Regensburgs Verwaltung kassiert Denkmalkonzept für Reinhausen: Verein in Sorge

Von Heike Haala · 22. Mai 2023 um 15:00

Sattel- oder Walmdächer, bunte Fensterläden und Hinterhöfe: Details wie diese machen den Ortskern des ehemaligen Dorfs Reinhausen aus. Die Idylle aber droht zu verschwinden. Daran, wie sie geschützt werden sollen, scheiden sich die Geister.

Denn eigentlich hatten der Planungs- und Kulturausschuss während einer gemeinsamen Sitzung Ende 2019 ein Kommunales Denkmalkonzept auf den Weg gebracht. Im Zuge dieses Konzepts sollte Reinhausen einen Quartierssteckbrief erhalten, auf dem denkmalgeschützte Bauten und Räume sowie prägende und erhaltenswerte Gebäude, Platz-, Straßen- und Grünräume vermerkt sind. Auf dieser Basis sollten Handlungsempfehlungen erarbeitet und schließlich anhand von Musterlösungen umgesetzt werden. Eigentlich sollte das Papier nach zwei Jahren fertig sein.

Wegen der Pandemie mussten die Planungen dann aber zurückgestellt werden, schreibt Bernhard Mitko, Vorsitzender im Bürgerverein Roahausen, in einem Offenen Brief an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). Er schlägt mit dem Schreiben Alarm. Denn durch eine Anfrage bei der Stadtverwaltung habe er vor einigen Wochen erfahren, dass das Stadtplanungsamt von dem Kommunalen Denkmalkonzept absehen und die Stadträten stattdessen um ihre Zustimmung für ein Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) bitten will.

Isek statt Denkmalkonzept

Zwar sollen die Ensembles und Einzeldenkmale darin einen besonderen Stellenwert erhalten, schreibt Mitko. Dieser neue Ansatz werde dem Anliegen des Vereins aber nicht gerecht. „Von den erhaltenswerten dörflichen Strukturen ist nicht mehr die Rede“, klagt er. Mitko vermutet, dass Ortsstruktur, Platz-, Straßen- und Grünräume, die diesen Stadtteil historisch prägen, bei einem ISEK nicht mehr im Mittelpunkt stehen werden, aber genau darum gehe es dem Verein. Deswegen sind die Mitglieder mit dem neuen Ansatz nicht einverstanden. Auf Anfrage verdeutlicht er, dass ihm etwa die langen Gärten hinter den Häusern oder Rundbogenelemente im Erdgeschoss wichtig sind, weil er sie als ortsteilprägend empfindet. Das ISEK werde sich aber auch Themen wie der Struktur des Gewerbes oder dem sozialen Gefüge widmen, deswegen befürchtet er, dass der Denkmalschutz zu einer von vielen Baustellen verkommen könnte.

Ihn stört es aber auch, dass von Seiten der Stadt mit dem Verein bislang nicht über diesen neuen Ansatz gesprochen worden ist.

Verena Bengler von der Pressestelle der Stadt betätigt, dass es die Pläne bei der Stadt gibt, das Denkmalkonzept in ein Isek umzuwandeln. Etwa bei der vertiefenden Betrachtung der städtebaulichen Potenziale in Reinhausen habe sich in den Fachbesprechungen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Amt für Stadtentwicklung ergeben, dass das Isek besser wäre. Gerade arbeite die Verwaltung an einer entsprechenden Vorlage, die dem Stadtrat vor der Sommerpause vorgelegt werden soll. Im Anschluss soll der Bürgerverein zu einem informellen Gespräch eingeladen werden.

Bengler nennt die Nachteile die ein Kommunales Denkmalkonzept im Vergleich zum Isek aus Sicht der Stadt hat. So könnte mit dem Denkmalkonzept keine finanzielle Unterstützung von Projekten und Maßnahmen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Aussicht gestellt werden. Zudem lasse es die städtebauliche und verkehrliche Betrachtung der übrigen, weitaus komplexeren Bereiche und Flächen in Reinhausen außen vor . Das Thema historische Siedlungsentwicklung aber könne bei einem Isek durchaus in die Bearbeitung einfließen. Hinzu komme, dass ein Kommunales Denkmalkonzept lediglich Leitlinien vorgeben und Handlungsempfehlungen aussprechen würde. Deren Umsetzung würde laut Bengler aber auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basieren und keine baurechtliche Relevanz besitzen.

Mitko völlig überrascht

Im Gegensatz zu Mitko kann ein anderer Reinhausener, der sich für den Erhalt der dörflichen Strukturen in dem Stadtteil einsetzt, dem Isek durchaus etwas abgewinnen: Das ist Alois Zorzi. Auch er sieht, dass das Isek einen Mehrwert im Vergleich zum ursprünglich geplanten Denkmalkonzept haben könnte, weil es mehr Themen berücksichtige und zusätzliches Fördermittelpotenzial habe.

Mitko aber bleibt dabei. „Wir sind davon völlig überrascht worden. Wir bitten darum, am 2019 beschlossenen Kommunalen Denkmalkonzept festzuhalten und die Verwaltung zu beauftragen, dieses nun schnellstmöglich zu beginnen“, schließt er seinen Offenen Brief an die Oberbürgermeisterin.