Pläne für Regensburger Stadtbahn: Trasse durch Sandgasse steht auf der Kippe

Regensburg. Ein Diskussionsabend über die Stadtbahn offenbarte große Wissensmängel in der Bevölkerung und einen offenen Planungspunkt.
Der Biergarten der Gaststätte Arberhütte gab am Dienstagabend ein überaus einladendes Bild ab, dennoch steuerten mehr Gäste den Saal im ersten Stock an. Dorthin hatte der der SPD-Ortsverein Reinhausen-Sallern-Weichs geladen, um über die Stadtbahn zu diskutieren. Der bis auf den letzten Platz besetzte Raum machte deutlich, wie sehr das Thema zieht.
Gleichzeitig zeigte sich einmal mehr: Der Wissensstand der Bürger ist eklatant verschieden. So waren in der Arberhütte Zuhörer anwesend, bei denen die drei Referenten des Abends – SPD-Stadtrat Klaus Rappert sowie Sandra Schönherr und Frank Steinwede vom Stadtwerk Mobilität (SMO) – buchstäblich bei Adam und Eva anfangen mussten.
Busse „nicht sexy genug“
Genau fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass sich der Stadtrat bei nur einer Gegenstimme für den Einstieg in die Stadtbahn-Planung entschieden hat. Obwohl seither viel und leidenschaftlich über das Thema debattiert wird, lautete eine Frage: „Wer hat das überhaupt beschlossen?“ Als über die beim Alex-Center startende Linie gesprochen wurde, wollte eine Teilnehmerin wissen: „Wo kommt die her?“
Diese geballte Unkenntnis prallte am Dienstag wie so oft auf die gut informierten und meinungsstarken Projektgegner. Mit umfangreichen Wortbeiträgen versuchten Christian Pöschl von der Initiative Gleisfrei, Gerlinde Hirtreiter als Expertin zur Sandgasse und Ingeborg Pieringer als Kämpferin für die Beibehaltung und Optimierung des Busnetzes frühzeitig, die Lufthoheit über die Veranstaltung zu gewinnen. Während Rappert („Können wir uns darauf einigen, dass es nicht dauernd Zwischenrufe gibt?“) durchaus genervt darauf reagierte, blieben die beiden SMO-Experten gelassen.
Schönherr bezeichnete sich als „Frau der Busse und Fan der Stadtbahn“. Trotz massiver Bemühungen zur Verbesserung des Netzes könne der elfprozentige Anteil der Busse am gesamtstädtischen Verkehr immer nur „mit Ach und Krach“ gehalten werden, führte sie aus. Wörtlich sagte sie: „Wir versuchen alles, sind aber nicht sexy genug.“ Die Stadtbahn sei ebenfalls keine Alleinlösung – doch als künftiges Rückgrat des öffentlichen Verkehrs könne sie Potenziale für ein attraktiveres Busnetz freilegen.
Steinwede lenkte den Blick auf das Jahr 2040: „Auch dann wollen wir noch anständig leben können in dieser Stadt. Es wird aber nicht mehr jeder mit dem Auto in die Innenstadt tuckern, wir müssen umdenken“, warb er für eine Verkehrswende mit Stadtbahn. Städte, die dieses System bereits neu eingeführt hätten, würden „vom Erfolg überrollt“. Das verspricht er sich auch für Regensburg, denn: „Das ist eine bewährte Technik, die funktioniert überall. Ich stehe nicht hier und verkaufe jedem ein Atomkraftwerk.“
Beim neutralen Teil des Publikums in der Arberhütte waren die grundsätzlichen Vorbehalte aber ohnehin gering. Hier lautete die kritischste Frage: „Warum dauert das so lange?“ Über den Faktor Geld hingegen regte sich keiner auf. Offenbar hatte Steinwede die Zuhörer mit der Aussicht auf eine bis zu 90-prozentige Bezuschussung der Investitionskosten überzeugt. Dieses Geld stellt der Bund bereit – wenn es Regensburg nicht nimmt, fließt es eben in eine andere Stadt.
Wiesbaden als Anti-Vorbild
Steinwede hofft daher, dass es hier anders läuft als in Wiesbaden, wo die Stadtbahn-Planungen gestoppt wurden: „Das will ich nicht. Denn die wissen überhaupt nicht, wie sie dem Verkehr Herr werden sollen.“
Zum Schluss ließ der SMO-Betriebsleiter noch durchblicken, dass ein besonders umstrittener Streckenabschnitt auf der Kippe steht. Man wisse nicht, „ob die Stadtbahn durch die Sandgasse fährt“.
Nicht nur hier bleibt es spannend, auch für andere Stellen gibt es in der baldigen Sitzung des Stadtbahn-Ausschusses neue Routen-Details. Und neuen Diskussionsstoff.