Missglückter Koks-Deal in Regensburg: Neue Details zur Messer-Attacke in der Hornstraße

Ein junger Intensiv-Straftäter (18) war am Vorfall in der Hornstraße beteiligt. Wegen versuchtem Mordes stand er vor vier Jahren in Regensburg schon einmal vor Gericht. Erste Details weisen Parallelen zu dem missglückten Drogen-Deal im Kasernenviertel auf.
Mit Messern gehen am Dienstagabend mehrere Männer im Kasernenviertel aufeinander los. Ermittler sind überzeugt, dass in der Hornstraße ein Kokain-Deal aus dem Ruder gelaufen ist. Neue Details zur blutigen Messer-Attacke lassen aufhorchen: Einer der Verdächtigen stand 2020 bereits wegen versuchten Mordes vor Gericht. Bei der Tat im Mai 2019 war der Intensiv-Straftäter erst 14 Jahre alt.
Was genau am Dienstagabend zu völligen Eskalation der Gewalt führte, versucht die Regensburger Kripo aufzuklären. Doch das gestaltet sich offenbar schwieriger als gedacht – denn keiner der Beteiligten will wohl so recht auspacken. Fest steht: Fünf Männer trafen sich vor 22 Uhr auf dem Parkplatz des Nahversorgungszentrums, wo ein Drogen-Deal abgewickelt werden sollte.
„Stich ihn ab“ schallte es über den Parkplatz
Es soll um den Kauf von Kokain gegangen sein. Dafür hatten sie sich in der Hornstraße verabredet. Drei der Männer (mutmaßlich die Dealer) kamen dorthin im Auto, zwei (wohl die Käufer) zu Fuß. Dann eskalierte offenbar alles: Wollten womöglich die Dealer die Käufer abzocken oder war es genau umgekehrt? Das ist auch einige Tage danach noch unklar, hieß es.
„Stich ihn ab“ soll einer dem 23-Jährigen zugerufen haben, der nun wegen versuchten Totschlags in U-Haft sitzt. Der junge Mann, der das geschrien haben soll, steht daher wegen Anstiftung zu einem versuchten Tötungsdelikt im Fokus. Gegen die anderen wird wegen schweren Raubes und Körperverletzung ermittelt.
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Letztlich waren drei der fünf Männer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren teils schwer verletzt. Zwei fuhren zur PI-Süd und kamen ins Krankenhaus. Erst später wurde dann klar, dass noch ein dritter Mann Stichverletzungen erlitt. Er wurde in einer Klinik nahe dem Tatort in der Hornstraße notversorgt.
Der jüngste Beteiligte gilt als Intensiv-Straftäter
Mehrere Beteiligte sind für die Polizei alles andere als Unbekannte, einer aber sticht heraus. Der Jüngste gilt als Intensiv-Straftäter, beging seine erste schwere Straftat mit gerade 14 Jahren. In der Maximilianstraße in Regensburg stach der Syrer auf einen 15-jährigen Landsmann ein. Offenbar gab es Ärger wegen eines Mädchens.
Dieser Angriff vom 6. Mai 2019 weist erschreckende Parallelen zu der Messer-Attacke von Dienstagabend auf: Auch damals rief vor Ort niemand die Polizei; Freunde brachten der Verletzten in eine Klinik. Erst eine Stunde nach dem heftigen Stich in den Bauch erfuhr die Polizei einst von diesem Vorfall.
Die Staatsanwaltschaft klagte den Jugendlichen wegen versuchten Mordes an – „ein glasklarer Fall“, zeigten sich Ermittler bis heute überzeugt. Die Jugendkammer am Regensburger Landgericht ahndete das im März 2020 als gefährliche Körperverletzung mit dreieinhalb Jahren. Absitzen musste er die Jugendstrafe zur Hälfte. Was im Jugendstrafrecht aber ganz normal ist, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Nachfrage bestätigte.
Gegen 18-Jährigen läuft aktuell schon ein Prozess
Bei Amtsrichter Christian Ehrl hat der 18-Jährige derzeit ein weitere Verfahren offen. Mit einem Freund soll der Angeklagte im September 2022 ein Auto im Regensburger Gewerbepark leergeräumt haben. Laut Anklage stahl er einem Jugendlichen etwa 1800 Euro, drohte ihm dabei mit einem Elektroschocker und schüchterte ihn ein.
Der 16-jährige Geschädigte hatte wohl ein Kurzvideo gemacht, das den Angeklagten einer Tat überführen könnte. Nachdem die Verteidiger Dagmar Cicotti und Tim Fischer aber erste Widersprüche in der Aussage des Opfers ausgemacht hatten, ging das Verfahren überraschend in die Verlängerung. Ein Urteil soll am 11. Juli fallen.
Ehe die Geschehnisse zur Messerstecherei in der Hornstraße vor Gericht zum Thema werden, dürften sehr wahrscheinlich Monate vergehen. Und so lange wird der junge Intensiv-Straftäter, gegen den wegen schweren Raubs ermittelt wird, sowie zwei weitere Männer wohl in U-Haft bleiben.
Die Mordermittler der Regensburger Kripo erhoffen sich von den Aufnahmen der Videoüberwachung auf dem Parkplatz im Kasernenviertel wohl etwas mehr Aufklärung der Hintergründe. Die Kameras an den beiden Lichtmasten auf dem Gelände sollen zeitnah ausgewertet werden, hieß es.
