Wirtshaussterben: Reinhausener hoffen auf einen Golosone-Nachfolger

Von Heike Haala · 10. Januar 2023 um 19:00

Dass Madeleine und Giorgio Vasciarelli ihren Ofen im Reinhausener Italiener Il Golosone zum Jahreswechsel für immer ausdrehten, sorgt für Gesprächsstoff am Regen. Die Menschen dort stehen nun um noch einen Wirt weniger da.

„Damit löst sich auch die Lebendigkeit im Stadtteil wieder um ein Stück auf“, sagt der Reinhausen-Kenner Alois Zorzi. Immerhin gibt es die Hoffnung, dass sich das bald ändert. Laut Vasciarelli laufen bereits Gespräche mit einem Nachfolger. „Das soll ein Grieche übernehmen“, sagt er. Bis dahin wird es in Reinhausen aber lediglich zwei Gaststuben geben. Zorzi zählt die Arberhütte und den Hahnwirt auf.

So nahe der Auerbräu in Sichtweite am anderen Regenufer auch liegen mag: Zorzi, aber auch Bernhard Mitko, Vorsitzender des Bürgervereins Roahausen, geht es bei dem Thema auch noch um einen anderen Aspekt: die Vielfalt im Stadtteil.

Es gab schon bessere Zeiten in Reinhausen

Und was das angeht, haben die Reinhausener tatsächlich schon deutlich bessere Zeiten erlebt. Zorzi zählt einige ehemalige Wirtshäuer aus dem Stadtteil auf: Gasthof Weinzierl, Blaue Traube, Schwarzer Rabe, Goldenes Kreuz, Goldener Pflug oder das Reginawirtshaus hinter dem Kino. Das letzte Lokal, das seine Türen vor demIl Golosoneschloss, war der Kroate Dalmacija. „Den gab es bestimmt 30 Jahre hier und der hatte ein riesiges Stammpublikum“, sagt Zorzi.

Und so wünscht er sich, dass bald ein Nachfolger im ehemaligen Il Golosone einzieht. „Das wäre absolut wünschenswert“, sagt auch Mitko. Als nächstgelegene Lokale nennt er neben dem Auerbräu und dem Spitalgarten in Steinweg Shahs Garden und die Restaurants im Gewerbepark. Zorzi bringt zudem die Lage am Regen ins Spiel. „Am Ufer gibt es jetzt eine richtige Promenade“, sagt er. Seit die Stelle naturnah umgestaltet wurde, sei die Atomsphäre „absolut traumhaft“. So etwas müsse doch genutzt werden. Deswegen sei der Biergarten im Sommer ja auch immer so gut besucht gewesen, erinnert Zorzi sich.

In der Tat sind die Möglichkeiten, auf dieser Seite des Flusses mit Blick auf den Regen Essen zu gehen, mehr als spärlich gesät. Flussabwärts ist das aussichtslos, denn der Regen befindet sich hier ohnehin schon auf seinen letzten Metern. Flussaufwärts sind die nächsten Restaurants am Wasser das Santa Lucia beim Zeitlarner Hotel Bartholomäus in über fünf Kilometern Entfernung, was mit dem Rad etwa eine halbe Stunde dauert, oder die Restaurants Eichmühle und Valentinsbad im 15 Kilometer entfernten Regenstauf, die nach einer Dreiviertelstunde auf dem Drahtesel erreicht sind.

Neue Ideen für den Regensburger Stadtteil

Für Zorzi ist die Situation auch ein Ausdruck von dem, was er seit Jahren immer wieder als einGrundproblem der Regensburger Stadtteilebenennt. Er wünscht sich dort mehr Aufenthaltsqualität. Dazu müssten sie aber deutlich mehr Aufmerksamkeit abbekommen. „Im Vergleich zur Altstadt hängen sie regelrecht am Tropf“, sagt er.

Speziell in Steinweg führt dieser Weg für ihn über eineVerkehrsberuhigung und eine Umgestaltung in der Donaustaufer Straße, die sich hier zum Teil sechsspurig ausbreitet. Zuletzt sammelte er mit Studenten Ideen dafür. Als er die präsentierte, habe er auch von den Hauseigentümern an dieser Straße Applaus bekommen. „Sie haben zu mir gesagt, dass sie in die Ladengeschäfte investieren würden, wenn das einmal so aussieht“, sagt er. Und so hofft er nun auf das Jahr 2024. Dann ist die Eingemeindung von Reinhausen 100 Jahre her. Das schürt die Hoffnung in ihm, dass der Stadtteil etwas mehr in den Fokus rückt.