Ein Verein hat große Bedenken: Gerät Reinhausens Ortsbild aus dem Fokus?

Von Heike Haala · 20. Juni 2023 um 19:36

Reinhausens Ortsbild soll geschützt werden – jedoch mit einer anderen Methode als bisher geplant. Der Planungsausschuss gab der Verwaltung gestern sein Okay dafür. Bernhard Mitko, Vorsitzender des Bürgervereins Roahausen, aber beklagt sich.

Nun gehe es nicht mehr um Bausubstanz oder Dorfstruktur, sondern vor allem um Fördermittel. Das Stadtplanungsamt bat die Stadträte in der Sitzung um den Auftrag, eine Vorbereitende Untersuchung für ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) für Reinhausen erstellen zu dürfen. Dabei hatten der Planungs- und Kulturausschuss bereits am 3. Dezember 2019 beschlossen, dass ein anderes städtebauliches Instrument im ehemals größten Dorf der Oberpfalz seine Wirkung entfalten sollte: ein Kommunales Denkmalkonzept (KDK). Das konnte wegen Corona bisher aber nicht erarbeitet werden.

Gelder könnten fließen

Inzwischen beruft sich die Stadt auf die Erfahrung anderer Kommunen mit dem KDK. Auch in Besprechungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege, der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Amt für städtebauliche Entwicklung habe sich ergeben, dass ein Isek besser für Reinhausen wäre, heißt es in der Vorlage.

Denn das KDK fokussiere sich zu sehr auf Ensembles und Einzeldenkmale, während Themen wie Städtebau oder Verkehr außen vor bleiben würden, begründet die Verwaltung ihren Vorschlag. Mit dem Isek dagegen könnten sowohl sie als auch die charakteristischen Stellen wie die Wohnsiedlung in der Arberstraße, das Ensemble in der Obere Regenstraße und die Denkmäler in die Arbeit einfließen.

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Gegen das KDK spricht aus Sicht der Stadt, dass es lediglich Leitlinien und Handlungsempfehlungen ohne baurechtliche Relevanz formuliere, deren Umsetzung auf Freiwilligkeit basiere. Mit finanzieller Unterstützung vom Landesamt für Denkmalpflege oder aus der Städtebauförderung sei damit weiterhin nicht zu rechnen, steht im Papier für die Ausschussmitglieder. Das Isek aber ermögliche ein satzungsmäßig beschlossenes Sanierungsgebiet und schaffe die Voraussetzungen für die Förderung, so die Begründung der Verwaltung.

Der Ausschuss stimmte diesen Plänen zwar einstimmig zu, allerdings hatten einige Stadträte Fragen. Sie sorgten sich um die Ideen, die mit dem KDK in Verbindung stehen – immerhin stehe darin etwa eine Liste mit markanten Gebäuden, die Reinhausen erhalten bleiben sollen. Zum Beispiel wollte Michael Achmann (Grüne) wissen, ob diese Idee vom Isek absorbiert werden könnte. Auch Benedikt Suttner (ÖDP) kam auf dieses Thema zu sprechen. Es gebe Menschen in dem Stadtteil, die sich für ihn einsetzen. Diese Gruppen müssten jetzt mit einer städtischen Veranstaltung schnell ins Boot geholt werden, forderte er. Auch Irmgard Freihoffer (Linke) sagte, die Befrüchtung zu hegen, dass beim Isek manches nicht so streng gehandhabt werde, wie mit dem KDK. Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann versprach daraufhin, dass die Denkmalpflege auch mit dem Isek noch einmal kontrollieren werde, ob weitere Gebäude unter den Denkmal- oder Ensembleschutz schlüpfen könnten. Allerdings sei die städtebauliche Themenlage in Reinhausen gewichtiger, deswegen das Isek.

Einer, den diese Pläne in Sorge versetzen, ist Bernhard Mitko, Vorsitzender im Bürgerverein Roahausen. Er hatte sich vor einigen Wochen in einem öffentlichen Brief an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), die Fraktionen im Stadtrat, die betroffenen Ämter der Stadtverwaltung und den Stadtheimatpfleger gewandt. Auf Nachfrage habe er von Seiten der Stadt erfahren, dass der Weg zum Schutz von Reinhausens Ortsbild nun einem neuen Pfad folgen soll. Schon damals äußerte Mitko Bedenken. Das Isek werde dem Anliegen des Vereins nicht gerecht werden können, da von den erhaltenswerten dörflichen Strukturen ist nicht mehr die Rede sein werde, sorgte er sich.

Mit dem Beschluss steht für Mitko fest: Nun sollen offenbar erzielbare Fördermittel das zentrale Anliegen sein und nicht mehr die erhaltenswerte Bausubstanz oder historische Dorfstrukturen. Da helfe auch der Hinweis der Stadt nicht, dass Ensembles wie die Wohnsiedlung in der Arberstraße und in der Obere Regenstraße oder Einzeldenkmale eine Rolle spielen sollen. „Die stehen ja ohnehin schon unter Denkmalschutz“, ärgert sich Mitko.

Großes Jubiläum 2024

Jetzt bleibt ihm nur noch, sein Anliegen bei passenden Gelegenheiten vorzutragen. Zwei zeichnen sich schon ab: Ein informelles Gespräch, zu dem die Stadt den Verein in der Sache einladen will. Zudem steht 2024 das Jubiläum der Eingemeindung von Reinhausen vor dann 100 Jahren im Kalender.

Die Urkunde für den Umwelt- und Klimapakt Bayern geht an Unternehmen, die mehr als die gesetzlichen Vorgaben für den betrieblichen Umweltschutz umsetzen. Oberbürgermeister Michael Cerny, Jürgen Fröhner von der Forumplast GmbH und Umweltreferent Bernhard Mitko (v. l.). Foto: Thomas Graml