Weil das Geld ausging: Baustopp beim Regensburger Hochwasserschutz

Seit Spätsommer liegt die Hochwasserschutz-Baustelle in Sallern brach. Der Grund ist: Die Mittel des Freistaats reichen nicht aus für alle Bauprojekte. Wie es weitergeht, weiß selbst das zuständige Amt erst seit wenigen Tagen.
Aktuell warnt am Regen in Sallern wieder ein Schild vor Hochwasser, der Fluss ist nah an den Uferweg gerückt. Doch bei diesem Pegelstand macht sich hier niemand Sorgen, auch wenn der Hochwasserschutz noch nicht fertig ist. Einige Sallerner fragen sich allerdings durchaus,warum die Damm-Baustelle seit dem Sommer brach liegt. Die Antwort ist: Es fehlt an Geld.
Als im Juni Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) die Baustelle besuchte, verkündete er danach: „Alles verläuft bisher nach Plan.“ Rainer Zimmermann, Projektleiter am Wasserwirtschaftsamt Regensburg, warnte allerdings schon damals: Es sei fraglich, wie lange die Staatsmittel für den Hochwasserschutz noch reichten. Einerseits stiegen die Baukosten, andererseits seien jetzt viele Maßnahmen gleichzeitig im Bau, der viel mehr Geld verschlingt als die Planung. Nun zeigt sich: Zimmermanns Furcht, dass das Geld ausgeht, war berechtigt. „Das hat uns auch erwischt“, sagt er jetzt.
Statt in einem Rutsch werden die Ingenieurarbeiten jetzt in vier Abschnitten erledigt, „weil nicht so viel Geld da war, um das auf einmal zu vergeben“. Erst seit vergangener Woche wisse er, dass er jetzt den nächsten Teil ausschreiben könne und im Frühjahr weitergebaut werden könne. Allerdings gelte: „Jetzt haben wir wieder nicht genug Geld gekriegt, dass wir den ganzen Rest machen können.“ Er hoffe, im Frühjahr das letzte „Baulos“ für die Ingenieurarbeiten ausschreiben zu können. „Wir rechnen damit, dass wir etwa ein Jahr Bauverzögerung haben.“ Dann wäre der Hochwasserschutz-Abschnitt „Sallern“ Ende 2025 fertig.
Dieser reicht von Reinhausen bis zur Straße neben dem Sportgelände in Sallern und soll etwa 100 Gebäude schützen: mit mehr als 500 Metern Hochwasserschutzdeich, gut 200 Metern Hochwassermauer sowie zwei Öffnungen mit mobilen Elementen. Dazu kommen neu gestaltete Grün- und Sportflächen, das Regenufer soll mit Liegewiese, Radweg und Zugang zum Wasser aufgewertet werden.
Die Kosten für den Hochwasserschutz stiegen auf 10,5 Millionen
Vor Baubeginn hatte das Wasserwirtschaftsamt Zimmermann zufolge mit Kosten von etwa acht Millionen Euro gerechnet. Jetzt geht es von Gesamtkosten von circa 10,5 Millionen Euro aus; diese teilen sich Freistaat und Stadt zu je 50 Prozent. Aktuell ist der Freistaat am Zug, er streckt das Geld vor. Bisher sind Kosten von 4,5 Millionen Euro angefallen. „Darin enthalten sind eine Million Euro als Entschädigung für eine gleichwertige Wiederherstellung der bestehenden Sportplätze und der für die Baumaßnahmen notwendige Grunderwerb in etwa gleicher Größe“, erklärt Zimmermann.
Drei Sportplätze, die neu gemacht werden, mussten schon vor gut einem Jahr weichen. Anschließend wurden große Teile des Damms aufgeschüttet. Im Spätsommer allerdings zog die ausführende Firma ab – und löste die Baustelle komplett auf, so beobachteten es Anwohner. Manche hörten schon vor den Arbeitern, es sei eine neue Ausschreibung nötig, bevor es weitergehen könne, so etwa eine 70-jährige Anwohnerin. Sie sagt: „Es ist ein Unding.“ Sie befürchte nun, dass ihre Straße noch stärker von einem Hochwasser betroffen wäre als ohne Damm. Ursula Rohm, die direkt am Deich ein Reifengeschäft führt, nimmt die Verzögerung dagegen gelassen. „Was dauert heutzutage nicht länger?“, fragt sie. Die Regen-Anlieger seien Hochwasser gewöhnt. „Dann schöpfen oder pumpen wir halt wieder oder schleppen Sandsäcke.“
Amt plant regulär weiter: Auch Abschnitt Gallingkofen soll kommen
Zimmermann versichert: Der halbfertige Schutz verschlimmere keinesfalls die Folgen eines Hochwassers, falls jetzt eines kommen würde. „Im Moment ist es so, als wenn kein Deich da wäre, weil wir noch zu viele Öffnungen haben.“ Auch auf den benachbarten Hochwasserschutz-Abschnitt Gallingkofen wirke sich die Unterbrechung nicht aus. Dieser werde regulär geplant.
Umweltminister Glauber hatte im Juni betont: „Wir wollen nicht die Maßnahmen reduzieren, sondern mehr Geld für den Hochwasserschutz einwerben.“ Zum aktuellen Stand teilte am Donnerstag ein Sprecher mit: „Ziel ist, so viele Maßnahmen wie möglich umzusetzen.“ Bis 2030 stünden bayernweit zwei Milliarden Euro für Hochwasserschutz und Gewässerökologie bereit. „Das Umweltministerium setzt sich für eine weitere Erhöhung der Mittel ein.“
Hochwasserschutz in Regensburg
Einordnung: Dem Umweltministerium zufolge ist der Regensburger Hochwasserschutz das größte Projekt im Freistaat. Es umfasst insgesamt 18 Abschnitte, zehn sind fertig.
In Planung/in Bau: Die Abschnitte Gallingkofen sowie Unterer und Oberer Wöhrd befinden sich dem Wasserwirtschaftsamt zufolge in der Detailplanung, Sallern ist im Bau. Noch keine Detailplanung gibt es für Großprüfening, die Altstadt und Stadtamhof.
