Chats offenbaren neue Details: Wollte ein Intensivstraftäter (18) für 300 Gramm Gras töten?

Das zweite Mal versuchter Mord: Ein junger Syrer soll einen geplatzten Drogen-Deal in der Hornstraße geplant haben. Nach einer Messerstecherei vom Juni im Regensburger Kasernenviertel sind Ermittler offenbar auf Handys fündig geworden.
Ende Juni endet ein Drogen-Deal im Kasernenviertel in einer Messerstecherei. Drei junge Männer kommen danach in U-Haft. Jetzt hat sich das Blatt gewendet: Gegen einen 18-Jährigen wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Der junge Syrer ist Intensivstraftäter und stand schon einmal wegen Mordversuchs in Regensburg vor Gericht. Auch bei der Tat im Mai 2019 stach er in der Maximilianstraße mit einem Messer zu. Damals war Eifersucht das Motiv – im aktuellen Fall geht es um Rauschgift und womöglich sogar geplanten Mord.
Statt Kokain ging es wohl um Marihuana
Fünf Männer, laut Polizeiangaben Syrer und Iraker, sollen sich am 25. Juli auf dem Parkplatz in der Hornstraße verabredet haben. Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass dabei Kokain verkauft werden sollte. Tatsächlich sollten aber wohl nur 300 Gramm Marihuana den Besitzer wechseln. Der Deal am späten Abend eskalierte jedoch – wechselseitig sollen alle Männer mit Stichwaffen aufeinander losgegangen sein.
Am Ende waren drei Männer teils schwer verletzt. Zwei fuhren selbst zur Wache und wurden vor dem Eingang zur Polizeiinspektion Regensburg-Süd von Beamten erstversorgt, bevor sie in Kliniken kamen. Ein dritter Beteiligter ging in ein Krankenhaus nahe des Tatorts. Zwei Tage später erließ das Amtsgericht vier Haftbefehle in dieser Sache; einer wurde mangels dringenden Tatverdachts aber sofort außer Vollzug gesetzt. Alle Beteiligten sollen aus Regensburg und dem Landkreis Schwandorf stammen. Für Ermittlungsbehörden sind sie teils keine Unbekannten.
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Allen voran der Jüngste von ihnen: Der 18-Jährige wurde im August in anderer Sache zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt. Mit einem Komplizen soll er im September 2022 im Gewerbepark mit Elektroschocker von einen Jugendlichen 1800 Euro gestohlen haben. Nach vier teils holprigen Prozesstagen sprach das Jugendschöffengericht von einer „Mauer des Schweigens“ und inakzeptabler Schattenjustiz, wo Straftaten offenbar „untereinander geregelt“ werden sollten. Rechtskräftig wurde das Urteil nicht – Strafverteidiger Tim Fischer legte für den 18-Jährigen sofort Berufung ein.
Der Prozess im Sommer war für den Syrer nicht der erste Kontakt mit der Justiz – 2020 stand er bereits wegen eines Kapitalverbrechens vor Gericht. Die Parallelen zum jüngsten Vorfall in der Hornstraße sind auffallend: Bei einem Messerangriff am 6. Mai 2019 rief nach der Tat in der Fußgängerzone niemand die Polizei. Freunde brachten den Verletzten damals in ein Krankenhaus. Von dem Bauchstich in der Maximilianstraße erfuhr die Polizei erst eine Stunde später.
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Die Staatsanwaltschaft klagte den zur Tatzeit 14-Jährigen wegen versuchten Mordes an. Die zuständige Jugendkammer am Regensburger Landgericht folgte der Einschätzung jedoch nicht: Verurteilt wurde der junge Syrer für gefährliche Körperverletzung. Die Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren musste er zur Hälfte absitzen und kam dann auf Bewährung frei – genutzt hatte er die Chance allerdings nicht. Im Jahr darauf kam es im Gewerbepark zum Vorfall mit dem Elektroschocker.
Haftbefehl gegen 18-Jährigen hochgestuft
Noch während dazu der Prozess am Amtsgericht lief, wurde der nun 18-Jährige wegen der Messerstecherei in der Hornstraße verhaftet.Ermittelt wurde gegen ihn zunächst wegen schweren Raubes – neue Erkenntnisse der Ermittler brachten jetzt offenbar die Wende: Dem jungen Mann wird erneut ein versuchtes Kapitalverbrechen vorgeworfen. Der Haftbefehl wurde dahingehend angepasst, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Nachfrage bestätigte. Dem Tatverdächtigen werde versuchter Mord aus Heimtücke vorgeworfen.
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Bei Handyauswertungen sollen Drogenfahnder auf interessante Chats gestoßen sein: Der 18-Jährige hatte wohl nie vor, das Marihuana zu bezahlen, sondern wollte die Dealer töten und mit dem Gras verschwinden. Weitere Ermittlungen dazu laufen noch.