Verein fordert: Weg mit der sechsspurigen Straße und her mit einem schönen Reinhausen!

Von Heike Haala · 8. Januar 2024 um 05:00

Alois Zorzi setzt sich seit langem für ein lebenswerteres Reinhausen ein: Als Einzelkämpfer mit Führungen, in Kooperation mit dem Architekturkreis bei Straßenfesten und seit Herbst mit 20 Gleichgesinnten im neuen Verein Kultur am Regen Kulturverein Reinhausen.

Der Grund: Zorzi und seine Vorstandskollegin Julia Krebs sehen, dass sich das Leben in Regensburg sehr auf die Altstadt konzentriert. Ein Verein aber hat ihrer Ansicht nach das Potenzial, einen Teil dieser Aufmerksamkeit in den Norden und an den Regen zu verlegen. Zudem könnte er die Identifikation mit dem Stadtteil steigern und Neuankömmlingen ein Anlaufpunkt sein. Das sei in dem Viertel in Sichtweite der Domspitzen notwendig, weil hier dörfliche Strukturen und moderne Stadtgestaltung aufeinandertreffen, die in den Augen der Vereinsmitglieder zusammengebracht werden sollen.

Der Charakter Reinhausens

Das Problem dabei: „Die prägnante Donaustaufer Straße mit Autobahncharakter teilt den Stadtteil“, sagt Zorzi. Zudem fehle hier so etwas wie ein kulturelles oder gesellschaftliches Zentrum. Vor einiger Zeit hatte er die Idee ins Spiel gebracht, die sechsspurige Straße zu begrünen und den Durchgangsverkehr so einzubremsen. Das Potenzial für einen Treffpunkt sieht er entlang der neu entstandenen Promenade an der Oberen und Unteren Regenstraße.

Nun möchten er und Krebs zusammen mit der Stadt und den Bürgern möglichst früh in die Planung einsteigen. „Im Stadtentwicklungsplan ist der Rückbau bis 2040 vorgesehen, das könnte aber schon ab 2030 möglich sein“, sagt Zorzi. Und so sei es für ihn überfällig gewesen, den Verein zu gründen. Er habe schon für die Straßenfeste viel Resonanz bekommen. Zudem sei der Zeitpunkt gut, weil die Stadt gerade dabei ist, ein Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) für den Stadtteil zu erstellen, an dem er sich als Bürger beteiligt hat.

Ein erster Schritt auf diesem Weg soll ein Fest auf der Reinhausener Brücke in Zusammenarbeit mit dem Architekturkreis Regensburg in diesem Sommer sein. Dafür soll die Verbindung zwischen Auerbräu und der Kreuzung mit der Holzgartenstraße am 20. und 21. Juli gesperrt werden. Die Brücke eignet sich in Zorzis Augen perfekt für ein Fest, das Gemeinschaft stiften soll, weil diese Flussüberquerung zusammen mit der Steinernen Brücke früher die einzige Verbindung aus dem Norden in die Stadt gewesen ist. Zudem könne der Verein laut Krebs mit dem Fest auf der Brücke zeigen, was möglich wird, wenn der Verkehr nicht sechsspurig fließt. Weiterer Anlass ist aber auch die Eingemeindung Reinhausens und aller nördlichen Stadtteile, die sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt.

Im Moment sind Krebs und Zorzi damit beschäftigt, das Festprogramm aufzustellen. So soll es auf der Brücke eine Bühne für Musik,Tanz und Shows geben. Außerdem sollen sich dort etwa Schulen, Unternehmen, Geschäfte, Vereine oder Behörden präsentieren können. Entlang des Regenufers soll es Spiel- und Sportmöglichkeiten für Kinder geben.

Sponsoren gesucht

Knackpunkt sei im Moment aber die Finanzierung des Festes. Zorzi und Krebs sagen, 40000 Euro dafür zu benötigen. Als Kostentreiber nennen sie beispielsweise die Bühnentechnik und die Vorkehrungen, die im Sinne des Sicherheitskonzepts getroffen werden müssen. Jetzt haben sie sich bis Mitte Februar Zeit gegeben, um dieses Geld aufzutreiben.

Mit Aktionen wie diesen hoffen Krebs und Zorzi aber auch, ein Gemeinschaftsgefühl in Reinhausen zu erzeugen. Neben dem Fest schweben Krebs dabei Sharing-Projekte vor. „Zum Beispiel könnten so Menschen zusammengebracht werden, die sich ein Auto teilen. Vielleicht hat aber auch jemand eine Werkstatt, eine Kreissäge oder anderes Werkzeug und kann so Menschen helfen, die so etwas nicht haben“, sagt Krebs. Sie betont auch, auf keinen Fall in Konkurrenz zum einem anderen Verein treten zu wollen, der sich dem Stadtteil widmet: dem Bürgerverein Roahausen. Die Themen, die die Vereine im Fokus haben, sind in ihren Augen dafür auch zu unterschiedlich. „Der Bürgerverein legt sein Augenmerk auf Traditionen oder Denkmalschutz und wir auf das kulturelle Leben im Allgemeinen“, sagt Krebs. Stattdessen wollen sie und ihre Mitstreiter mit den Roahausenern zusammenarbeiten.

Auf dieser Brücke soll das Fest steigen.