aussuchen könnte. Diese ist neben René Benkos Signa sowohl am Kaufhaus des Westens in Berlin, als auch am Oberpollinger in München und am Alsterhaus in Hamburg beteiligt.
Am Ende bleibt nur der Marienplatz oder der Alexanderplatz
„Am Ende würden dann aber nur Häuser wie der Kaufhof am Marienplatz oder der am Berliner Alexanderplatz übrig bleiben“, sagt Experte Berentzen. Für die beiden Kaufhof-Filialen im Regensburger Donau-Einkaufszentrum und am Neupfarrplatz sieht der BBE-Geschäftsführer schwarz. Sein Rat an Kommunen wie Regensburg: „Man sollte sich schon jetzt damit auseinandersetzen, dass dort große Leerstände entstehen können.“ Es gebe aber auch gute Beispiele für ehemalige Kaufhof-Filialen, die sich zwischenzeitlich gut entwickelt hätten: „Bonn ist ein Beispiel, wo sich Ärzte angesiedelt haben, Peek und Cloppenburg einen Teil der Fläche bespielt und das städtische Theater eine Aufführungsfläche gemietet hat.“ Das könnte auch eine Lösung für den Regensburger Altstadt-Kaufhof sein, so der Handelsimmobilien-Experte.
Ratlosigkeit bei den Mitarbeitern
Bei den Mitarbeitern herrscht demgegenüber Ratlosigkeit. „Natürlich haben wir Hoffnung, aber eine Zerschlagung ist nicht ausgeschlossen“, sagt Hans Jürgen Burkert, Betriebsratsvorsitzender in der Kaufhof-Filiale am Regensburger Neupfarrplatz. Derzeit gebe es Verhandlungen zwischen dem Gesamtbetriebsrat von GKK und dem Insolvenzverwalter Denkhaus. „Dort wird ein Sozialplan ausgehandelt, von dem wir hoffen, dass er nicht angewendet werden muss.“ Ansonsten erfahren die Mitarbeiter nichts.
Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass sich die Ermittlungsbehörden auch in Deutschland das Benko-Konstrukt genauer ansehen. So berichtete die Bild am Sonntag über angebliche Ermittlungen gegen Benko wegen Geldwäsche. Die Zeitung nannte sogar ein Aktenzeichen (318 Js 211851/23) und behauptete, es gehe um die Brache des früheren Hertie-Kaufhauses beim Münchner Hauptbahnhof. Die zuständige Münchner Staatsanwaltschaft I will das weder bestätigen, noch dementieren: „Wir können Ihnen derzeit nichts dazu sagen“, teilte Oberstaatsanwältin Anne Leiding auf Anfrage mit. Ob er bereits Besuch vom Staatsanwalt bekam, wollte übrigens auch der Insolvenzverwalter nicht beantworten. Man solle sich doch an die zuständige Staatsanwaltschaft wenden.
Die Staatsanwaltschaft Essen hatte bereits bei der letzten Insolvenz mitgeteilt, dass sie einen Vorgang angelegt hat, da dies automatisch bei Insolvenzen geschieht. Die Behörde prüft dann, ob es zu Straftaten wie etwa Insolvenzverschleppung kam.