Prügel, weil er nicht vegan aß – Regensburger muss ins Gefängnis

Von André Baumgarten · 29. Juni 2023 um 18:58

Eine 52-Jährige wollte, dass ihr Verlobter Veganer wird – doch der 23-Jährige aß heimlich Fleisch. Es eskalierte häufig und heftig. Nun stand der junge Regensburger erneut vor Gericht und löste die Verlobung auf. Zudem muss er ins Gefängnis.

Justizvollzug statt Zwangstherapie: Wegen Übergriffen auf seine Ex-Verlobte sowie eine Bekannte muss ein 23-Jähriger zwei Jahre und zwei Monate in Haft. Eine Gefahr für die Allgemeinheit sah das Landgericht nicht. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung waren nicht gegeben, wie Richter Thomas Zenger betonte.

An sich arbeiten solle der Regensburger dennoch dringend – zumal die erste der neu angeklagten Taten einen Tag nach einer Verurteilung zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung passierte. Auch damals ging es um Gewalt gegen die 52-Jährige. Es gab immer wieder Streit, weil sie ihn zum Veganer machen wollte.

Im Prozess hatte der 23-Jährige alle Punkte der Anklage gestanden: Im Juni und auch im Dezember 2021 schlug er die Ex und eine Bekannte in deren Wohnung im Norden Regensburgs. Beim ersten „Ausflipperer“, wie das seine einstige Verlobte nannte, zertrümmerte er auch einen Fernseher. Später sperrte er die beiden in einem Zimmer ein und verpasste auch der Bekannten einen Schlag.

Beziehung zu seiner Verlobten war ein „Trigger“

Nur knapp vier Monate später kam es nach dem handfesten Streit in der gemeinsamen Wohnung zur völligen Eskalation: Er verfolgte die flüchtende Frau und prügelte sie vor einem Gasthaus in Zell (Kreis Cham) nieder. Dass den „Explosionen ein Trigger“ vorausging, erkannte die fünfte Strafkammer an. Ein Auslöser sei die laut Strafverteidiger Maximilian Keser „toxische Beziehung“ der beiden.

„Was aber keine Rechtfertigung oder Entschuldigung bedeutet“, betonte der Regensburger Richter in seinem Urteil. Der Angeklagte habe sich von der 52-Jährigen in die Ecke gedrängt gefühlt und sich aufgrund seiner attestierten psychischen Probleme wohl auch „nicht anders zu helfen gewusst“.

Streitpunkte zwischen dem ungleichen Paar seien immer wieder das offenbar problembehaftete Verhältnis des 23-Jährigen zu seiner Familie gewesen – und seine Ernährung. Als Veganerin sei sie „da absolut kompromisslos“, sagte die Frau als Zeugin. Dennoch habe er heimlich Fleisch gegessen und sie dann angelogen.

Einen Tag nach Verurteilung wieder zugeschlagen

Das Landgericht ging bei der Strafzumessung von einer erheblich geminderten Schuldfähigkeit aus. Strafschärfend sah Zenger aber die enorme Rückfallgeschwindigkeit: Nur einen Tag „nach einem Urteil, wo man mit einem blauen Auge davon kommt“ sei es wieder zu einem Angriff gekommen.

Bei dieser Verurteilung vom 25. Juni 2021 war der 23-Jährige vom Amtsgericht in Regensburg auch wegen Gewalttaten gegen dieselbe Frau schuldig gesprochen worden. Tags darauf krachte es erneut zwischen dem Paar. Nun löste der junge Mann die Verlobung auf – davon erfuhr die Frau aber erst im Gerichtssaal.

Keine Revision: Urteil wurde sofort rechtskräftig

Staatsanwalt Roland Kugler hatte zweieinhalb Jahre, Verteidiger Keser dagegen zwei Jahre beantragt. Das Gericht blieb etwa in der Mitte der zuvor gehaltenen Plädoyers. Dafür wurde das Urteil noch im Sitzungssaal 104 des Justizgebäudes rechtskräftig. „Ich akzeptiere das, so wie es ist“, erklärte der junge Mann kurz und knapp.