Überraschende Wende: Galeria Kaufhof am Regensburger Neupfarrplatz ist gerettet

Regensburg. Die Rettung kam kurz vor knapp: Die Kaufhof-Filiale am Neupfarrplatz wird doch nicht geschlossen. Am Donnerstag fand eine Telefonkonferenz statt. Mit dabei war nach Angaben von Teilnehmern auch Olivier Van den Bossche, der neue Chef bei Galeria Kaufhof Karstadt. Dabei wurde der gordische Knoten gelöst.
Auch der Vertriebschef von Galeria, Klaus Lipka, war dabei. „Natürlich ist die Freude groß“, sagte Betriebsrat Andreas Prasch. Am Standort Regensburg seien die Mitarbeiter einerseits erleichtert, andererseits hätten sich schon viele Mitarbeiter nach einem neuen Job umgesehen. Der Leiter der Filiale am Neupfarrplatz zeigte sich ebenso erleichtert. „Wir freuen uns alle sehr“, sagte Roman Kasimir. „Sowohl für unsere Mitarbeiter wie auch für Galeria und natürlich auch für die Stadt Regensburg sind das fantastische Nachrichten.“
Benko doch noch überzeugt
Laut Prasch hätten sich die Eigentümer der Immobilie – wie berichtet, gehört das Haus nicht mehr zu René Benkos Signa – und Galeria über eine Mietsenkung verständigt. „Auf die gekündigten Mitarbeiter muss nun zugegangen werden“, sagte Prasch, „und die Kündigungen können dann einvernehmlich zurückgenommen werden.“ Nach Angaben des Betriebsrates kümmere sich eine spezielle Task-Force darum, wie es am Standort Neupfarrplatz genau weitergeht.
Kaufhof-Filialleiter Kasimir schilderte, dass „alle Mitarbeiter, die es möchten, weiterhin bei Galeria Kaufhof am Neupfarrplatz arbeiten können.“ Wie es nun genau weitergeht – Galeria hatte angekündigt, dass die erhaltenen Filialen ein neues Konzept erhalten sollen – das sei derzeit noch in Arbeit.
Lange gab es eine Hängepartie – für die Mitarbeiter, aber auch für die Stadt Regensburg. Galeria beantwortete Anfragen zu den Verhandlungen zwischen Wirtschaftsministerium, Galeria-Inhaber Benko und dem Eigentümer der Immobilie nicht. Doch vergangene Woche schaltete sich neben Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein und bot an, auch finanziell bei der Sanierung des Standortes zu helfen. Auch aus diesem Kreis wurde nur unter der Hand und nicht offiziell berichtet.
„Wenn das stimmt, was man jetzt aus verschiedenen Kanälen hört, ist das super“, sagte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Für sie stelle sich aber die Frage, wie es nun weitergeht. Denn die Filiale müsse ja angepasst werden an das Zukunftskonzept von Galeria. Entscheidend sei, was wann am Standort passiert. „Ich habe die letzten Tage ein Schreiben an die Kanzlei, die den Eigentümer vertritt, geschickt. Ich habe nochmals appelliert, dass alle, die an der Zukunft des Standorts beteiligt sind, miteinander reden – ich möchte mit denen von Angesicht zu Angesicht sprechen.“ Und sie ergänzte: „Mich freut das ungemein für den Standort Altstadt und für den Neupfarrplatz.“
Aiwanger: 80 Arbeitsplätze bleiben erhalten
Auch Wirtschaftsminister Aiwanger freute sich gestern über die Rettung der Regensburger Filiale. Aiwanger teilte mit: „Unsere Beharrlichkeit in den Verhandlungen hat sich ausgezahlt.“ Galeria habe dem Bayerischen Wirtschaftsministerium bereits mitgeteilt, dass es trotz der Fortführung Optimierungsbedarf gebe. Das Unternehmen wolle Teile der Fläche an Dritte abgeben. Hierzu sollen Gespräche mit der Stadt und Galeria wieder aufgenommen werden. Aiwanger zeigte sich zuversichtlich, dass bis zu 80 Galeria-Arbeitsplätze am Neupfarrplatz erhalten bleiben.
„Man ist den Tränen nahe“
In der Filiale selbst freuten sich die Mitarbeiterinnen. Maria Liberatore und Elke Trevisan hatten gerade erst von den Neuigkeiten erfahren, als die MZ sie gestern Nachmittag ansprach. „Ich bin privat hier und hatte eigentlich Urlaub“, sagte Trevisan. Die 62-Jährige arbeitet seit 33 Jahren bei Galeria Kaufhof und geht in zwei Jahren in Rente. „Etwas Besseres hätte nicht passieren können“, sagte sie und ergänzte: „Bei so erfreulichen Nachrichten kann man nur strahlen.“
Auch ihre Kollegin Maria Liberatore freute sich sichtlich: „Man ist den Tränen nahe“. Sie sei total überwältigt und könne es gar nicht fassen:„Ich dachte, das war’s mit der Galeria-Kaufhof-Ära.“ Seit 31 Jahren ist die 48-Jährige bei dem Unternehmen. Sie hatte bereits vergeblich nach einem neuen Job gesucht. Mit dieser Wendung habe sie längst nicht mehr gerechnet. „Wir haben auch so viele Kunden, die sehr traurig waren und gerne weiter gekommen wären“, sagte sie und fügte hinzu: „Ich freue mich riesig, dass wir als Familie bestehen bleiben.“