Prinz-Leopold-Kaserne, Melanchthonheim, Kreuzkirche: Architekturkreis kontra Abrissbirne

Von Heike Haala · 8. Februar 2024 um 10:00

Der Architekturkreis hat ein Ziel für Regensburg ausgerufen. Das soll nichts weniger als eine neue Baukultur sein. An 15 Stellen in der Domstadt solle die sich etablieren. „Und diese Liste wird länger werden“, kündigt Vorsitzender Andreas Eckl an.

Bei einer Pressekonferenz im M26 am Mittwochvormittag machte er an fünf Bedingungen deutlich, durch was sich diese neue Baukultur auszeichnen soll. Eckl will sie nicht lediglich als Idee, sondern als Notwendigkeit verstanden wissen will. Im Kern geht es in diesem Regensburger Architekturmanifest darum, die Weiternutzung bestehender Gebäude und auch deren Umbau in den Fokus von Planern zu rücken.

Der Müll des Bausektors

Deswegen fordert der Architekturkreis, dass der Umbau eines Gebäudes Vorrang vor Abriss und Neubau bekommen soll. Das sei in Zeiten des Rohstoffmangels nicht nur ökonomisch notwendig, sondern auch ökologisch, sagt Eckl. Der Bausektor sorgt seinen Angaben zufolge derzeit immerhin für 55 Prozent des bundesweiten Müllaufkommens, wobei lediglich 50 Prozent davon recyclingfähig seien. Erfüllt werden sollte diese erste Bedingung nach den Vorstellungen des Architekturkreises in Form einer qualitätvollen Sanierung des Melanchthonheims oder von Wohngebäuden aus den frühen 1950er-Jahren in der Plattlinger Straße. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Rewag in der Greflingerstraße, das die Stadt umnutzen möchte, könnte laut eines Positionspapiers des Vereins sogar zum Leuchtturmprojekt bei diesem Thema taugen. Beim Zeisstower sollte demnach jetzt über die zukünftige Nutzung nachgedacht werden.

„In Regensburg kann man das Gefühl bekommen, dass es einer Aufforderung zum Abriss gleichkommt, wenn ein Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht“, sagt Dietmar Kurapkat. Weil aber solche Gebäude die Identität eines Viertels prägen, seine Geschichte ablesbar machen und auf diese Weise die Lebendigkeit eines Quartiers fördern können, will der Architekturkreis sie lieber umgebaut als abgerissen wissen. Eckl nennt die letzten Gebäude, die noch auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne stehen, als Beispiel. Im Positionspapier des Vereins sind zudem die ehemalige Evangelische Kreuzkirche am Hohen Kreuz und das ehemalige Messerschmitt-Verwaltungsgebäude in der Prüfeninger Straße genannt. Ein weiteres Gebäude, das in den Augen des Architekturkreises Identität stiftet, ist das Hotel Wiendl in Kumpfmühl. „Es bestehen Pläne, das Gebäude abzureißen und durch eine neue Wohnbebauung zu ersetzen“, steht in dem Positionspapier. Der Architekturkreis sieht hier die Möglichkeit, die Pläne in den Bestandsgebäuden zu verwirklichen. Zudem ist in dem Schreiben zu lesen, dass der Verein in den Obergeschossen des Divisionsgebäudes in der Daimlerstraße Potenzial für soziale und kulturelle Zwecke ausgemacht hat.

Straßen für alle

Ob Straßen oder Parkplätze – Räume und Flächen einer einzigen Nutzung zu überlassen, ist in den Augen der Experten für Planung ebenfalls nicht mehr zeitgemäß. Zu knapp sei die Ressource Boden in der Domstadt dafür geworden. Deswegen fordert der Architekturkreis derlei öffentliche Flächen so umzubauen, dass sie auch von allen genutzt werden können. Neue Funktionen in diesem Sinn sollten laut Eckl etwa die Bayerwaldstraße sowie die Regenbrücke und die Donaustaufer Straße in Reinhausen, die Obermünsterstraße sowie der Bahnhofsvorplatz bekommen.

Wird ein Neubau notwendig, soll ein großes Augenmerk darauf gelegt werden, dass dieses Gebäude die Möglichkeit um Umbau lässt, lautet eine weitere Bedingung des Architekturkreises. Zudem soll diese Bauwende durch eine neue Ideenkultur erreicht werden.

Die letzten Gebäude auf dem Kasernengelände