Trotz Wohnungsnot: Regensburg hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren

Von Marion Koller · 6. Februar 2024 um 19:00

Die Stadt Regensburg wächst bis 2042 weiter und bleibt jung – Doch was ist mit dem teuren Wohnen und dem Verkehr?

Pauline Schlemmer findet Regensburg für Studierende „sehr cool“. Pluspunkte sind für sie die Bars, die Altstadt, das Baden in der Donau – die hohe Lebensqualität eben. Sie ist ein Kind dieser Stadt und hat zwar vor, nach dem Abschluss für ein paar Jahre wegzugehen. „Aber ich komme zurück“, ist Pauline Schlemmer überzeugt.

Die Domstadt ist beliebt. Wegen der drei Hochschulen ziehen viele junge Leute zu. Inzwischen lassen sich hier 32.000 Studierende zu Ingenieurinnen, Ärzten oder Sozialpädagoginnen ausbilden. Attraktive Unternehmen locken Fachkräfte aus der ganzen Republik und dem Ausland. 156.300 sozialversicherungspflichtige Jobs gibt es in Regensburg nach Zahlen des bayerischen Wirtschaftsministeriums (2022).

Mehr Ganztagsbetreuung

Das alles, und auch zuwandernde Geflüchtete, lassen Regensburg wachsen. Am Montag hat das Bayerische Landesamt für Statistik die neue regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung bis 2042 vorgelegt.

Demnach legt die Stadt zwischen 2022 und 2042 voraussichtlich um 6,5 Prozent zu: von mehr als 157.000 Einwohnern auf knapp 167.700. Stadt und Landkreis zusammen wachsen um 22.000 Menschen.

Regensburg wird weiterhin auch über die Oberpfalz hinaus zu den jüngsten bayerischen Städten zählen. Dafür sorgt der Geburtenüberschuss. Durchschnittlich 43 Jahre alt werden die Domstädter 2042 sein, oberpfalzweit sind es 46 Jahre.

Kita- und Hortplätze fehlen

Bei den jungen Altersgruppen steigt vor allem die Zahl der unter Dreijährigen (von 4300 im Jahr 2022 auf 4500 im Jahr 2042), die der Zehn- bis unter 16-Jährigen (von 7300 auf 7700) und die der 19- bis unter 25-Jährigen (von 14.000 auf 14.200). Das stellt die Stadt vor Herausforderungen, denn es fehlen trotz des laufenden Ausbaus Kita- und Hortplätze. Volker Höcht, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, räumt ein, besonders bei der Ganztagsbetreuung müsse die Stadt aufholen. „Dies liegt auch an anspruchsvollen gesetzgeberischen Vorgaben, die den Städten immer höhere Versorgungsleistungen abverlangen.“

Deutlich mehr werden die 60- bis 74-Jährigen und die über 75-Jährigen bis 2042. Die erste Gruppe wächst von 22.300 auf 24.200 Menschen und die zweite von 13.900 auf 18.800. Es existieren zwar das Hilfenetz Regensburgs nette Nachbarn, der Seniorenbeirat, behördliche Beratung und Unterstützung. Aber wird das ausreichen? Höcht sagt, es müsse Barrierefreiheit in Wohngebäuden und im öffentlichen Raum angestrebt werden. „Die Pflege-Infrastruktur muss verbessert, ergänzt und die Qualität trotz größerer Nachfrage gesichert werden.“

Mittdreißiger kehren der Stadt den Rücken

Die Zahl der 25- bis unter 40-Jährigen dagegen sinkt laut Vorausberechnung um 1500 auf 42.200. Gründe könnten sein, dass Uni-Absolventen die Stadt verlassen, um Jobs in den Metropolen anzunehmen. Die Mittdreißiger kehren der Stadt den Rücken, weil sie eine Familie gründen und großzügiger wohnen möchten. Im Speckgürtel sind Hausbau und Wohnungskauf erschwinglicher.

Das teure Wohnen ist die Schattenseite von Regensburg. Der Bevölkerungszuwachs könnte das Problem verschärfen. Das Forum gegen Armut fordert, auf Neubauflächen 70 statt 40 Prozent geförderte Wohnungen zu realisieren. Einer der Sprecher, Manfred Hellwig, mahnt an, den städtischen Wohnungsbestand mit einem weiteren Geschoss aufzustocken, wo es möglich ist, den Kampf gegen Leerstände aufzunehmen, nachzuverdichten und nicht Hunderte Ferienwohnungen zuzulassen.

Vieles packt die Stadt an. Im Regensburg-Plan 2040 stellt sie fest, das hohe Preisniveau treffe die einkommensschwächere Bevölkerung, zunehmend aber auch Haushalte mit mittlerem Einkommen. Die Zahl der geförderten Wohnungen habe sich gegenüber 1990 nahezu halbiert. Seit über zehn Jahren bleibe jedoch der Bestand relativ konstant. Das Rathaus prognostiziert einen Bedarf von 22.000 Wohnungen bis 2040.

Trendwende schwierig

Doch die aus Kostengründen verzögerte Bebauung auf dem Areal der Prinz-Leopold-Kaserne zeigt, wie schwierig es ist, die Trendwende zu schaffen. Dichter und höher bebaute Urbane Gebiete, etwa in der Landshuter Straße/Ecke Grunewaldstraße mit 250 Wohnungen oder am Hochweg/Ecke Dornierstraße mit 80 Wohnungen sollen Entspannung bringen.

Die Genehmigungsprozesse dauern aber zum Teil acht Jahre. Doch die Stadtbau und die Wohnbau St. Wolfgang verdichten auf den eigenen Flächen nach. „Beim Wohnungsbau müssen wir unsere Anstrengungen konsequent weiterverfolgen“, betont Volker Höcht. In den vergangenen Jahren sei Regensburg stets bei der Wohnungsfertigstellung, gemessen an der Einwohnerzahl, in der Spitze aller deutschen Großstädte vertreten gewesen. „Hier dürfen wir nicht nachlassen.“ Die Stadt nimmt sich im Regensburg-Plan 2040 vor, beim Wohnungsbau eng mit dem Umland zu kooperieren, das mehr Flächen bietet. Im Süden wird sie nach außen, über die Autobahn, wachsen.

Keine anonyme Metropole

Ein weiteres Problem ist die Verkehrsbelastung, während Stadtbahn und Ausbau des Pfaffensteiner Tunnels auf sich warten lassen. 2022 sind die Autofahrer in Regensburg durchschnittlich 35 Stunden im Stau gestanden. Höcht sagt, die Verkehrsmittelwahl müsse sich zugunsten von Bus, Bahn und Fahrrad verändern. Deren Infrastruktur wird optimiert. „Wo immer möglich, müssen Straßenräume zurückgebaut werden, etwa Bayerwaldstraße, Adolf-Schmetzer-Straße, Clermont-Ferrand-Allee oder Donaustaufer Straße“, beruft sich Höcht auf den Regensburg-Plan 2040.

Für Pauline Schlemmer ist die Stadt trotz Schwächen genau das Richtige. „Regensburg ist eine gute Mischung aus Kleinstadt und Großstadt.“ Es werde viel geboten, sei aber nicht anonym.

„Für die Wohnungsversorgung muss die Stadt nach außen wachsen“, sagt Volker Höcht, Leiter des Amts für Stadtentwicklung Foto: Stadt Regensburg/Effenhauser
„Gott sei Dank gibt es die Auflage, in Baugebieten 40 Prozent Sozialwohnungen zu bauen“, freut sich Manfred Hellwig vom Forum gegen Armut. Foto: Hellwig